Zürich
Georges Penthouse über den Casinos

Mister Clooney mit Whisky in der Hand, der es sich auf Interieur aus der «Mad Men»-Serie gemütlich macht. Solcherlei Assoziationen weckt das Restaurant George im fünften Stock des Hauses Ober in Zürich.

Nicole Döbeli
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Die Raumaufteilung des Restaurants George ist an eine grosse Loftwohnung angelehnt.

Die Raumaufteilung des Restaurants George ist an eine grosse Loftwohnung angelehnt.

Zur Verfügung gestellt

Nach Startschwierigkeiten konnte gestern die Eröffnung gefeiert werden.

Das sogenannte «Livingroom»-Konzept mit Gentlemancharakter wurde von der Beratungsfirma Wac (We are Content) entworfen, aus deren Feder auch das Helvti Diner stammt. Sie hätten verschiedene Psychogramme für das Restaurant erstellt, sagt Architekt Leopold Weinberg. Überzeugt hat schliesslich das Profil von «George», der Mann oder Frau sein könne. Die Idee: Der fiktive Namens- und Gastgeber lädt die Gäste in sein persönliches Penthouse ein.

Die Raumaufteilung ist an eine grosse Loftwohnung angelehnt. Wände gibt es keine, die Aussicht auf Zürich sollen alle sehen können. Als Herzstück gilt die Bar, an welcher vor allem die klaren Getränke für die Gentlemen dominieren. Daneben steht ein Flügel, auf welchem dereinst «Georges» Lieblings-Jazzmusiker spielen sollen. Weiter gibt es eine Art Sofaecke, ein Wohnzimmer mit kleinen Kaffeetischchen und einen Bereich, der wie ein Arbeitszimmer anmutet. Trotz der unterschiedlichen Möbel sei vorgesehen, dass in allen Bereichen Speisen konsumiert werden können, sagt Weinberg.

Clooney und Mütter als Kunden

Das Restaurant wird von der Selnau Gastro AG betrieben, einer Tochtergesellschaft der Swiss Casinos Holding AG. Gegründet wurde sie, nachdem die Suche nach Betreibern in Untermiete für das Dachgeschoss erfolglos verlaufen war. Sie operiert unabhängig von den Casinos in den unteren Stockwerken. Die Glücksspielgäste sind natürlich trotzdem gern gesehen und haben direkten Zugang über einen Lift. In erster Linie sollen aber neue Gäste gewonnen werden, das «George» sei keinesfalls exklusiv. Wie Mediensprecher Martin Vogel Anfang Jahr ankündigte, liegt auf dem Restaurant die Hoffnung, die Spielbank attraktiver zu machen. Diese hat Gästezuwachs nötig, für das Geschäftsjahr 2013 wurde nur ganz knapp eine schwarze Null geschrieben.

Das «Livingroom»-Konzept soll deshalb neben Clooneys und Hefners auch Mütter mit Kinderwägen anziehen. Die Bar als niederschwelliger Einstieg ins Glücksspiel sozusagen. So oder so müssen die Kunden gut gefüllte Portemonnaies bei sich tragen, die Aussicht auf Zürich hat ihren Preis. Die Tasse Kaffee gibts im «George» noch knapp unter fünf Franken, den Ceasar Salad fürs Mittagessen nur über 20.

So zentral die Lage, so gross die Konkurrenz. Weinberg zählt sie als eine der Herausforderungen auf. Auch die Aussicht hat nicht nur Vorteile, die Gäste müssen erst vier Stockwerke unter sich bringen. Vor dem Restaurant stand auch ein Club zur Diskussion, für diesen fehlten jedoch die Fluchtwege und damit die Bewilligung. Die Betreiber scheinen nun zuversichtlich hinter dem «George» zu stehen. Welche Kunden dieser mit seinem Gentlemancharme tatsächlich anzieht, bleibt vorerst offen.