Tauschen statt kaufen. Mieten statt besitzen. Das ist Sharing Economy. Ein ökonomischer Trend, bei dem es um gegenseitige Unterstützung, Kooperation und das Teilen geht. Mehr noch aber ist diese Bewegung eine Konsumkritik. Nicht mehr, sondern weniger Besitz ist das Ziel. Das Sharing erobert immer mehr Lebensbereiche. Neben Wohnungen, Musik und Haushaltsgeräten teilt man mittlerweile auch Kleider und Essen.

Teilen schont die Umwelt

So lädt heute Abend der Pavilleon – im ehemaligen Ticketcorner am Werdmühleplatz – zum gemeinsamen Kochen ein. Die Vereine Nextzürich und Zurbs haben die Lokalität vom Tiefbauamt für zwei Jahre zur Verfügung gestellt bekommen. Am Foodwaste Dinner im Kreis 1 wird diskutiert, gemeinsam gekocht und gegessen. Im Veranstaltungsbeschrieb sticht eine Aussage besonders hervor: «Beim gemeinsamen Znacht». Auch im Rahmen des am Donnerstag erstmals startenden Food Zurich Festivals gibt es eine Eat-In-Veranstaltung. Dahinter steht der Verein Slow Food Youth. Und so läuft der Event ab: Gegessen wird was die Teilnehmer mitbringen; im selber mitgebrachten Geschirr, mit dem eigenen Besteck. Hier fällt der Hinweis auf: «Bitte einen Behälter für allfällige Reste mitbringen». Fortwerfen ist nicht.

Es gibt viele Veranstaltungen mit dem gleichen Ziel und ähnlich klingenden Namen wie Food Sharing Dinner oder Food Sharing Circle. Ihre Gemeinsamkeit: Beim Essen-Teilen soll für einen weniger verschwenderischen Umgang mit Lebensmitteln sensibilisiert werden. Es sollen Ideen entstehen, was mit Essensresten angefangen wird. Karin Frick, Trendforscherin am Gottlieb Duttweiler Institut, sagt: «Alle Dinge die wir kaufen können, können wir grundsätzlich auch tauschen. Dank Digitalisierung und Vernetzung können wir bald so einfach nach allen Dingen suchen, wie heute nach Information. Bevor wir etwas kaufen, werden wir in unseren Schränken oder in denen der Nachbarn googeln.» Damit wird deutlich: Der Trend des Teilens scheint jede Sphäre des Alltages zu erobern. Sharing-Grenzen sind, gemäss Frick, Distanz und Transportkosten. Das gemeinsame Essen hat noch einen anderen Vorteil: Die digitale Anonymität weicht der Nähe.

Gemeinsam statt einsam

Teilen fühlt sich gut an und schont die Umwelt. Besonders die Textilbranche – allen voran die Fastfashion – verschwendet Ressourcen in hohem Masse. Für Alena Zehr einer der ausschlaggebenden Gründe warum sie vergangenen Winter mit ihren beiden Kolleginnen die Boutique Kleihd gegründet hat. Hinter der Leih-Boutique am Idaplatz in Zürich steht folgendes Konzept: Die Boutique fungiert als begehbarer Kleiderschrank von Alltags- und Festkleidung, die gemietet werden kann. Mit dem Monatsabonnement kann der Kunde fünf Kleidungsstücke ausleihen. «Unsere Idee ist, den eigenen Kleiderschrank auf qualitativ hochstehende Basics zu reduzieren. Die speziell-geschnittenen, extravaganten Teile lagern im geteilten Kleiderschank. Diese sind jederzeit ausleihbar. Damit reduziert sich der physische Besitz zu Hause. Das Geliehene funktioniert als Bereicherung zum privaten Kleiderschrank», sagt Zehr. Kleihd bereitet zudem ausgewählte Stücke auf und kombiniert sie mit Kleidern von regionalen Designern – wie den beiden Zürcher Labels Junglefolk und Freitag. Damit versucht Kleihd das Bewusstsein für Qualitätskleidung zu schärfen. Gerade bei teuren Kleidern lohnt sich das Probetragen vor dem Kauf, weiss Zehr von ihren Kunden.

So mancher will nicht mehr alles besitzen, ist übersättigt. Gesucht aber wird der Austausch und die Nähe. Deshalb genossen die Online-Tauschbörsen in den vergangenen Jahren grosse Beliebtheit. Derweil stieg aber wieder das Interesse an sogenannten «Swap-Events» – realen Kleidertauschbörsen mit sozialer Interaktion. Auf Interaktion setzt auch das Netzwerk Pumpipumpe aus Zürich und Bern. Online bestellt man Sticker, die abbilden, was man ausleihen kann: ob Gugelhopfform oder Staubsauger. Die Auswahl an Stickern, die man dann am Briefkasten anbringt, ist gross. Wie oft getauscht wird, weiss Mitgründerin Lisa Ochsenbein nicht: «Die Leih-Transaktionen finden an den Haustüren der Nutzer statt.» Dafür aber weiss sie, was in der Deutschschweiz am liebsten getauscht wird: Der Mixer.