Eine Volksinitiative will im Kanton Zürich die zweite Fremdsprache aus dem Lehrplan der Primarschule kippen. Das Sprachenkonzept sei untauglich und es sei eine bessere Staffelung des Fremdsprachenerwerbs nötig. Die Initianten, darunter sind auch Lehrerverbände, wollen die Diskussion in der Deutschschweiz neu lancieren.

Die Volksinitiative "Mehr Qualität - eine Fremdsprache an der Primarschule" ist am Freitag mit 9270 Unterschriften bei der Zürcher Staatskanzlei eingereicht worden.

Die Initiative verlangt, dass in der Primarstufe nur eine Fremdsprache vermittelt werden soll. Die zweite soll erst in der Sekundarstufe folgen. An den Lernzielen wird sich gemäss den Initianten nichts ändern. Die Schüler sollen am Ende der Schulzeit wie heute zwei Fremdsprachen beherrschen.

Ob nun Französisch oder Englisch aus dem Lehrplan der Zürcher Primarschule gekippt wird, lassen die Initianten bewusst offen. Der Bildungsrat soll bei einer Annahme der Initiative die Wahl treffen.

Vorstösse in mehreren Kantonen

Es ist nicht die erste Initiative dieser Art. Schon vor zehn Jahren kam das Anliegen, dass an der Primarstufe nur noch eine Fremdsprache vermittelt werden soll, an die Urne - wurde von den Zürchern damals aber verworfen. Im selben Jahr erlitten ähnliche Vorstösse unter anderem in Schaffhausen und Zug Schiffbruch.

Zehn Jahre danach flammte die Diskussion erneut auf. Der Thurgauer Kantonsrat beauftragte die Regierung, den Französisch-Unterricht auf die Sekundarstufe zu verschieben. In Nidwalden wurde eine Fremdspracheninitiative verworfen. In verschiedenen Kantonen sind aktuell ähnliche Vorstösse hängig oder wurden für ungültig erklärt.

Denn die Schweizerische Konferenz der kantonalen Bildungsdirektoren hält an der Vereinbarung über die Harmonisierung der obligatorischen Schule (HarmoS) fest. Gemäss dieser soll spätestens ab dem dritten Schuljahr die erste Fremdsprache und ab dem fünften Schuljahr die zweite vermittelt werden.

Dieses Konzept sei jedoch gescheitert, sagten verschiedene Vertreter von Zürcher Lehrerverbänden am Freitag vor den Medien. Aufwand und Ertrag stimme nicht, sagte Kurt Willi, Vizepräsident des Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverbandes (ZLV).

"In die fremdsprachliche Ausbildung der Primarlehrer werden riesige Investitionen gemacht." Und das für bloss zwei wöchentliche Englisch-Lektionen, deren Erfolg fraglich sei, sagte Willi weiter.

Daniel Kachel, Vizepräsident der Sekurdarlehrervereinigung SekZH, sprach ebenfalls von einer "unbefriedigenden Situation". Mit bloss zwei Lektionen pro Woche und Sprache kommen "viele Schüler auf keinen grünen Zweig". Dadurch seien sie bereits vor dem Übertritt in die Sekundarstufe demotiviert.

Frühes Lernen werde überschätzt

Der frühere Zürcher Kantonsrat und Bildungspolitiker Hanspeter Amstutz forderte, das sich "die Primarschule auf ihren eigentlichen Auftrag besinnen muss". Dazu gehöre nicht, "zwei Fremdsprachen ein bisschen zu lernen". Der Erfolg des frühen Lernens werde völlig überschätzt. Jugendliche würden mit analytischen Methoden auf der Sekundarstufe schneller lernen.

Die Initiative sieht im Notfall auch die Kündigung des HarmoS-Konkordates vor. Soweit muss es laut den Zürcher Initianten aber nicht kommen. Ihr Vorstoss "soll auch als über die Kantonsgrenzen hinausgehenden Zeichen für eine Revision des unbefriedigenden Sprachenkonzepts verstanden werden".

Amstutz erhofft sich eine "ernsthafte Diskussion", mit der allenfalls eine neue Deutschschweizer Lösung gefunden werden kann. Auch Lehrervertreter Willi hofft, dass sich mit der einsetzenden Debatte "in der leidigen Fremdsprachenfrage endlich etwas verändert".