Tiefbau

«Geht doch!» – Rämistrasse soll nun doch einen zweiten Velostreifen erhalten

An der Rämistrasse soll nun auch bergwärts ein Velostreifen erstellt werden.

An der Rämistrasse soll nun auch bergwärts ein Velostreifen erstellt werden.

Die Rämistrasse in Zürich soll links und rechts einen Velostreifen erhalten, ein Trottoir müsste weichen. Die VCS-Idee findet bei FDP-Stadtrat Filippo Leutenegger Anklang. Für die Fussgänger würde ein balkonartiger Weg in der Stützmauer erstellt.

Stadtrat Filippo Leutenegger hat öfter spektakuläre Ideen: eine Rolltreppe zur Universität etwa oder eine provisorische Pontonbrücke am Zürichhorn zur Baustellenumfahrung. Je nachdem erweisen sich die Vorschläge aber als vorderhand zu visionär oder nicht umsetzbar. Seine Idee, das Nadelöhr Rämistrasse durch einen Balkon in der entlangführenden Stützmauer zu entschärfen, scheint nun aber mehr als eine Eintagsfliege zu sein. Vor einem Jahr hat er sie an der Jahresmedienkonferenz des von ihm geführten Tiefbauamtes vorgestellt.

Gestern war wieder Jahresmedienkonferenz, und das Balkonprojekt erneut Thema – in modifizierter Form. Neu ist, dass die Rämistrasse nicht nur entlang der Fahrspur bergab einen Velostreifen erhalten soll, sondern auch bergwärts. Der nötige Platz würde geschaffen, indem nicht nur das mauerseitige Trottoir aufgehoben würde, wie es schon die ursprüngliche Idee vorsah, sondern zusätzlich die Mauer um bis 1,2 Meter zurückversetzt würde.

Insistieren des VCS trägt Früchte

Der VCS hatte im Dezember ein eigenes Projekt vorgestellt, das ebenfalls einen Velostreifen auch bergwärts forderte. «Geht doch!», schrieb der Verband gestern auch prompt als Reaktion auf Leuteneggers Ausführungen. Das Insistieren von VCS und Gemeinderat trage endlich Früchte. Mit dem wegfallenden Trottoir entlang der Stützmauer stünde für die Fussgänger nur noch der Weg offen, der oberhalb der Mauer durchführt. Er würde über die bestehende, recht steile Rampe erreicht.

Mit einer Absenkung der Mauerkrone um drei bis vier Meter liesse sich die Rampe allerdings verkürzen und der geplante Balkon für die Fussgänger tiefer anbringen. Entsprechend würde die Steigung besser verteilt, wie Leutenegger ausführte. Die Velos, denen mit der ursprünglichen Idee bergauf ebenfalls nur dieser Weg offengestanden wäre, sollen ihn auch in der aktualisierten Fassung nützen dürfen, in Anmahnung gebührender Rücksichtnahme auf die Fussgänger.

«Eine grössere Nummer»

Leutenegger wies auf eine weitere Idee hin. Die Ausfahrt aus dem Parkhaus Hohe Promenade, die sich als Brücke über die Rämistrasse spannt, soll auch für Fussgänger und Velofahrer benutzbar werden. Für Letztere eröffnete sich dadurch eine direkte Verbindung vom Seefeld via Stadelhofen und Olgastrasse zum Seilergraben. Ein Knackpunkt ergäbe sich auf der Rämistrasse im Bereich der Kronenhalle, wo sich keine Mauer zurückversetzen lässt. Hier kämen Auto und Tram auf eine gemeinsame Spur.

Das alles sei eine grössere Nummer, betonte Leutenegger. Um die 50 Millionen Franken werde sie wohl schon kosten. Um die Machbarkeit weiter abzuklären, hat der Stadtrat gestern eine Erhöhung des entsprechenden Studienkredits um 390'000 auf 800'000 Franken gutgeheissen.

Eine weitere Idee, «die in den nächsten Jahren vorangetrieben werden soll», wie Leutenegger sagte, ist ein Veloveloweg auf der Bellevue-Seite unter der Quaibrücke hindurch. Der bestehende Fussgängerweg entlang der Uferlinie bliebe bestehen, der Veloweg würde parallel dazu als Tunnel geführt. Er käme in den Hohlraum zu liegen, der sich zwischen den Widerlagern der bestehenden Brücke und jener des ursprünglichen Bauwerkes befindet. Letzteres war länger, weil der Limmat damals noch mehr Breite zugestanden worden war.

Warten auf die Velostation HB

Bereits sehr konkret ist das Projekt Velostation Stadttunnel HB. Es nutzt den einst vorsorglich, aber unnötigerweise erstellten Autobahntunnel, der entlang der Sihl die Gleise des Hauptbahnhofes quert. Das 192 Meter lange Bauwerk soll künftig als Velostrasse dienen und in einem ersten Ausbauschritt 1100 Veloabstellplätze umfassen. Man hoffe, noch in diesem Jahr die Bauarbeiten starten zu können, sagte Leutenegger. Allenfalls werde es aber auch 2019. Die abschliessende Genehmigung durch den Kanton stehe noch aus. Dieser nehme noch letzte Abklärungen vor. Es gehe etwa um die Frage, ob auch schnelle E-Bikes den Tunnel nützen dürfen.

Im Weiteren verwies Leutenegger auf die Veloroute entlang des Seebeckens, die in Etappen bis 2022 erstellt werden soll. Teils führt sie stark befahrenen Strassen entlang, so bei der «Pumpstation» am Utoquai oder auf der anderen Seeseite beim Mythenquai. Nächstens werden an diesen zwei Orten versuchsweise gläserne Abschrankungen aufgestellt, um die Velofahrer besser vor den Autos zu schützen.

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