Öffentlicher Verkehr
Ganztram-Werbung stösst in Zürich auf Anklang

Sie mögen rein optisch nicht jedermanns Sache sein: Die komplett als Werbeflächen genützten Trams der Verkehrsbetriebe Zürich. Doch bei der Wirtschaft stösst die zu Jahresbeginn lancierte neue Einnahmequelle der VBZ auf Anklang.

Matthias Scharrer
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Rösslitram: Der Vorreiter schlechtin
8 Bilder
Noch dominiert die Farbe blau auf Zürichs Tramgleisen
Züri-Tram im Design der Glatttalbahn
Märlitram Vorreiter der Ganztram-Werbung
Mit dem Tram Zürich West wurden Tramnasen zu Werbeflächen
Der letzte Schrei: Seit Anfang 2012 dienen in Zürich ganzeTrams als Werbeflächen
Nostalgietram im klassischen Züri-Blau
Die Ganztram-Werbung in Zürich stösst auf Anklang

Rösslitram: Der Vorreiter schlechtin

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«Das Angebot wird gut aufgenommen», sagt VBZ-Sprecher Andreas Uhl. Ab Juli werde das fünfte vollständig als Werbefläche bemalte Tram unterwegs sein. Damit ist das Angebot voll ausgelastet. Denn der Pilotversuch mit der Ganztram-Werbung ist auf fünf Trams limitiert und dauert drei Jahre. Dann wollen die Stadt Zürich und ihre Verkehrsbetriebe neu darüber befinden.

Rund 500 000 Franken kostet die Vollflächenwerbung pro Jahr

Die Nachfrage ist offenbar vorhanden: «Es gibt genug Unternehmen, die erkannt haben, dass diese exklusiven Werbeflächen viel Aufmerksamkeit auf sich ziehen», sagt Uhl. Vor allem Firmen aus der Finanzdienstleistungs- und Versicherungs- sowie der Telekommunikationsbranche hätten Interesse bekundet. Sie müssen dafür tief ins Portemonnaie greifen: Rund 500 000 Franken kostet die Vollflächenwerbung pro Jahr. Geld, dass die VBZ gut brauchen können.

Der Zürcher Verkehrsverbund (ZVV) setzte das Stadtzürcher Verkehrsunternehmen nämlich bereits vor einem Jahr erheblich unter Druck, indem er die VBZ zu Verhandlungen über eine gemeinsame Zielvereinbarung einlud. «Die Produktivität der VBZ soll über die nächsten Jahre schrittweise verbessert werden», hiess es im Juli 2011 in einem ZVV-Communiqué. Sollte dieses Ziel nicht erreicht werden, könnten als letztes Mittel Bus- und Tramlinien, die heute von den VBZ betrieben werden, ausgeschrieben werden.

Zielvereinbarung steht noch aus

Die VBZ seien in der Fahrleistungserbringung verglichen mit anderen Anbietern um knapp zehn Prozent zu teuer, erklärte ZVV-Sprecher Thomas Kellenberger damals. Und: Die Zielvereinbarung solle ab 2012 gelten. Ein Ziel, das bis heute nicht erreicht wurde: Ein knappes Jahr später ist die Zielvereinbarung noch immer nicht abgeschlossen, wie Uhl und Kellenberger auf Anfrage sagen. «Aber die Gespräche sind sehr weit fortgeschritten», sagt Uhl. Indes meint Kellenberger: «Wann es zu einem Abschluss kommt, ist momentan noch nicht genau zu sagen.» Offenbar findet hinter den Kulissen ein zähes Ringen um mehr Wirtschaftlichkeit bei den VBZ statt.

«Wir sind laufend daran, die Wirtschaftlichkeit zu steigern», sagt Uhl. «In den letzten Jahren haben wir bei wachsendem Angebot die Kosten kontinuierlich gesenkt.» Vor dem Abschluss einer neuen Zielvereinbarung seien allerdings seriöse Abklärungen zur Machbarkeit nötig, was die entsprechende Zeit benötige.

Erschwerend kommt hinzu, dass die VBZ auch von Gewerkschaftsseite unter Druck sind. Vor gut einem Jahr blockierten Vertreter der Gewerkschaft VPOD aus Protest gegen die Arbeitsbedingungen ein Tramdepot der VBZ.

GAV-Verhandlungen kommen voran

Die daraufhin gestarteten Verhandlungen für einen Rahmen-Gesamtarbeitsvertrag (GAV) haben inzwischen zu einem ersten Ergebnis geführt. VBZ und Gewerkschaften hätten sich über die wesentlichen Punkte geeinigt, hiess es kürzlich in einem gemeinsamen Communiqué der Verhandlungspartner. Jetzt gehe es darum, weitere Verkehrsunternehmen und Arbeitnehmerverbände für das Vertragswerk zu gewinnen.

Laut VPOD-Sekretär Stefan Giger sind inzwischen auch der Schweizerische Eisenbahnerverband und die Post-Gewerkschaft Syndicom sowie weitere mögliche Vertragspartner hinzugekommen. Für den Inhalt des Vertrags gelte aber Stillschweigen, solange er nicht unterzeichnet sei.