Zürich
Garage-Mitarbeiter fährt mit Kundenauto ins Fitnesscenter – Besitzer fängt ihn ab

Der Besitzer eines Ford Focus RS brachte sein Auto aufgrund eines Rückrufs in die Werkstatt. Er staunte nicht schlecht, als ein Mitarbeiter mit dem Fahrzeug zu sich nach Hause und mit einer Begleitperson ins Fitnesscenter fuhr.

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Der Ford-Besitzer brachte sein Auto in die Garage Emil Frey AG in Zürich-Nord, um die Zylinderkopfdichtung auswechseln zu lassen. (Symbolbild)

Der Ford-Besitzer brachte sein Auto in die Garage Emil Frey AG in Zürich-Nord, um die Zylinderkopfdichtung auswechseln zu lassen. (Symbolbild)

KEYSTONE/MICHELE LIMINA

R. D. bezahlte 55'000 Franken für seinen weissen Ford Focus RS und behandelt ihn mit grösster Sorgfalt. Aufgrund eines Rückrufs brachte er sein Auto im Februar in die Garage Emil Frey AG in Zürich-Nord, um die Zylinderkopfdichtung auswechseln zu lassen. Drei Tage lang sollte das Fahrzeug dafür in der Werkstatt sein, wie er "20 Minuten" schildert.

Dank einem GPS-Tracker kann D. auf seinem Handy jederzeit sehen, wo sich sein Auto befindet. So staunte er nicht schlecht, als sich sein geliebter Ford plötzlich von Oerlikon in den Kanton Aargau bewegte. Sofort nahm er mit seinem anderen Auto die Verfolgung auf und erreichte den Wagen im 30 Kilometer entfernten Ennetbaden AG.

Krasser Vertrauensmissbrauch

"Dort fuhr ein Mitarbeiter von der Emil Frey AG mit meinem Auto aus einer Tiefgarage. Auf dem Beifahrersitz sass eine Frau", sagt D. zur Pendlerzeitung. Der Mann sei mit dem Ford einige Dörfer weiter in ein Fitnesscenter gefahren. Nachdem er ihn angehalten hatte, konfrontierte D. den Garage-Mitarbeiter: "Der Mann sagte mir, dass er wegen der Reparatur mit dem Wagen fahren müsse."

Damit ist der Ford-Besitzer nicht einverstanden. Es könne doch nicht sein, dass ein Mitarbeiter der Garage ohne sein Wissen Privatfahrten unternehme und dabei auch noch eine Begleitperson mitnehme. D. spricht von einem krassen Vertrauensmissbrauch. Als er sein Auto zurückbekommen habe, sei es verschmutzt und der Benzintank fast leer gewesen.

Ökologische Gründe

Christof Reutlinger, Geschäftsführer der Emil Frey AG Garage Zürich-Nord, nimmt seinen Mitarbeiter in Schutz. Man sei vom Hersteller angewiesen, nach einem Ersatz der Zylinderkopfdichtung oder ähnlicher Arbeiten zur Qualitätssicherung ausgiebige Kontrollfahrten durchzuführen. Im vorliegenden Fall habe der Kundendienstberater rund 100 Kilometer zurücklegen müssen.

Aus ökologischen Gründen habe der Mann das Auto gleich auf seinem Arbeitsweg getestet. "Dieser Mitarbeiter musste seinen eigenen Wagen auf dem Firmenareal stehen lassen und hat zu Hause keinen Zweitwagen. Deshalb hat er am Abend die Fahrt ins Fitnesszentrum, das sich in der Nähe befindet, mit dem Kundenwagen unternommen", so Reutlinger zu "20 Minuten". Der Treibstoff werde bei Kontrollfahrten nicht vom Hersteller vergütet.

Kontrollfahrten nicht ungewöhnlich

Das Fahrzeug habe man sowohl innen als auch aussen gereinigt. "Es tut uns leid, dass dies offenbar nicht zur Zufriedenheit des Kunden ausgeführt wurde." Reutlinger gibt jedoch zu, dass es ein Versäumnis gewesen sei, dass man den Kunden nicht wie üblich vorgängig über die Kontrollfahrt informiert habe.

Längere Fahrten mit Reparaturautos sind laut TCS-Sprecher David Venetz nicht ungewöhnlich und in bestimmten Fällen notwendig. Auch dass ein Mitarbeiter aus Effizienzgründen mit dem Auto zu sich nach Hause und am nächsten Tag wieder in die Werkstatt fährt, könne vorkommen. Allerdings sollten solche Fahrten mit dem Kunden abgesprochen werden. "Vor allem wenn man Fahrzeuge für private Zwecke nutzt und Begleitpersonen mitnimmt, was eher unüblich ist."