Wissenschaft
Geisteskraft als Waffe gegen den Terror

In der öffentlichen Debatte sollen kluge Köpfe nicht länger stumm bleiben. Diskurse der Geistes- und Sozialwissenschaftler könnten den Terror bekämpfen.

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Wissenschaftler können gegen den Terror auf der Welt einiges ausrichten.

Wissenschaftler können gegen den Terror auf der Welt einiges ausrichten.

KEYSTONE

Wenn es um Forschung in der Schweiz geht, wendet sich der Bundesrat an ihn: Gerd Folkers (63), deutscher Chemieprofessor an der ETH Zürich, ist seit Jahresbeginn Präsident des Schweizerischen Wissenschaftsrats. Im Interview mit der „Schweiz am Sonntag“ kündigt er an, dem Gremium mehr Einfluss zu verschaffen. Der Rat habe sich in der Vergangenheit zu sehr zurückgenommen, sagt Folkers.

„Wir wollen ein bedeutendes Sprachrohr der Science Community werden.“ Folkers wird neu einmal wöchentlich nach Bern reisen und auch während der Session den Parlamentariern die Sicht der Wissenschaftler vermitteln. Sei Ziel ist es, auch in der öffentlichen Debatte gehört zu werden. Folkers kritisiert, dass heute viele kluge Köpfe stumm bleiben – aus Angst vor Shitstorms. Heute seien sie wegen den modernen Medien sofort Aggressionen ausgesetzt.

Dabei könnten Geistes- und Sozialwissenschaftler besonders in der Terror-Debatte nach Paris und Brüssel einen entscheidenden Beitrag leisten. „Gerade jetzt wäre es gut, die Stimme der Geistes- und Gesellschaftswissenschaften stärker zu hören“, sagt er. Sie müssten einen Diskurs anzetteln, warum es Terroranschläge überhaupt gibt, wie sie entstanden sind, was die Religionen wirklich sagen und was das soziale Milieu damit zu tun hat.

„Das würde uns helfen, Lösungen zu finden.“ Folkers denkt dabei an Köpfe wie Historiker Thomas Maissen und Jakob Tanner, aber auch Adolf Muschg und Lukas Hartmann. Auch zum Numerus Clausus wird Folkers deutlich: Ein Numerus clausus sei grundsätzlich negativ. „Man sollte junge Leute in ihrer vollen Faszination das machen lassen, was sie wirklich wollen“. Ob es einen Test gäbe, der die intrinsische Motivation erkennt, bezweifelt er. „Vielleicht würde es mehr bringen, wenn sich die Leute in einem Assessment beweisen können. Wir benötigen junge Menschen mit einem inneren Feuer.“