Zürich

Gefährliche Folge von Covid-19: Diese neue Studie des Zürcher Unispitals könnte Leben retten

Nils Kucher ist Direktor der Klinik für Angiologie (Gefässkrankheiten) am Universitätsspital Zürich. Das Bild zeigt ihn am Berner Inselspital. Bild: Urs Baumann

Nils Kucher ist Direktor der Klinik für Angiologie (Gefässkrankheiten) am Universitätsspital Zürich. Das Bild zeigt ihn am Berner Inselspital. Bild: Urs Baumann

Auch an Covid-19 erkrankte Menschen mit ganz leichten Symptomen erleiden in vielen Fällen eine Lungenembolie. Vorbeugend Blutverdünner zu verabreichen, könnte Leben retten. Noch ist das aber nicht empfohlen.

Die Zahlen sind eindrücklich: Bis zu 30 Prozent aller hospitalisierten Covid-Patienten entwickeln als Komplikation Thrombosen (Blutgerinnsel) oder Lungenembolien. Bei den Patienten auf den Intensivstationen sind es gar 70 Prozent.

In der Autopsie von verstorbenen Patienten wurden ebenfalls bei 70 Prozent Thrombosen oder Lungenembolien entdeckt. Häufig handelt es sich gar um die Todesursache.

«Bei keiner anderen Krankheit treten diese Komplikationen häufiger auf als bei Covid-19», sagt Nils Kucher, Direktor der Klinik für Angiologie (Gefässkrankheiten) am Universitätsspital Zürich. «Wir haben aber sehr lange gebraucht, um herauszufinden, dass Covid-19 in erster Linie eine schwere Gerinnungsstörung ist und nicht bloss eine Grippe mit Lungenentzündung.»

Alarmierend ist die Erkenntnis, dass auch bei fast jedem fünften ambulanten Patienten eine Lungenembolie festgestellt wurde, sofern man mit einer Computertomographie danach suchte. «Eventuell wird das Ausmass unterschätzt, weil viele Patienten keine solchen Tests erhalten haben», sagt Kucher.

Wo starben die Menschen?

Dass man heute genauer Bescheid weiss, hat wesentlich mit der Arbeit von Kucher zu tun. Am Anfang stand für ihn die Frage nach dem Tod. Wo starben die Menschen, die an Covid-19 erkrankt waren? Das Bundesamt für Gesundheit konnte diese Frage nicht beantworten.

Klinikdirektor Nils Kucher forschte nach und fand heraus, dass von den damals 1400 Opfern in der Schweiz rund 400 in den Spitälern verstorben waren. Etwa 1000 dagegen in Altersheimen oder bei sich zuhause. Menschen also, die keine schweren Symptome gezeigt hatten. Bei einigen waren die erwähnten Komplikationen aufgetreten.

Bei stationären Patienten konnte die Sterblichkeit gesenkt werden, indem Blutverdünner verabreicht wurden. Wer bloss leichte Symptome zeigt und die Krankheit zuhause durchsteht, wird laut Kucher momentan nicht mit Blutverdünner behandelt, weil es dafür noch keine zuverlässigen Daten gibt.

Eine Studie mit 1000 Personen

Und da setzt die Studie an, welche der Angiologe jetzt lanciert hat. Sie ist auf 1000 Menschen angelegt. Teilnehmen können Patientinnen und Patienten ab 50 Jahren, die innerhalb der letzten fünf Tage positiv auf das Coronavirus getestet wurden und nicht hospitalisiert sind.

Die Hälfte der Studienteilnehmer verabreicht sich täglich während 14 Tagen das Medikament zur Blutverdünnung. Das geschieht mit einer Fertigspritze unter die Haut. Die andere Hälfte bekommt kein Medikament. Zu welcher Gruppe jemand gehört, wird ausgelost. Über einen Zeitraum von drei Monaten haben alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer mehrere Telefonkontakte mit dem Studienteam. Diese Kontakte stellen sicher, dass rasch reagiert werden kann, falls es einem Teilnehmer schlechter gehen sollte.

Kucher will herausfinden, ob durch die Behandlung mit dem Blutverdünner das Auftreten von Thrombosen oder Lungenembolien bei Covid-19-Patienten mit leichten Symptomen verhindert werden kann.

Studienteilnehmer werden gesucht

«Im Endeffekt könnte das Leben retten», sagt Kucher. Liesse sich ein positiver Effekt nachweisen, könnten solche Patienten generell von dieser Behandlung profitieren. In Zeiten, in denen die Zahl der neu Infizierten – glücklicherweise – tief liegt, ist es nicht ganz einfach genügend Studienteilnehmer zu finden.

«Wer an der Studie teilnimmt, hilft anderen Menschen, die an er gleichen Krankheit leiden», sagt Klinikdirektor Nils Kucher.

Die Studie

Weitere Informationen zur Studie gibt es unter: http://www.ctc.usz.ch/forschung/studien/seiten/ovid-studie.aspx

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