Sie sind mittlerweile ein mehr oder weniger vertrauter Anblick geworden im sommerlichen Zürich: die arabischen Feriengäste. Die Frauen fallen mit ihren Kopftüchern auf, die Männer mit Gebeten auch mal auf offener Strasse. Nachdem der Ramadan vor einer Woche geendet hat, sind sie nun wieder da – und hochwillkommen in den Hotels. Zusammen mit den Gästen aus anderen Fernmärkten wie China, Indien oder Brasilien retten sie den diesjährigen Zürcher Tourismussommer.

Matthias Ramer ist jedenfalls zuversichtlich, dass die Zürcher Hotels die Aufwertung des Frankens von Mitte Januar kompensieren können. Ramer ist Vizepräsident des Zürcher Hotelierverbandes und führt das Sorell Hotel Seidenhof in der Zürcher City. Er kann somit den Markt beurteilen, auch wenn es für den Sommer noch keine offiziellen Zahlen gibt. Fest steht, dass der letzte so oder so kaum zu übertrumpfen ist. Damals bescherte die Leichtathletik-Europameisterschaft den Hoteliers vom Flughafen bis in die Zürcher Innenstadt volle Betten.

Keine reine Feriendestination

Die Einschätzung Ramers deutet darauf hin, dass Zürich sich resistenter zeigt als das Ferienland Schweiz als Ganzes. Dies legen auch die neuesten offiziellen Statistikzahlen nahe. Sie betreffen den Zeitraum von Januar bis Mai 2015: Die Übernachtungen in der Tourismusregion Zürich legten im Jahresvergleich um 3,4 Prozent zu, gesamtschweizerisch war eine Abnahme um 0,8 Prozent zu verzeichnen. Ueli Heer, Mediensprecher bei Zürich Tourismus, nennt vor allem China und die Golfstaaten als Herkunftsländer der Besucher. Er weist im Übrigen darauf hin, dass die Tourismusregion Zürich im Gegensatz zu den reinen Feriendestinationen der Schweiz von den Geschäftsleuten profitiert.

Wenngleich im Sommer etwas weniger zahlreich, stellen die Geschäftsleute auch jetzt den Grossteil der Besucher, sagt Ramer. Als beste Monate der Zürcher Hotels nennt er Juni und September. Weil dann reisen sowohl Touristen als auch Geschäftsleute viel.

Harte Konkurrenz

Die Aufhebung des Euro-Mindestkurses am 15. Januar ist aber auch an den Zürcher Hotelbetrieben nicht spurlos vorübergegangen. Um konkurrenzfähig zu bleiben, mussten sie die Zimmerpreise senken. Das kann zwischen 2 und 10 Prozent variieren, sagt Ramer. Das heisst, um den Umsatz vom Vorjahr zu halten, sind nicht nur die wegbleibenden Gäste zu kompensieren – es müssen zusätzliche Übernachtungen verkauft werden. Ramer: «Wir müssen mehr arbeiten für den gleichen Umsatz.»

Aber nicht nur die Besucher aus dem Euro-Raum sind weniger geworden, auch die Krise in Russland schlägt sich in der Gästestatistik nieder. Beliebt ist Zürich bei den Italienern – immer dann, wenn die Street Parade stattfindet. Ob das auch mit dem erstarkten Franken noch so ist, wird sich zeigen. Zumal die Parade dieses Jahr wegen der Bauarbeiten am Bellevue und an der Quaibrücke nicht Anfang, sondern erst Ende August stattfindet. Den Hotels bringt sie so aber ohnehin nicht mehr viel, weil sie dann in der Regel bereits gut belegt sind.

Die nun schon länger anhaltende Hitzewelle hat keine grösseren Auswirkungen auf die Belegung der Hotels, sagt Ramer. Was zähle, seien eher die Temperaturen im Herkunftsland. In der Golfregion zum Beispiel können sie im Sommer bis
45 Grad betragen.

Erfrischendes Zürich

So muss denn Zürich selbst in der flirrenden Hitze der vergangenen Tage auf die Gäste aus dieser Weltgegend erfrischend gewirkt haben. Und im kommenden Jahr wird man auch wieder den ganzen Sommer hindurch auf sie zählen können. Denn der Fastenmonat Ramadan beginnt stets vier Wochen früher als im Jahr zuvor. Das heisst, nächstes Jahr endet er Mitte Juni und somit pünktlich zum Beginn der Feriensaison.