Zürich

Gasthof soll kein hochpreisiges Feinschmecker-Lokal werden

Seit 31 Jahren wirtet die Familie Keller im Landgasthof Au. Anfang 2022 soll das Lokal einen neuen Pächter erhalten.

Seit 31 Jahren wirtet die Familie Keller im Landgasthof Au. Anfang 2022 soll das Lokal einen neuen Pächter erhalten.

Im Landgasthof Halbinsel Au kommt es zu einem Generationenwechsel. Weil das Lokal bekannt und prominent ist, wollen die Besitzer die Nachfolge besonders früh aufgleisen und haben dabei klare Vorstellungen.

Der Landgasthof Halbinsel Au ist eine Institution. Hier werden Hochzeiten und Jubiläen gefeiert, Wanderer kehren auf ihrem Ausflug durch die Natur hier ein und manche gehen ganz einfach so mit Blick über den Zürichsee speisen. Seit 1989 wirtet hier Familie Keller – doch diese Ära geht schon bald zu Ende. Die Besitzerin des Landgasthofes, die prominent besetzte Genossenschaft Au-Konsortium, sucht per Anfang 2022 einen neuen Pächter für das Lokal, wie sie auf Anfrage bestätigt.

«Pächterin Ruth Keller hat sich entschieden, ihren langjährigen Vertrag auslaufen zu lassen», erklärt Thomas Blattmann, Präsident der Genossenschaft. Keller, die den Betrieb mit ihrem 2016 verstorbenen Mann zuerst als Angestellte eines Gastrounternehmens und dann als selbstständige Unternehmerin führt, wolle sich pensionieren lassen. «Wir sind froh, dass wir die Nachfolge nicht in einer Hau-Ruck-Aktion planen müssen», betont Blattmann. Denn die «Halbinsel Au» ist ein Grossbetrieb: 120 Innensitzplätze und nochmals gleich viele Plätze in der Gartenwirtschaft für A-la-carte-Gäste gilt es zu bewirten, ebenso wie rund 400 Bankettplätze und 18 Hotelzimmer. Als Rahmenbedingung wünscht sich das Au-Konsortium zudem, dass das Lokal während 365 Tagen geöffnet bleibt.

Kein Gourmet-Tempel

In welche Richtung soll sich der Landgasthof entwickeln? In den Ausschreibungsunterlagen wünscht sich das Konsortium vom Gastgeber Innovation. Blattmann relativiert: «Vom Grundsatz her möchten wir ein Ausflugs- und Speiserestaurant bleiben.» Er ergänzt aber: «Wir glauben, dass es frischen Wind und neue Ideen mit zeitgenössischer Küche braucht.» Heute besteht die Speisekarte aus zahlreichen Fischgerichten – für die das Lokal auch ausgezeichnet ist – und währschafte Küche mit Klassikern wie Cordon-Bleu und Chateaubriand. Kein Kritikpunkt für Blattmann, denn die Familie Keller habe den Betrieb stets zu ihrer Zufriedenheit geführt, betont er. Aber er sieht auch konkretes Verbesserungspotenzial für einen neuen Pächter: «Wir denken, dass man etwa die Einrichtung des Restaurants etwas lieblicher gestalten könnte.» Das Au-Konsortium steht aber nicht mit einem Architekten bereit, sondern will offen sein für Ideen der Bewerber. «Natürlich bringen wir gewisse Vorstellungen ein, aber der Betreiber ist in der Verantwortung.»

Zu diesen Vorstellungen gehört, dass man gewissen Gastrokonzepten skeptisch gegenübersteht: «Wir wollen keinen Sushi-Laden und kein Asia-Stübli», sagt Blattmann. Dass man keinen Paradigmenwechsel verfolgt, zeigt sich auch beim Namen: Landgasthof Halbinsel Au soll als Marke bestehen bleiben. Und noch etwas betont Blattmann: «Wir wollen nicht zu einem hochpreisigen Feinschmecker-Lokal mutieren.»

Schon jetzt habe man mehrere Bewerbungen für das Lokal erhalten, sagt Genossenschaftspräsident Thomas Blattmann. Erste Gespräche mit Interessenten wolle man schon Ende März führen. Unter den Bewerbern seien sowohl Familien, als auch grössere Gastrounternehmer. Hat das Au-Konsortium Präferenzen? Vorstellen könne man sich beides. «Für eine Familie spricht die Personenbezogenheit: Ein Gastronomen-Paar ist das Aushängeschild für den Betrieb.» Bei einem Gastrounternehmen habe man als Konsortium vielleicht die etwas grössere Sicherheit bei Pachtzinseinnahmen. So oder so: «Wir wünschen uns ein langfristiges Konzept», betont Blattmann und fügt beschwichtigend an: «Dass der neue Pächter gleich wieder 30 Jahre lang bleibt, ist aber nicht die Erwartung.»

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