Zürich
Gericht bestraft 40-jährigen Autobahn-Schläger

Ein Mazedonier ist zu einer bedingten Freiheitsstrafe verurteilt worden, weil er auf der Autobahn einen anderen Lenker geschlagen hat.

Flavio Zwahlen
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Auf dieser Strecke kam es zum Streit.

Auf dieser Strecke kam es zum Streit.

Matthias Scharrer

Die Strecke zwischen dem Glattzentrum und der Ausfahrt in Regensdorf ist einer der meistbefahrenen Strassenabschnitte in der Schweiz. Viel Verkehr hatte es auch am 6. Februar vor zwei Jahren. An jenem Samstagnachmittag fährt der Beschuldigte mit seinem BMW vorbei am Glattzentrum Richtung Nordring Zürich. Mit ihm im Auto sitzen seine Ehefrau und seine Stiefschwiegermutter. Ihr Ziel: Lörrach (D).

Als ein weiterer BMW auf die Spur des Mazedoniers wechseln will, kommt es zum Streit. Der heute 40-Jährige fährt nämlich noch rechts vorbei, sodass der andere BMW hinter ihm einspuren muss. In diesem Wagen sitzen ein 70-Jähriger und sein Sohn. Beide sind Schweizer.

Der Sohn, der am Steuer sitzt, betätigt daraufhin die Licht- und die akustische Hupe. Bereits das bringt den Mazedonier in Rage. Unvermittelt und grundlos bremst er von Tempo 80 auf 30, worauf es beinahe zu einer Kollision kommt. Einige hundert Meter weiter treffen die beiden BMW parallel aufeinander. Die Schweizer links auf der Überholspur, der Mazedonier weiterhin rechts. Der Beschuldigte macht in der Folge drei Schwenker gegen das andere Fahrzeug. Die Schweizer müssen, um einen Unfall zu verhindern, in Richtung Leitplanke ausweichen. Nur wenige Zentimeter fehlen zum Zusammenprall mit dieser.

Vorwürfe bestritten

Vor Gericht bestritt der Mazedonier gestern diese Vorwürfe. «Ich musste abbremsen, weil sich die Autos vor mir stauten.» Auch von den Schwenkern wollte er nichts wissen: «Das habe ich nicht gemacht», sagte er. Diese Ansicht teilte sein Verteidiger: «Beim Heizkraftwerk gibt es eine lang gezogene Kurve, die Schwenker waren daher keine Absicht meines Mandanten.» Schikane-stopp sowie Abdrängen fallen im Gesetz unter vorsätzlich grobe Verletzung der Verkehrsregeln. Das Bezirksgericht Bülach war dann auch klar der Meinung, dass der Mazedonier die beiden Delikte begangen hat. «Die Aussagen der beiden Schweizer sind so detailliert und lebensnah, dass wir ihnen glauben können», sagte der Richter bei der Urteilsverkündung.

Die BMW fahren nach dem Stelzentunnel zwischen der Ausfahrt Rümlang und dem Rastplatz Büsisee in den Stau. Dabei kommt es erneut zum parallelen Aufeinandertreffen. Jetzt haben die Insassen auch genügend Zeit, um sich durch die geöffneten Fensterscheiben anzufluchen. «Sie haben mich als Hurensohn bezeichnet», sagte der Beschuldigte am Mittwoch. Daraufhin platzt ihm der Kragen. Er gibt Gas, stellt sein Auto quer auf die Fahrbahn seines Kontrahenten und hindert diesen so an der Weiterfahrt. Alle Beteiligten steigen aus. Der Mazedonier verpasst in der Folge beiden Schweizern Faustschläge gegen den Kopf und Kniestösse gegen ihren Unterleib. Anders als den Schikanestopp und das Abdrängen gestand der Beschuldigte diesen Teil des Vorfalls. «Ja, das habe ich gemacht, und es tut mir unglaublich leid für die Opfer.» Als er die Vorwürfe gegen ihn gehört habe, sei er ausgerastet.

Für die Faustschläge gegen Kopf und Gesicht plädierte die Staatsanwältin auf schwere Körperverletzung. Dafür könnte das Gericht gar eine Freiheitsstrafe von 10 Jahren aussprechen. Deshalb versuchte der Verteidiger beim Gericht, eine Verurteilung wegen einfacher Körperverletzung zu erwirken. Dafür gäbe es eine Freiheitsstrafe von höchstens drei Jahren. «Schläge gegen den Kopf sind allgemein gefährlich. Doch die Opfer befanden sich in diesem Fall nicht in Lebensgefahr», sagte er.

Kein Gefängnis

Das Gericht folgte dem Antrag des Verteidigers und sprach den Mazedonier nur der einfachen Körperverletzung schuldig. Dazu kommen aber noch Nötigung und Tätlichkeiten. Zusammen mit den groben Verletzungen der Verkehrsregeln ergibt das eine Freiheitsstrafe von 18 Monaten. Somit fällt das Urteil gar härter aus als von der Staatsanwältin gefordert. Sie plädierte auf eine elfmonatige Freiheitsstrafe. Weiter bekam der 40-Jährige eine Busse in der Höhe von 1'500 Franken aufgebrummt. Der Familienvater muss die Strafe aber nicht im Gefängnis absitzen. Das Gericht gewährt ihm den bedingten Vollzug unter Ansetzung einer dreijährigen Probezeit. Das Gleiche gilt für die Busse. Die Kosten muss der Verurteilte aber tragen: Genugtuung und Schadenersatz.

Der Richter begründete das Urteil so: «Sie wurden provoziert, das ist uns bewusst. Doch es geht gar nicht, dass Sie mitten im Verkehr aus ihrem Auto steigen und zuschlagen.» Er habe schwere Verletzungen in Kauf genommen. «Wir gehen aber zu Ihren Gunsten davon aus, dass es sich um eine einfache Körperverletzung handelt.» Es könne sein, dass sich die höhere Instanz für ein milderes Urteil entscheide. «Es ist aber auch möglich, dass das Obergericht die Strafe nochmals erhöht.» Auch wenn der Mazedonier bereits mehrere Male wegen Verkehrsdelikten angezeigt wurde, stellte ihm das Gericht eine gute Prognose.