Parkplatz-Mord

«Gefährlichste Frau der Schweiz»: keine Verwahrung

Die "Parkhausmörderin" während des Strafprozesses im Dezember 2001 (Archiv)

Die "Parkhausmörderin" während des Strafprozesses im Dezember 2001 (Archiv)

Das Kassationsgericht des Kantons Zürich hat überraschend eine Nichtigkeitsbeschwerde der so genannten Parkhaus-Mörderin Caroline H. gegen ihre Verwahrung gutgeheissen.

Das Kassationsgericht des Kantons Zürich hat überraschend eine Nichtigkeitsbeschwerde der so genannten Parkhaus-Mörderin Caroline H. gegen ihre Verwahrung gutgeheissen. Ihr Verteidiger und die Oberstaatsanwaltschaft bestätigten entsprechende Recherchen der Zeitung «Der Sonntag», der der Entscheid vorliegt. Dieser stammt vom 27. September 2010, wird aber erst jetzt durch den Bericht publik.

Im Zentrum steht die Frage, ob anstelle einer Verwahrung eine stationäre Massnahme die Rückfallgefahr verringern könnte. «Die dem Gutachter gestellte und aus rechtlicher Sicht massgebliche Frage wird nicht beantwortet», heisst es in dem Entscheid der Kassationsrichter. Sie kritisieren die «fehlende Klarheit» des Gutachtens. Damit wird ein Beschluss des Zürcher Obergerichts vom 15. März 2010 aufgehoben.

Damals wurden keine therapeutischen Massnahmen angeordnet. Doch jetzt muss die Vorinstanz auf Weisung des Kassationsgerichts eine Ergänzung des Gutachtens anordnen. Unterstützung kommt zudem von der vom Bundesrat eingesetzten Anti-Folter-Kommission. «Das ist ein drastischer Fall», sagt Kommissionsmitglied Elisabeth Baumgartner: «Je höher die Isolation, desto mehr verstärken sich die psychischen Probleme. Isolation ist keine Lösung. Menschen dürfen nicht einfach weggesperrt werden.»

Gefängnisdirektorin Marianne Heimoz weist auf Anfrage daraufhin, dass Caroline H. «aufgrund ihrer Delikte und der psychiatrischen Gutachten von den einweisenden Behörden als gemeingefährlich eingestuft wurde». Trotzdem verlangt die Rechtslage, dass jede Verwahrung neu beurteilt und allenfalls eine offenere Station mit Therapie angeordnet wird.

Caroline H. hatte 1991 im Zürcher Parkhaus Urania eine 26-jährige Frau mit einem Messer tödlich verletzt. Sechs Jahre später brachte sie beim Zürcher Chinagarten eine 60jährige Fussgängerin mit 30 Messerstichen um. Dazu kamen zwei weitere Mordversuche und 50 Brandstiftungen. Das Zürcher Obergericht verurteilte sie 2001 zu lebenslänglich und ordnete die Verwahrung an.

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