Einbrecher
«Gaunerzinken» am Briefkasten: Augenzeugen berichten von dubiosem Handorgelspieler in Zürich

«Gaunerzinken» sind eigentlich etwas, das man aus Mittelaltermärchen kennt. Dabei markieren Gauner Häuser, um ihren zwielichtigen Kollegen Informationen über das Haus mitzuteilen. Nun sollen solche Zeichen auch in Zürich aufgetaucht sein.

Leo Helfenberger
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Der Briefkasten wurde fast unmerklich mit einem «T» markiert. Bild: User-Input.

Der Briefkasten wurde fast unmerklich mit einem «T» markiert. Bild: User-Input.

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Damit Einbrecher besser einschätzen können, ob sich ein Einbruch in ein bestimmtes Haus lohnt, markieren sie manchmal dessen Briefkasten mit einem sogenannten «Gaunerzinken». Dieses Schema gibt es der Geschichtsforschung nach schon seit Jahrhunderten. Nun sollen auch in Zürich wieder solche Zeichen an Briefkästen aufgetaucht sein.

«Ich habe vor ein paar Wochen einen Handorgelspieler bei uns in der Siedlung nahe dem Lochergut beobachtet. Er war mehrere Stunden da und hat vor verschiedenen Häusern gespielt», sagt Luca* zu watson. «Als ich das später einer Kollegin erzählt habe, sagte sie, sie habe auch bei sich in Wipkingen einen Handorgelspieler gesehen und später habe sie ein ‹T›-Zeichen bei sich auf dem Briefkasten entdeckt.»

Luca ging daraufhin auch bei sich im Quartier auf die Suche nach solchen «Gaunerzinken» an Briefkästen und fand auch solche: «Bei einem wurde ein Strich mit einem Punkt draufgemalt. Mit Filzstift, wie bei meiner Kollegin.»
Die Kollegin habe dann auf dem Internet nachgeschaut was diese Zeichen bedeuten. «Ein ‹T› steht für ‹Tagsüber niemand zu Hause›, was in diesem Falle auch stimmen würde», so Luca. Zu einem Einbruch sei es bisher aber nicht gekommen.

Auch im Seefeld aufgetaucht

Ein weiterer Augenzeuge hat Ähnliches im Seefeld beobachtet: «Vor etwa zehn Tagen ist mir aufgefallen, wie vor dem Haus, in dem ich wohne, ein älterer Herr mit einer Handorgel spielte. Er hat aber ganz gezielt in jeden Hauseingang geblickt, es sah aus, als würde er die Gegend ganz genau beobachten», so Manuel*.

«Zwei Tage später kam er nochmals und ich sah, wie er sich hinter einer Hausecke Notizen machte. Dann fiel mir auch das rosarote Kreuz, mit Kreide an unsere Hauswand gemalt, auf», so Manuel weiter. Im Internet hat er recherchiert, dass das Kreuz «hier gibt's was zu holen» bedeutet. «Ich habe das Kreuz daraufhin weggewischt. Ich habe mir sogar noch überlegt, dass Zeichen für ‹bissiger Hund› hinzumalen.»

Dieses Kreuz hat Manuel an seiner Hauswand gefunden.

Dieses Kreuz hat Manuel an seiner Hauswand gefunden.

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Das Zeichen für "bissiger Hund"

Das Zeichen für "bissiger Hund"

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Stadtpolizei konnte bislang keinen Zusammenhang feststellen

Die Stadtpolizei Zürich hat bislang keine Meldung über eine solche Gaunerbande erhalten. «Vor zwei Wochen ging eine Meldung ein, dass vor einem Haus ein mit Kreide aufgemalter Pfeil aufgetaucht ist. Wir konnten aber keinen Zusammenhang mit einer Straftat feststellen», so Michael Walker, Mediensprecher der Stadtpolizei Zürich.

Über die von den beiden Zeugen geschilderten Vorkommnisse hätte man seitens der Bevölkerung schon Hinweise erhalten, konnte aber auch da keinen Zusammenhang zu einer Straftat herstellen. «Sollte man aber solche ungewöhnlichen Zeichen am eigenen Briefkasten feststellen, bitten wir die Betroffenen, dies der Stadtpolizei mitzuteilen», so Walker weiter.

Immer wieder gehen der Stadtpolizei Zürich Meldungen über solche Zeichen ein. Die Zahl der Fälle, in denen mit Gaunerzinken gearbeitet wird, ist aber verschwindend gering und faktisch statistisch unbedeutend.

*Namen von der Redaktion geändert