Familienrecht
Gemeinsames Sorgerecht: Gute Erfahrungen in der Stadt Zürich

Seit dem 1. Juli 2014 gilt von Gesetzes wegen bei Trennungen und Scheidungen das gemeinsame Sorgerecht als Regelfall. Nach den Erfahrungen zieht die KESB der Stadt Zürich eine positive Bilanz.

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Die KESB der Stadt Zürich hat bisher positive Erfahrungen mit dem gemeinamen Sorgerecht gemacht. (Symbolbild)

Die KESB der Stadt Zürich hat bisher positive Erfahrungen mit dem gemeinamen Sorgerecht gemacht. (Symbolbild)

Keystone

Der vom Gesetzgeber gewünschte Effekt sei in der Stadt Zürich spürbar geworden, sagte KESB-Präsident Michael Allgäuer am Freitag vor den Medien. Bei den nicht Verheirateten sei der Anteil mit gemeinsamer elterlicher Sorge auf 80 Prozent gestiegen. 2009 lag der Anteil noch bei 67 Prozent.

Für Allgäuer hat dieser Anstieg vor allem damit zu tun, dass das gemeinsame Sorgerecht vereinfacht wurde. Nach der Revision des Zivilgesetzbuches genügt eine gemeinsame Erklärung der Eltern, dass sie gemeinsam die Verantwortung für ihr Kind übernehmen wollen und dass sie sich über Betreuung, Obhut und Unterhalt verständigt haben.

Die Eltern können diese Erklärung beim Zivilstandsamt oder bei der KESB abgeben. Diese Erklärung wird inhaltlich nicht überprüft, wie Allgäuer betonte. Früher war eine Vereinbarung über die Betreuung und den Unterhalt nötig, die von der Behörde genehmigt werden musste.

Mehr Mitsprache für VäterNeu kann die KESB auch auf einen einseitigen Antrag einer Mutter oder eines Vaters hin die gemeinsame elterliche Sorge anordnen. Im zweiten Halbjahr 2014 wurden 62 derartige Anträge gestellt und 14 Verfahren abgeschlossen.

In fünf Fällen wurde die gemeinsame elterliche Sorge von der KSEB angeordnet. In den übrigen Fällen einigten sich die Eltern während des Verfahrens auf eine gemeinsame Sorge. In keinem einzigen Fall wurde ein einseitiger Antrag von der Schutzbehörde abgewiesen.

Allgäuer führt dies darauf zurück, dass der Gesetzgeber die Schwelle für die Verweigerung der gemeinsamen elterlichen Sorge sehr hoch angesetzt hat. Damit werde den Vätern mehr Mitsprache bei der Erziehung der Kinder ermöglicht.

So kann auch bei häuslicher Gewalt eine gemeinsame elterliche Sorge nicht einfach untersagt werden. Grundsätzlich habe das Kind ein Anrecht darauf, sich vom Vater ein eigenes Bild machen zu können, auch wenn dieses Bild nicht gut sei, sagte Allgäuer.

Zur Frage, wann eine gemeinsame Sorge verweigert werden könne, gebe es noch keine verbindliche Gerichtspraxis.

Immer wieder heikle EntscheideDie neue Praxis um das Sorgerecht stellen die Behörden immer wieder vor heikle Probleme. Präsentiert wurde an der Medienkonferenz etwa das Fallbeispiel einer Handchirurgin, die ihren Wohnsitz aus beruflichen Gründen nach Paris verlegte und ihre beiden Zwillinge gegen den Willen des Vaters mitnehmen wollte.

In diesem Fall legte die KESB im Sinne einer vorsorglichen Massnahme fest, der Mutter ein Gesuchsrecht zu gewähren. Sie ist damit berechtigt, ihre Zwillingssöhne jedes zweite Wochenende zu sich zu nehmen.

Der Vater muss die Kinder am Freitagabend an den Flughafen Zürich bringen und die Mutter holt die beiden 7-jährigen Buben am Flughafen in Paris ab.

Die Idealvorstellung von Eltern, die trotz Trennung sich gemeinsam um die Betreuung ihrer Kinder kümmern und für ihre Entwicklung Verantwortung übernehmen, werde durch die gemeinsame elterliche Sorge allein nicht gewährleistet, räumte Allgäuer ein.

Unversöhnliche könne auch das neue Sorgerecht nicht vom Streiten abhalten oder davon, den Partner oder die Partnerin mit Vorwürfen zu überschütten. Ein minimales Mass an Kooperationsfähigkeit und der Wille dazu müssten schon vorhanden sein.

Generell, stellt der KESB-Präsident fest, sei die Anordnung von Massnahmen im Bereich Kindes- und Erwachsenenschutz in den letzten Jahren schwieriger geworden. Viele Fälle seien kompliziert, verlangten einen hohen Arbeitsaufwand und seien auch psychisch belastend.

Die negativen Schlagzeilen nach dem Tötungsdelikt im zürcherischen Flaach hätten zudem die Arbeit der KESB nicht einfacher gemacht.

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