Gerichtsurteil
Nach tödlichem Überholmanöver: 5 Jahre und zwei Monate Haft

Das Bezirksgericht Andelfingen hat einen 23-Jährigen zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren und zwei Monaten verurteilt. Er hatte im November 2017 auf der A4 bei Humlikon einen tödlichen Verkehrsunfall verursacht.

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Ein Überholmanöver ging tödlich aus. Nun wurde der Fahrer zu einer Haftstrafe verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Ein Überholmanöver ging tödlich aus. Nun wurde der Fahrer zu einer Haftstrafe verurteilt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Symbolbild: iStockphoto

Das Bezirksgericht Andelfingen sprach am Montag das Urteil – fünf Jahre und zwei Monate Freiheitsstrafe für den 23-jährigen Schweizer. Er sei der mehrfachen vorsätzlichen Gefährdung des Lebens, der fahrlässigen Tötung, der fahrlässigen schweren Körperverletzung, der groben Verletzung der Verkehrsregeln und des Fahrens in fahrunfähigem Zustand schuldig. Schadenersatzforderungen muss er keinen nachkommen, denn die Opfer und die Angehörigen des Getöteten hatten darauf verzichtet.

Wie die Nachrichtenagentur SDA am Montag berichtet, ist das Urteil noch nicht rechtskräftig. Es kann noch ans Obergericht weitergezogen werden. Die Staatsanwältin hatte am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Andelfingen eine Freiheitsstrafe von 6 Jahren und 7 Monaten gefordert. Der Verteidiger hatte auf Fahrlässigkeit und Verzicht auf Bestrafung plädiert.

Das war geschehen:

Der in einer Anlehre ausgebildete Lastwagenchauffeur fuhr am 4. November 2017 gegen 5 Uhr morgens übermüdet und alkoholisiert vom Ausgang in Zürich nach Schaffhausen. Mit ihm im Auto sassen sein bester Freund und zwei junge Frauen, Bekanntschaften aus dem Ausgang.

Auf der A4 Richtung Schaffhausen fuhr er hinter einem Sattelschlepper mit Anhänger, der mit 80 Kilometern pro Stunde unterwegs war. Weil auf der dort einspurig geführten Strasse ein normales Überholen nicht ­möglich war, versuchte er, vor den Laster zu gelangen, indem er rechts abbog und mit hohem Tempo durch einen Rastplatz fuhr.

Beim Wiedereinbiegen in die A4 geriet sein Kleinwagen aber ins Schleudern. Er touchierte das Heck des in diesem Moment vor ihm vorbeifahrenden Sattelschleppers, schlingerte auf die Gegenfahrbahn und kollidierte dort mit einem korrekt entgegenkommenden Auto.

Der 21-jährige Freund des Beschuldigten wurde bei der Kollision getötet. Eine damals 19-jährige Mitfahrerin wurde schwer verletzt, sie hat bleibende Einschränkungen und musste den Beruf wechseln. Die zweite, damals 16-jährige Mitfahrerin, der Beschuldigte selbst sowie der damals 42-jährige korrekt fahrende Lenker erlitten leichte bis mittelschwere Verletzungen. (sda)

«Nur ganz knapp» nicht eventualvorsätzliche Tötung

Dass die Strafe milder ausgefallen ist, begründetet der vorsitzende Richter laut SDA damit, dass das Gericht das Handeln «nur ganz knapp» nicht als eventualvorsätzliche Tötung einstufte. Man habe daran gezweifelt, ob der damals 19-Jährige die schweren Folgen des Unfalls tatsächlich «billigend in Kauf nahm». Das Gericht habe die Annahme zugunsten des Beschuldigten getroffen, dass er darauf vertraut habe, dass die Lebensgefahr nicht eintreffen würde. Das sei fahrlässiges Handeln.

Sorgfaltspflicht «sehr schwerwiegend» verletzt

Zu Ungunsten des Angeklagten hielt das Gericht fest, er habe als gelernter Chauffeur, der die Strecke gut kenne, um die Gefahr wissen müssen. Als Fahrer habe er für die drei Mitfahrenden die Verantwortung getragen und er habe auch gewusst, dass er mit seinem Verhalten weitere Personen in Gefahr brachte. Mit seinem Verhalten habe er «sehr schwewiegend» die Sorgfaltspflicht verletzt und skrupellos die Sicherheit seiner Mitfahrenden missachtet.

Das Gericht zeigte zudem kein Verständnis für die Motivation für das «wahnwitzige Überholmanöver». Er habe Zeit gehabt, um lange feiern zu gehen und um eine Rauchpause während der Heimfahrt einzulegen, trotzdem habe er nicht abwarten wollen, bis sich die einspurige Fahrbahn wenige hundert Meter weiter vorne wieder verbreitert und er normal hätte überholen können.

Die ersten Worte der Reue seien dem Beschuldigten erst letzten Donnerstag zum Ende der Hauptverhandlung über die Lippen gekommen. Erst da habe er sich bei den Geschädigten entschuldigt, heisst es im Bericht der SDA weiter. (mma)