Abfallfrei
Ganz ohne Plastiksäckli: In Zürich öffnet der erste Zero-Waste-Laden der Deutschschweiz

In Zürich eröffnet der erste Laden ganz ohne Abfall. Wer was kaufen will, muss seinen eigenen Behälter mitnehmen, auch für Nudeln, Reis oder Alkohol. «Zero Waste» heisst die Philosophie und steht ganz im Zeichen der Kreislaufwirtschaft.

Severin Miszkiewicz
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Zero-Waste-Laden
14 Bilder
Gewürze und Kräuter gibt es getrocknet oder frisch.
Auch Spaghetti und Zucker wird offen verkauft.
Aus 50 Behältern können sich Kunden so viel abschöpfen, wie sie wollen.
Es gibt auch Gummibärli und Schokolade zu kaufen.
Verschiedene Beeren sind im Angebot vertreten.
Gemüse und Früchte sind alle aus der Gegend und natürlich Bio.
Eine kleine Oase mitten im Laden.
Mobiliar und Deko wurden allesamt selber gebastelt.
Wer sein Säckli vergessen hat, kann vor Ort eines kaufen.
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Flaschen und Einmachgläser stehen zum Abfüllen bereit.
Sogar Kosmetika und Hygieneartikel kann man kaufen.
Von aussen sieht das «Foifi» unscheinbar aus - doch der Schein trügt.

Zero-Waste-Laden

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Rüebli, Kartoffeln, Nudeln oder Seife, im Foifi, dem ersten Zero-Waste-Lasten in Zürich, findet man eigentlich alles – ausser eben Plastiksäckli. Der neue Laden steht ganz im Zeichen der Kreislaufwirtschaft und setzt sich zum Ziel, keinen Abfall zu produzieren. Der Durchschnittsschweizer produziert im Jahr 344 Kilogramm Abfall – viel zu viel, finden die Betreiber des «Foifi». Der Name ist ein Vermerk auf die fünf Axiome von Zero Waste, aber auch eine Liebeserklärung an den Zürcher Kreis 5, wo der Laden liegt.

Was ist Zero Waste?

Zero Waste basiert auf fünf Punkten – den fünf R's: Refuse, reduce, reuse, repair and recycle.

Auf Deutsch: Vermeiden, reduzieren, wiederverwerten, reparieren und recyceln.

Wer im «Foifi» einkauft, sollte sein eigenes Säckli mitnehmen. Die Lebensmittel, von denen es eine Menge gibt, werden von jedem alleine abgepackt, gewogen und an der Kasse bezahlt. Mit dem Offenverkauf der Ware wird eine Menge Abfall gespart. Es gibt keinen Plastik, keinen Karton oder sonstige überschüssige Verpackungen.

Neben lokalem Bio-Gemüse und Früchten – Bananen gibt's nicht – findet sich alles mögliche. 50 Behälter bieten verschiedene Reis-, Korn- und Nudelsorten an, von denen die Kunden so viel abschöpfen können, wie sie brauchen. Auch Süssigkeiten und Hygieneartikel verkauft man im «Foifi» und sogar Gin kann abgefüllt werden.

Dass sich der Laden im Kreis 5 befindet, dem Zürcher Industriequartier mit all seinen Banken und Geschäften, ist kein Zufall, meint Tara Welschinger, eine der vier Mitbetreiber des «Foifi». Ihr Credo ist die Entschleunigung des Alltags. Ihr ist bewusst, dass es ein Luxus ist, sich Zeit zu lassen beim Einkauf und manchmal auch eine Last, ständig irgendwelche Behälter mitzutragen. Deshalb will sie den Leuten einen möglichst leichten Einstieg zu Zero Waste bieten.

«Wenn du etwas brauchst, aber keine Zeit hast, kannst du mir einfach ein Mail schreiben. Ich packe es für dich ab und stelle es bereit – kein Problem», sagt Welschinger. Neben der Ware sollen in Zukunft auch Workshops im «Foifi» angeboten werden. «Dort wird man alles mögliche lernen können. Wie man seinen persönlichen Abfall möglichst reduziert oder Kosmetika selber macht», beschreibt Welschinger.

Die Do-It-Yourself-Philosophie ist im ganzen Laden spürbar. Ablagen, Dekoration und Mobiliar wurden aus altem Zeugs gebastelt und könnten genauso von Kunststudenten stammen. Welschinger ist überzeugt, dass die Zero-Waste- und Do-It-Yourself-Kultur erfolgreich sein wird: «In ein paar Jahren wird man sich gar nicht mehr vorstellen können, anders einzukaufen. Das ist ein Lebenswandel der sich schnell verbreiten wird. 14-jährige Mädchen machen schon jetzt ihre Schminke selber, das ist absolut hip!»

Der Erfolg gibt ihr bis jetzt recht. Das Foifi wurde grösstenteils durch ein Crowdfunding finanziert und übertraf den Zielbetrag um fast 10'000 Franken.