Gefängnisausbruch
Gefängnis-Liebe hält: Hassan Kiko und Angela Magdici wollen heiraten

Heute steht der syrische Häftling Hassan Kiko, der Anfang Februar aus dem Limmattaler Gefängnis ausbrach, vor dem Zürcher Obergericht. Mit dabei am Prozess: Seine Ausbruchsgehilfin und mittlerweile Verlobte Angela Magdici.

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Die 32-jährige Aufseherin Angela Magdici hat den 27-jährigen Gefangenen Hassan Kiko aus seiner Zelle befreit.

Die 32-jährige Aufseherin Angela Magdici hat den 27-jährigen Gefangenen Hassan Kiko aus seiner Zelle befreit.

Nordwestschweiz

Der wegen Vergewaltigung angeklagte Hassan Kiko und die ehemalige Gefängnisaufseherin Angela Magdici glauben weiterhin an eine gemeinsame Zukunft. Egal wie das Urteil ausfallen wird: Sie wollen heiraten. Dies sagte Kikos Anwalt Valentin Landmann während des Prozesses am Dienstag am Obergericht.

Sein Mandant sei früher "sexuell etwas wahllos" vorgegangen, sagte Landmann während des Plädoyers. Jetzt habe er aber unter etwas ungewöhnlichen Umständen die Liebe seines Lebens gefunden. Kiko wolle in jedem Fall mit Magdici zusammenbleiben.

Auch ohne Landmanns Äusserungen wurde den Anwesenden schnell klar, dass der Häftling und die ehemalige Aufseherin immer noch ein Paar sind. Sie war die einzige, die den Prozess als Zuschauerin mitverfolgte. Die beiden lächelten einander an, er warf ihr eine Kusshand zu. Kontakt dürfen sie während des Prozesses allerdings keinen haben. Die Pausen verbringen sie getrennt.

Der Prozess

Hassan Kiko steht heute nicht wegen der Flucht nach Italien, sondern wegen Vergewaltigung einer jungen Frau vor dem Gericht. Die Staatsanwaltschaft wirft dem gelernten Coiffeur vor, eine knapp 16-Jährige auf einem Parkplatz vor einer Sisha-Bar vergewaltigt zu haben. Er soll wegen sexueller Handlungen mit einem Kind, Vergewaltigung und sexueller Nötigung verurteilt werden. Dafür soll Kiko 54 Monate hinter Gitter, also viereinhalb Jahre.

Folgt das Obergericht diesem Antrag, wäre dies eine Verschärfung des erstinstanzlichen Urteils. Das Bezirksgericht Dietikon hatte Kiko zu einer Freiheitsstrafe von vier Jahren verurteilt. Der Syrer ist einschlägig vorbestraft. Er wurde bereits zwei Mal wegen eines Sexualdelikts verurteilt, einmal im Thurgau zu dreieinhalb Jahren.

Hassan Kiko streitet die Tat aber nach wie vor ab. Kiko blieb in der Befragung bei seiner Version des einvernehmlichen Geschlechtsverkehrs. Sie habe sogar mehr Lust gehabt als er. Zudem habe sie ihm gesagt, dass sie schon 19 sei.

Das Urteil wird im Laufe des Tages bekannt gegeben.

Angela M. und Hassan K. - was bisher passierte In der Nacht auf Dienstag, 9. Februar, verhalf die Gefängniswärterin Angela M. (32) dem Häftling Hassan K. (27) zur Flucht aus dem Gefängnis Limmattal in Dietikon.
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Sie schloss die Türen auf, während ihr Kollege auf Nachtschicht schlief. Und: Bald ist klar, dass Angela M. und Hassan K. ein Liebespaar sind.
Hassan K. kam 2010 in die Schweiz. Er wurde vom Bezirksgericht Dietikon wegen Vergewaltigung einer knapp 16-Jährigen zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtskräftig, weil er es an das Zürcher Obergericht weiterzieht.
Angela M. ist in Wohlen AG aufgewachsen, trainierte dort Kickboxen. Vor der Flucht lebte sie seit drei Monaten von ihrem Mann getrennt, den sie 2014 geheiratet hatte.
Nach ihrer Flucht wurde bekannt, dass sie mit einem Auto über die Grenze zu Italien geflüchtet waren. Es handelte sich um einen schwarzen BMW X1 mit dem Kennzeichen ZH 528 411.
Am 21. März tauchte eine Video-Botschaft vom M. und K. auf: Die ehemalige Gefängniswärterin entschuldigte sich darin bei ihrer Familie und beteuerte, Kiko sei «der Mann ihres Lebens».
Gott habe sie für seine Flucht gesandt: So äusserte sich Hassan K. im Video über Angela M. Er beteuerte, er sei zu unrecht verurteilt worden und beklagte sich über die Haftumstände.
«Das war nicht so gescheit»: Das sagte der IT-Experte Lionel Bloch über die Veröffentlichung des Videos. Tatsächlich fand die Polizei - nicht nur dank des Videos allerdings - heraus, wo sich das Pärchen versteckte.
In der Nacht auf Karfreitag, 25. März, klickten die Handschellen: Sie und er waren im Bett, als nachts um 3 Uhr Polizisten die Wohnung stürmten. Die Wohnung befand sich in einem Hochhaus in Romano di Lombardia (I), rund 100 Kilometer von der Schweizer Grenze und 60 Kilometer östlich von Mailand entfernt. Angela M. wehrte sich so sehr, dass vier Beamte nötig waren, um sie zu überwältigen.
Danach sitzen sie in einem italienischen Gefängnis. Gemäss ihres Anwalts haben sie ihrer Auslieferung in die Schweiz zugestimmt.
Nach 66 Tagen war Angela M. am Donnerstag, 14. April 2016, zurück in der Schweiz. Bis zur Urteilsverkündung sass sie in Untersuchungshaft. In Chiasso übernahmen Schweizer Polizisten Angela M.
Talk Täglich, 23. Mai 2016: Angela M. mit ihrem Verteidiger Urs Huber und Moderator Markus Gilli.

Angela M. und Hassan K. - was bisher passierte In der Nacht auf Dienstag, 9. Februar, verhalf die Gefängniswärterin Angela M. (32) dem Häftling Hassan K. (27) zur Flucht aus dem Gefängnis Limmattal in Dietikon.

Kapo ZH

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