Gleich drei Zürcher Stadträte, die beiden Klubpräsidenten Stephan Anliker (GCZ) und Ancillo Canepa (FCZ) sowie der Kommandant der Stadtpolizei, Daniel Blumer, traten am Freitag vor die Medien. Die naheliegende Vermutung, dass das Grossaufgebot gegen Fussballgewalt auch mit der auf Ende November angesetzten Abstimmung über ein neues Fussballstadion zu tun haben könnte, wiesen sie zurück. «Da gibt es keinen direkten Zusammenhang», sagte Sicherheitsvorsteherin Karin Rykart (Grüne).

Der Handlungsbedarf ist unabhängig von irgendwelchen Stadionplänen unumstritten. Gewalt im Umfeld von Fussballspielen ist zwar nichts Neues, sorgte aber in diesem Jahr wieder vermehrt für Schlagzeilen – zuletzt vor rund vier Wochen, als vermummte FCZ-Anhänger an der Seepromenade Polizisten und Sanitäter daran hinderten, zu einem mit Messerstichen verletzten Mann zu gelangen.

Verlagerung der Gewalt

Der Vorfall steht beispielhaft für eine Entwicklung, welche die Bekämpfung der Gewalt, die von einer kleinen Gruppe von Fussballanhängern ausgeht, erschwert: «Seit rund einem Jahr ereignen sich die Vorfälle kaum mehr im oder direkt vor dem Stadion, sondern irgendwo auf dem Stadtgebiet», sagte Rykart.

Die Brutalität einzelner Ereignisse sei beängstigend. Der FC Zürich spielte am 18. August auswärts gegen den FC Concordia Basel. Der Vorfall an der Seepromenade ereignete sich spätabends, rund zwei Stunden nach der Rückkehr aus Basel mit dem Extrazug.

Stadtrat Filippo Leutenegger (FDP), Vorsteher des Schul- und Sportdepartements, erläuterte die drei Säulen der Strategie, mit der die Stadt gemeinsam mit den Fussballclubs gegen die Gewalt vorgehen will: Enge Zusammenarbeit aller Beteiligten, mehr Präventionsarbeit und verstärkte Repression.

Bislang am konkretesten ausgearbeitet sind die repressiven Massnahmen, für die in erster Linie die Stadtpolizei zuständig ist. «Wir schätzen die Anzahl gewaltbereiter Personen im Umfeld der Fanszene auf rund 200», sagte Kommandant Daniel Blumer. Man dürfe nicht tolerieren, wenn Gewalttäter friedliche Fans, Polizisten oder unbeteiligte Dritte verletzen würden. «Wir setzen alles daran, Gewalttäter zu ermitteln und zu verzeigen.»

Entscheidend sei aber auch, dass diese anschliessend möglichst rasch und streng bestraft würden. Deshalb sei man auch in stetem Kontakt mit Vertretern der Staatsanwaltschaft. Im laufenden Jahr habe man bereits 47 Personen ermittelt und verzeigt. Der Druck soll nun erhöht werden. «Enorm wichtig ist die Identifizierung von Tätern», sagte Blumer. Dazu soll vermehrt Videoüberwachung eingesetzt werden, sowohl stationär an neuralgischen Punkten als auch mobil. Videoaufnahmen hätten nachweislich die beste Wirkung und könnten auch in Strafverfahren als Beweismittel dienen.

Kein Schwarzpeterspiel mehr

Für die Fussballclubs sind gewalttätige Personen in den Reihen ihrer Fans ein Ärgernis. «Es gibt Leute, die haben bei uns Stadionverbot und sind mit einem FCZ-Shirt in der Stadt unterwegs», sagt Canepa. Würden diese dann jemanden zusammenschlagen, werde es als «Fangewalt» bezeichnet.

«Eine kleine Minderheit von Chaoten macht uns das Leben schwer. Wir wollen diese Leute nicht im Stadion oder als unsere Fans haben!» Auch für GC-Präsident Anliker sind die Chaoten Gewalttäter, die den Fussball als Plattform missbrauchen. «Wir werden alles unterstützen, das dazu beiträgt, dieses Chaotentum zu unterbinden.» Man sei bereit, dies gemeinsam und partnerschaftlich anzupacken. Ein gegenseitiges Abschieben der Verantwortung zwischen Behörden und Klubs soll es nicht mehr geben. «Das Schwarzpeterspiel ist beendet.»

Die gemeinsamen Bemühungen werden in der Arbeitsgruppe «Doppelpass» koordiniert. Diese hat ihre Tätigkeit bereits Anfang Jahr aufgenommen.