Abstimmung
Gemeinden lehnen Business-Fliegerei ab und sprechen sich für «historischen Flugplatz mit Werkflügen» aus

Die drei Anrainergemeinden Dübendorf, Volketswil und Wangen-Brüttisellen wollen den Flugplatz Dübendorf selbst betreiben – mit höchstens 20'000 Flugbewegungen pro Jahr.

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Keystone

Die Stimmbevölkerung der drei Anrainergemeinden Dübendorf, Volketswil und Wangen-Brüttisellen sagte am Sonntag deutlich Ja zum Betrieb des Flugplatzes Dübendorf in Eigenregie. Mehr als ein Signal nach Bern ist das Abstimmungsergebnis allerdings nicht. Der Ja-Stimmen-Anteil in Dübendorf betrug 57,7 Prozent, in Volketswil 70,3 Prozent und in Wangen-Brüttisellen 74,1 Prozent.

Die drei Gemeinden sprachen sich damit deutlich für ihr Konzept «Historischer Flugplatz mit Werkflügen» aus und treten so dem Bund proaktiv entgegen: Sie wollen die Flugplatzentwicklung selbst steuern und die vom Bund geplante Erweiterung des Flugbetriebs zum Business-Airport verhindern.

Ihr Konzept erlaubt den Luftverkehr im staatlichen Auftrag, Luftrettung, die historische Luftfahrt sowie Werkflüge - im Gegensatz zum Bund jedoch keine Business-Flüge und keine Klein- und Sportfliegerei. Die Flugbewegungen werden auf 20'000 pro Jahr beschränkt und die Betriebszeiten bleiben gleich wie bisher.

Der Vorschlag sieht vor – nachdem nun alle drei Gemeinden zugestimmt haben – eine Aktiengesellschaft zu gründen. Der einmalige Kostenanteil am Aktienkapital von insgesamt 2 Millionen Franken wird auf die Gemeinden aufgeteilt, wobei Dübendorf 58,6 Prozent übernehmen wird, Volketswil 25,4 Prozent und Wangen-Brüttisellen 16 Prozent. Die Gemeinden halten zumindest zu Beginn 100 Prozent des Aktienkapitals. Dieser Anteil kann später gesenkt werden, die Gemeinden wollen aber die Aktienmehrheit behalten.
Ausserdem müssten die Gemeinden gemäss Business-Plan in den ersten zehn Jahren gemeinsam jährlich ein Defizit von 1,3 Millionen Franken stemmen. Müssten, denn eine gemeinsame Aktiengesellschaft heisst nicht, dass die Gemeinden den Flugplatz auch betreiben werden. Denn der Bund hat andere Pläne und im März das Konzept der Anrainergemeinden abgelehnt.

Zwar sei der Gegenvorschlag operativ umsetzbar, es würden aber wichtige Anforderungen des Bundes nicht erfüllt, teilte das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) damals mit: Der Flugplatz Dübendorf soll als ziviles Flugfeld mit Schwerpunkt Geschäftsluftfahrt genutzt werden. Die Flugplatz Dübendorf AG, vom Bund beauftragt, den zivilen Flugplatz zu planen, hat Anfang November bereits ihre Vision des künftigen Zivilflugplatzes vorgelegt. Damit dürfte das Ja der drei Gemeinden nicht mehr als ein Signal nach Bern sein.

«Bund ist nun klar gefordert»

Die Vertreter der Gemeinden sind allerdings überzeugt, dass sich mit dem Abstimmungsergebnis die Voraussetzungen «nochmals deutlich verbessert» haben. Das Konzept stehe mit der gesicherten Finanzierung auf «einer sehr verlässlichen Basis». Auf dieser Grundlage wollen die Standortgemeinden nun den Dialog mit Kanton und Bund weiterführen.

Auch die IG Zivilflugplatz Dübendorf Nein ist vom Resultat erfreut. Die Bevölkerung habe sich «klar und deutlich geäussert, dass ein privat betriebener Businessairport nicht akzeptiert wird». Nun bestehe eine konkrete und taugliche Alternative zu den Plänen des Bundes. Das Pro Komitee «Historischer Flugplatz mit Werkflügen» spricht von einem deutlichen und klaren Signal: Der Bund sei nun klar gefordert, auf den Kompromiss der Standortgemeinden umzuschwenken und für diese gute Lösung Hand zu bieten. (sda)