Zürich
Gemeinderat befasst sich mit sexueller Belästigung im ewz

Der Zürcher Gemeinderat hat am Mittwoch einen Bericht der Geschäftsprüfungskommission (GPK) zu Fällen sexueller Belästigung im Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz) diskutiert und mit 65 zu 48 Stimmen zur Kenntnis genommen.

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EWZ.

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Keystone

Während über zwei Jahren waren drei ewz-Mitarbeiterinnen verbalen sexuellen Belästigungen ausgesetzt, unter anderem von einem Vorgesetzten. Eine der Betroffenen meldete sich deswegen im April 2012 bei der Fachstelle für Gleichstellung.

Im August 2012 leitete das ewz eine Untersuchung ein. Eine klare Schuld wurde niemandem zugewiesen, arbeitsrechtliche Massnahmen wurden nicht ergriffen. Strafrechtlich relevant waren die Taten nicht.

Der fehlbare Vorgesetzte kündigte im Herbst 2013. Die Frauen hatten zuvor schon krankgeschrieben werden müssen. Sie verliessen das ewz, weil sie die Situation nicht mehr aushielten. Eine andere Stelle wurde ihnen nicht angeboten.

Die GPK untersuchte die Vorfälle. Ihn ihrem Bericht wirft sie der Fachstelle für Gleichstellung unangemessenes Verhalten gegenüber den Opfern vor. Sie empfiehlt deshalb unter anderem einen vermehrten Einbezug der Ombudsstelle in entsprechenden Fällen.

Auch weiter listet die GPK eine ganze Reihe von Empfehlungen auf. So solle, bevor eine Administrativuntersuchung eingeleitet werde, jeder Fall individuell betrachtet werden. Damit könne man geeignete Massnahmen treffen. Besonderes Augenmerk müsse auch auf die Dauer eines Verfahrens gelegt werden.

Rückweisungsantrag von links

SP und AL beantragten am Mittwoch erfolglos Rückweisung und Überarbeitung des Berichts. Es müsse Klarheit über die Schwere der Fälle geschaffen werden. Auch die Rolle und Verantwortung der Fachstelle für Gleichstellung müsse deutlicher gemacht werden.

Die Grünen ihrerseits beantragten - ebenso erfolglos - ablehnende Kenntnisnahme des Berichts. Sie seien "nicht ganz zufrieden" damit. Eine Rückweisung sei aber nicht sinnvoll - es müsse "jetzt mal gut sein".

Die Ratsmehrheit war der Ansicht, der Bericht in seiner Gesamtheit gebe ein klares Bild. Es brauche nicht eine Rückweisung und nicht ablehnende Kenntnisnahme, sondern eine Diskussion über den Umgang mit den Empfehlungen. Mit 78 zu 39 Stimmen beauftragte das Parlament den Stadtrat, einen Bericht über die Umsetzung der Empfehlungen zu verfassen.

An Schwachstellen arbeiten

Stadtrat Andres Türler (FDP) gab seinem Bedauern über die Vorfälle Ausdruck - sie hätten dem Image des ewz schwer geschadet. Passiert sei es, obwohl schon zuvor etwa Schulungen und Sensibilisierungsaktionen erfolgt seien, um dies zu vermeiden.

Der Bericht zeige unter anderem Schwachstellen auf, an denen man nach wie vor arbeiten müsse. Bei künftigen Verfahren müsse eine verantwortliche Person benannt werden, damit sich die Betroffenen nicht allein gelassen fühlten. Fehlbare müssten zu Rechenschaft gezogen werden.

Stadtpräsidentin Corine Mauch (SP) machte klar, sexuelle und sexistische Belästigung sei intolerabel und dürfe nicht akzeptiert werden. Es gehe um Integrität und um Respekt vor Mitarbeitenden. Geschehe es dennoch, stehe ein guter Umgang damit im Zentrum. Ziel müsse sein, inakzeptables Fehlverhalten schnell zu stoppen.