Marienkäfer sind ein Grund zur Freude. Das herzige Tierchen frisst Blattläuse und bringt Glück. Doch vor einiger Zeit tauchte plötzlich sein aggressiver chinesischer Verwandter auf und begann, den heimischen Käfer zu verdrängen. Ähnliche Fälle kommen in der Schweiz immer häufiger vor. Der Kanton Zürich hat nun weitere Massnahmen erarbeitet, um gemeinsam mit den Gemeinden «entschlossen» gegen eingeschleppte Problempflanzen und Schädlinge vorzugehen.

Wie der Regierungsrat am Donnerstag mitteilte, gelangen die fremden Tiere und Pflanzen vor allem durch den Handel oder als blinde Passagiere in die Schweiz. Die Folgen können gravierend sein: Die Gesundheit von Mensch und Tier wird bedroht, Wurzeln beschädigen Strassen oder einheimische Arten werden verdrängt.

Fremde Muscheln am Schiff

Im ersten Massnahmenplan konzentrierte man sich laut Daniel Fischer, Sektionsleiter Biosicherheit beim Kanton, vor allem aufs Organisieren und Aufgleisen von Präventions- und Eindämmungsprojekten. Der zweite Plan soll fortführen, was sich bewährt hat und sich dem Umsetzen der Massnahmen widmen. Ein Schwerpunkt ist laut Fischer nach wie vor die Prävention: «Viele Menschen kennen sich nicht genau aus. Wir wollen vom Terrarienhalter bis zum Gärtnerlehrling alle erreichen.» Bei nautischen Bewilligungen sei es jetzt beispielsweise Vorschrift, Schiffsrümpfe reinigen zu lassen, damit keine fremden Muscheln in Seen gelangen.

Fischer spricht auch schon von ersten Erfolgen. Etwa bei der Pflanze Ambrosia, die heftige Allergien auslösen kann. Handel und Anbau werden mittlerweile von den Kantonen streng kontrolliert. «Das haben wir im Griff.» Auch die Eindämmung des Laubholzbockkäfers in Winterthur wird als vorbildlich bezeichnet. «Wir stehen aber noch vor sehr vielen Herausforderungen», fügt Fischer an.

Als Pflanzenbeispiel führt er das Schmalblättrige Greiskraut an. Dieses fand von Südafrika in die Schweiz und sei extrem aggressiv. Es kann zu Leberschäden bei Vieh und Menschen führen, im schlimmsten Fall zu Missbildungen bei Kindern. «Falls es sich zu weit ausbreitet, müssen wir irgendwann den Honig verbieten, weil Bienen die Pollen auflesen.» Bei den tierischen Schädlingen sei vor allem die Asiatische Buschmücke mühsam. Sie sieht der gefürchteten Tigermücke ähnlich und hat mittlerweile die einheimische Stechmückenart als häufigste abgelöst.

«Dann hätten wir ein Problem»

Ihre Stiche sind intensiver und sie überträgt leicht Krankheiten. «Wäre etwa das Dengue-Fieber in der Schweiz verbreitet, hätten wir ein Problem.» Die Mücke entwickelt sich in stehenden Wasserlachen, deshalb müssen Vasen, Basins oder auch Autoreifen oft geleert werden. Biotope seien kein Problem, weil die Mückenlarven sofort von anderen gefressen werden.

Der Kanton stellt auch zwei neue Instrumente vor. Einerseits werden Schwerpunktgebiete getestet, in denen koordiniert Bestände geschwächt werden, um sie auf einem akzeptablen Niveau zu halten «vom Privatgarten bis zu ganzen Waldflächen». Das Pilotprojekt im Reppischtal soll vier Jahre dauern, danach werde sich zeigen, ob in den intensiv gejäteten Gebieten fortan normaler Unterhalt reicht, um die Ausbreitung zu verhindern. Andererseits sollen geschulte Equipen gebildet werden, die beim Auftreten neuer Arten rasch eingreifen können. So könnten auch kleinere Gemeinden nach dem Vorbild Winterthur agieren. Wichtig ist laut Fischer, dass alle Beteiligten koordiniert und entschlossen vorgehen, «flickwerkmässiges Bekämpfen bringt nicht viel».