«Dem Krebs ist es egal, ob Sie Christ, Jude oder Muslim sind.» Mit diesen Worten beginnt der Trailer des Films «Dear Mamma». Zusammen mit der gleichnamigen App feiert das Projekt der privaten Zürcher The Dear Foundation heute im Landesmuseum in Zürich Premiere.

Die Geschichte beginnt am Toten Meer. Eine Gruppe von christlichen, jüdischen und muslimischen Frauen trifft sich, um sich über die eigenen Brustkrebserfahrungen auszutauschen. Sonja Dinner, Präsidentin der Dear Foundation, befindet sich in dieser Gruppe und realisiert, dass es weltweit noch viel Aufklärungsarbeit hinsichtlich medizinischer Selbstversorgung braucht. Neben den Reisen in die ärmsten Gegenden der Welt aber war es eine persönliche Erfahrung, die Dinner zur Brustkrebsaufklärung führte: «Ich habe meine Cousine in den Tod begleitet. Auch sie war an Brustkrebs erkrankt.»

Dann ist da noch diese Zahl: Jährlich sterben zirka 700 000 Frauen weltweit an Brustkrebs. «Das ist zu viel», sagt Dinner. Mit der weltweit ersten App für Analphabetinnen und dem Aufklärungsfilm wolle man den Frauen helfen, die Scham darüber zu beseitigen, an dieser Krankheit zu leiden. Deshalb ist es laut Dinner wichtig, medizinische Informationen für die Selbstuntersuchung zu verbreiten. «Die App erinnert die Frauen alle dreissig Tage daran, ihre Brust abzutasten», so Dinner. Bei einer ungewöhnlichen Entdeckung oder Schmerzen, könnten sie mit der App die schmerzende Körperstelle fotografieren und mittels einer Sprachnachricht das Empfinden beschreiben. Zudem liefere die App Informationen, an wen sie sich dann wenden könnten. «Wir schaffen damit einen simplen Zugang, einen möglichen Krankheitsverlauf zu dokumentieren», sagt Dinner. Es gehe um das Bewusstsein für den eigenen Körper, das in ärmlichen Verhältnissen kaum eine Rolle spiele.

Auch Europa wird aufgeklärt

Mit der Aufklärungskampagne versucht die Stiftung, die ärmsten Frauen sowie Analphabetinnen weltweit zu erreichen: «Auch in den ärmsten Gegenden der Welt ist der Zugang zu Smartphones und Fernsehern grösstenteils gewährleistet», sagt Dinner. Der Film, den es kostenlos auf Youtube zu sehen gibt, und die App werden zu Beginn auf Englisch, Französisch, Spanisch, Arabisch und Hebräisch lanciert.

Ende Jahr oder spätestens zu Beginn des nächsten Jahres soll das Material auch auf Deutsch erhältlich sein: «Wir haben in der Schweiz, Deutschland und Österreich viele Migrantinnen, die weder lesen noch schreiben können. Auch das medizinische Wissen über Brustkrebs ist kaum vorhanden», sagt die Dear-Foundation-Präsidentin. Eine Studie über die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung, welche die EU von 2009 bis 2012 durchführte, zeigt, dass beispielsweise 51 Prozent der österreichischen und der spanischen Bevölkerung über unzureichende Gesundheitskenntnisse verfügen.

Kino-Abende auf Dorfplätzen

Nach der Premiere kommende Woche beginnt die Stiftung sogleich mit der Verbreitung des Informationsmaterials. Palästina, Isreal, Burkina Faso und Äthiopien werden die ersten Länder sein, in denen die Stiftung versucht auf die App aufmerksam zu machen. Mitt Kinoabenden auf Dorfplätzen sowie mit Krankenschwestern und Ärzten vor Ort versuche man die Frauen aufzuklären und ihnen beim Download der App auf ihre Android-Geräte zu helfen. Vom Nutzen für die Gesellschaft ist Dinner überzeugt: «Es ist egal, welcher Religion, Nationalität oder Ethnie wir angehören. Am Ende des Tages sind wir Frauen alle gleich.»