Das Komitee «Ja! zur Kultur aus unserer Region» will, dass Film- und Medienkunst staatlich gefördert wird. Weil Filme zur Kultur gehören und Kultur Aufgabe eines Staates sei, argumentieren die Initianten der am Dienstag lancierten Kampagne. Das Komitee besteht aus 150 Filmschaffenden, Regisseuren sowie Stände- und Nationalräten. Dazu gehören Daniel Jositsch (SP), Doris Fiala (FDP) und Kathy Riklin (CVP).

Nachdem der Zürcher Kantonsrat 2015 beschlossen hat, die Kultur nicht mehr über das kantonale Budget zu finanzieren, werden lediglich Institutionen mit gesetzlicher Verankerung subventioniert. Dazu gehören beispielsweise das Zürcher Opernhaus oder das Theater Kanton Zürich. Die restlichen Kultursparten werden bis 2021 aus dem Lotteriefonds unterstützt. Deshalb reichte Anfang 2016 der Verein Zürich für den Film zusammen mit dem Verband Swiss Game Developers Association (SGDA) die Initiative für ein «Film- und Medienförderungsgesetz» ein. Insgesamt 9'000 Unterstützer fand das Anliegen. Am 23. September befinden nun die Zürcher Stimmbürger über die kantonale Vorlage. Wird sie angenommen, verpflichtet sich der Kanton künftig dazu, professionelles Filmschaffen sowie die Game- und interaktive Medienkunst zu fördern. Laut Initianten komme dies einer Stärkung des Wirtschaftsstandortes Zürich, seiner Qualität und Vielfalt sowie seiner Innovationskraft zugute.

Bundesrat sieht den Bedarf

Zu diesem Schluss kommt auch der Bundesrat in seinem Bericht «Games. Ein aufstrebender Bereich des Kulturschaffens», der im Frühling veröffentlicht wurde. Die Game-Branche sei ein «extrem dynamischer Bereich, der sich in ständigen und komplexen Interaktionen zwischen Produktion, technologischer Innovation und Spielerverhalten» entwickle. Darin sieht er auch eine die Erklärung dafür, dass nur wenige Schweizer Entwicklerinnen und Entwickler die Game-Produktion als Beruf wählen. Zudem schlussfolgert der Bundesrat in seiner Analyse – diese geht auf ein 2014 von der damaligen Nationalrätin und heutigen Zürcher Justizdirektorin Jacqueline Fehr (SP) eingereichtes Postulat zurück –, dass «die Game-Industrie eine (öffentliche) Förderung und geeignete Lösungen» braucht.

Diesen Ansatz begrüssen die Film- und Medienförderungsgesetz-Initianten. Im Kantonsrat stiess ihr Anliegen im Februar mehrheitlich auf taube Ohren. Dem Regierungsrat, der sich gegen die Bevorzugung einzelner Kultursparten aussprach, folgten SVP, FDP, GLP, CVP, BDP und EDU. Unterstützung findet die Vorlage bei der AL, der EVP, den Grünen, der CSP und Teilen der SP.

Eine Branche mit gutem Ruf

Neben Zürich gehören Lausanne und Genf zu den Schweizer Game-Metropolen. Gemäss neusten Erhebungen der SGDA und der Stiftung Pro Helvetia sind mittlerweile rund ein Dutzend mittelständische und etwa 100 Kleinbetriebe in der Schweiz angesiedelt. Die Branche beschäftigt rund 500 Mitarbeitende und generiert einen Jahresumsatz von rund 50 Millionen Franken. Die SGDA dokumentiert bislang knapp 250 Schweizer Spiele. Seit 2004 haben rund 200 Studierende ihre Ausbildung in Game-Design an der Zürcher Hochschule der Künste absolviert.

Weshalb die Game-Branche trotz ihres guten Rufes dennoch subventioniert werden sollte, erklärt Matthias Sala, SGDA-Verbandspräsident, folgendermassen: «Das Schweizer Umfeld bietet wenig Anreize für die eigentlich anspruchsvolle Game-Entwicklung.» Ein kantonales Film- und Medienförderungsgesetz anerkenne Game-Design als Kulturform und baue Grenzen zwischen den Branchen ab. «Eine offene Förderung kann zu neuen, spannenden, hybriden Formen von Kulturgütern führen», so Sala.

Mehr als nur Unterhaltung

Ein Schwergewicht aus der Zürcher Szene ist die Firma Gigants Software mit Sitz in Schlieren. Das Unternehmen gilt mit ihrem «Landwirtschaftssimulator» als Gigant der Schweizer Game-Industrie. Das Spiel brachte seit seiner Lancierung rund acht Millionen Franken ein und zählt rund fünf Millionen Downloads. Auch das Start-up Stray Fawn Studio aus Zürich hat sich seit seiner Gründung vor knapp zwei Jahren in der Szene einen Namen gemacht. Und zwar mit dem Strategiespiel «Niche – A Genetics Survival Game». Mit dem etwas mehr als 100'000 Mal verkauften Spiel generierte die Jungfirma rund 900'000 Franken Umsatz. Damit das Spiel entwickelt werden konnte, lancierte das Start-up ein Crowdfunding auf der Plattform Kickstarter. Es kamen 75'000 Franken zusammen. «Wir haben zudem 25'000 Franken von der Pro Helvetia erhalten. Ohne dieses Geld wäre der Anfang sehr schwer geworden», sagt Mitgründerin Philomena Schwab. Dies, weil die Entwicklung eines Spiels bis zu drei Jahre dauern könne und in dieser Zeit kaum Geld verdient werde. «Schweizer Entwicklern fehlt es an Wissen im Bereich Marketing und Produktionsmanagement», so Schwab.

Dieses Wissen ist unter anderem eine Voraussetzung, um von Pro Helvetia Geld zu erhalten. Seit 2010 unterstützt die Stiftung Projekte im Bereich der interaktiven Medien. Bis 2020 wird Pro Helvetia rund 1,75 Millionen Franken an Fördergeldern vergeben haben. Neben Kriterien wie Qualität und Innovation sind für die Förderung auch ein Business- und Marketingplan Voraussetzung. Dass sich die Game-Industrie zwischen der Schnittstelle von Unterhaltung, Wirtschaft und Technologie bewegt, anerkennt auch der Bundesrat. Deshalb verweist er in seinem Bericht auf einen hybriden Förderansatz, der all diese Aspekte berücksichtigt.