Gleich zwei Mal habe es ihm in den letzten Tagen "den Hut gelupft", sagte Fraktionschef Jürg Trachsel in einer Fraktionserklärung. Das erste Mal, als eine Gefängniswärterin mit ihrem neuen syrischen Liebhaber aus dem Gefängnis marschiert sei.

Noch in der Schweiz habe die Gefängnisaufseherin mit Kreditkarten bezahlen und die nicht informierten Grenzbeamten samt ihren Hightech-Kameras passieren können, um dann ins Ferienland Italien weiterzureisen.

"Hilflose Erklärungsversuche"

Das zweite Mal "den Hut gelupft" habe es ihm angesichts der hilflosen Erklärungs- beziehungsweise Beschwichtigungsversuche von Thomas Manhart, dem Chef des Amtes für Justizvollzug.

Da sei von einem "absolut singulären Fall", von "nötiger Distanz", mit welcher man aus Gründen wie IS oder Suizid den Leuten den Puls fühlen müsse, und vom "sehr hohen Standard" die Rede gewesen.

Der Kanton Zürich habe alles, damit der Justizvollzug funktionieren könne, sagte Trachsel.

Die zuständige Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) und der Chef des Amtes für Justizvollzug hätten jedoch einmal mehr nicht darauf geschaut, dass es funktioniere.

Gemäss Trachsel wären zwei Aufsichtspersonen im Gefängnis Dietikon ausreichend, wenn nicht eine durch "bezahltes Schlafen" faktisch ausser Dienst gewesen wäre.

Während Anwälte oftmals unzählige Schleusen passieren müssten, sei es für die verliebte Wärterin offenbar möglich gewesen, zusammen mit ihrem Lover das Gefängnis wie ein Hotel zu verlassen.

SVP: "Lassen wir ihn, wo er ist"

Wenn schon solche Peinlichkeiten passierten, sei es völlig unhaltbar, die öffentliche Fahndung erst auszulösen, wenn die Flüchtlinge schon über alle Berge seien. Da nützten weder Kreditkarten-Nachverfolgungen noch Kameras oder Zollbeamte etwas.

Mit seiner Flucht ins Ausland habe der einschlägig vorbestrafte Syrer der Durchsetzunginitiative vorgegriffen, ganz ohne Zutun des Amtes für Justizvollzug. "Lassen wir ihn, wo er ist", so der SVP-Fraktionschef.

Markus Späth (SP, Feuerthalen) wies die Kritik zurück und bezeichnete den SVP-Angriff auf die Justizbehörden als "scheinheilige Schuldzuweisungen". Es sei offensichtlich, dass das Gefängnis Dietikon ein Ressourcenproblem habe.

Anders sieht dies das Amt für Justizvollzug. Sprecherin Rebecca de Silva sagt auf Anfrage, dass das Gefängnis Limmattal relativ gut aufgestellt sei: «Dass drei Aufseher den Nachtdienst übernehmen, ist nur in grossen Gefängnissen umsetzbar.» Um den Nachtdienst in Dietikon mit drei Personen zu bestücken, müssten mindestens zwei neue Stellen geschaffen werden. Zwar sei eine dritte Person für den Nachtdienst wünschenswert, doch nicht zwingend notwendig: «Auch die Erweiterung der Alarmierungs- und Überwachungsmittel wie auch eine Verbesserung der internen Abläufe tragen zu einer erhöhten Sicherheit bei», sagt
de Silva.

Es müsse jedoch ebenfalls festgehalten werden, dass es sich beim besagten Ausbruch um einen Einzelfall handle: «Ein Restrisiko bleibt stets bestehen.» (sda/aru)