Der Radprofi hatte keine Freude, als er letzthin am Pfannenstiel unterwegs war. Dort wo die Mountainbiker gerne durch den Wald zu Tal rauschen, hatte jemand Äste quer über die Reifenspuren gelegt, sodass man das Holz «erst richtig sieht, wenn man nach dem Überschlag sein Bike zusammensuchen muss», schrieb Simon Zahner auf seiner Facebook-Seite.

Ihn selber hat es aber nicht so übel erwischt. Schliesslich ist der 33-Jährige vom Veloclub Meilen ein Steuerkünstler, der auch schon Weltcup-Dritter im Radquer war und nach wie vor Profi ist – und als solcher morgen sein Quer-Saisondebüt in Baden bestreitet. Dass den Bikern Fallen gestellt werden, ist nicht ungewöhnlich. Immerhin gab es in der Region Zürichsee keine so krassen Fälle wie im Kanton Bern, wo einmal Schnüre zwischen die Bäume gespannt wurden. Das könnte für einen Mountainbiker tödlich ausgehen.

Zweimal Konfliktstoff

Dass die Mountainbiker nicht rundum beliebt sind, hat zwei Gründe. Erstens ist da das Thema Wanderwege. Ein Teil der Biker sieht diese als sein Territorium. Ein Teil der Wanderer sieht die Wege als sein exklusives Herrschaftsgebiet – wenn diese beiden Fraktionen aufeinandertreffen, fliegen die Fetzen.

Zweiter Punkt sind die Eigentumsverhältnisse. Der Wald ist nicht herrenloses Territorium, wo jeder nach Belieben Hütten bauen, Baumrinde schnitzen und Biketrails einrichten kann. Er hat einen Besitzer. Dieser findet es nicht grundsätzlich toll, wenn die Biker ohne zu fragen einen Trail in Betrieb nehmen, um dort spannendere Fahrerlebnisse zu haben als auf einem gekiesten Fahrweg.

Die Rechtslage ist klar: Das kantonale Waldgesetz und die dazu gehörige Verordnung verbieten das Reiten und Radfahren im Wald abseits von Wegen. Ausdrücklich sind Trampelpfade erwähnt: «Diese dürfen von Bikern nicht benützt werden.» Das setzt aber niemand durch, stellt Thomas Gosteli fest, der Präsident der Forstkorporation Pfannenstiel. «Wenn wir jemanden darauf ansprechen, werden wir oft übel beschimpft.» Dass andere Waldeigentümer zur Selbsthilfe mit Ästen greifen, ist ihm bekannt.

Seiner Korporation gehören nahezu 90 Hektaren Wald. Gosteli will zwar die Mountainbiker nicht aus dem Forst vertreiben, er sähe aber gerne einen geordneteren Betrieb als das wilde Fahren wie jetzt. Während andernorts offizielle Biketrails markiert sind, gibt es im Naherholungsgebiet Pfannenstiel keinen solchen. Trails festzulegen und zu unterhalten, könne aber nicht die Aufgabe der Korporation sein, hält Gosteli fest. Zumal mögliche Routen längst nicht nur über Land seiner Korporation führen. Eher kämen hier die Zürcher Planungsgruppe Pfannenstiel und die Gemeinden infrage.

«Uns gehört der Wald nicht», sagt Radprofi Zahner. Aber dennoch sollten Trails möglich sein, findet er.

Neue Tafeln

Auch auf den Wanderwegen ist für Zahner Koexistenz möglich. «Ich montiere eine kleine Glocke, um mich bemerkbar zu machen», sagt er. «Dieses Zusatzgewicht ist im Training zumutbar.» Zahner wohnt in Dürnten und kommt nur auf längeren Trainingsfahrten ins Pfannenstielgebiet. Im Meilemer Tobel hat er neulich Hinweistafeln gesehen, die zu gegenseitigem Respekt zwischen Wanderern und Bikern auffordern. «Eine gute Sache», findet der Profi. Es brauche das gute Verhalten von allen.

Die neuen Schilder im Meilemer Tobel hätten durchaus einen Effekt gebracht, findet auch Gemeindeschreiber Didier Mayenzet. Er ist manchmal als Jogger auf der beliebten Wanderstrecke unterwegs und bekam dabei den Eindruck, dass die Mountainbiker verständnisvoller unterwegs sind als einst.