Soeben haben die Urban Farmers aus Zürich, die letztes Jahr mit ihrer Idee, in Containern nachhaltig Fische zu züchten und Gemüse zu ziehen, für Aufsehen gesorgt haben, ein neues Pilotprojekt lanciert. In einer fünf Meter hohen durchsichtigen Halbkugel, die zum Beispiel auf einem Flachdach aufgestellt werden kann, wollen die Pioniere Privatpersonen die Möglichkeit bieten, von der neu entwickelten Aquaponic-Technologie Gebrauch zu machen.

«Unser Globe soll auch vom Preis her erschwinglich sein und einer vierköpfigen Familie das ganze Jahr über genügend Fische und Gemüse bescheren», erklärt Andreas Graber, Wissenschafter an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Wädenswil und Technischer Leiter von Urban Farmers.

Geniale Idee

Das Aquaponic-Prinzip beruht auf einer genialen Idee: Gemüse und Kräuter gedeihen in einer Art Gewächshaus, das mit einem kleinen Fischbecken zu einem geschlossenen Wasserkreislauf verbunden ist. Die Ausscheidungen der Fische dienen als Dünger für die Pflanzen, und indem diese die Nährstoffe aufnehmen, reinigen sie das Wasser so weit, dass es wieder in den Fischteich zurückgeführt werden kann.

Das System funktioniert, es wurde in achtjähriger Arbeit an der ZHAW getestet. Und letztes Jahr zeigten die Forscher, dass ihre Containerfarm, Box genannt, auch ausserhalb der Laboratmosphäre die erwarteten Resultate erbringt: Ende Dezember liess sich bei der «Uusfischete» in der Nähe der Hardbrücke eine ganze Anzahl schmackhafter Fische geniessen.

Allerdings hat es sich gezeigt, dass die Box für Private zu kostspielig ist. Der Globe, den man jetzt entwickeln will, ähnelt einer Halbkugel, ist deutlich kleiner und soll schätzungsweise 25000 Franken kosten. Darin lassen sich das ganze Jahr hindurch genügend Fische, Gemüse und Kräuter für eine vierköpfige Familie produzieren.

Durchgestylte Form

Selbstverständlich kann man den Globe nicht bloss auf einem Flachdach aufstellen, eine Gartenfläche ist auch gut. Noch offen ist die Frage, ob eine Baubewilligung erforderlich ist; eine Betriebsbewilligung ist nicht nötig, solange man nur für den Eigenbedarf produziert.

Der Globe kommt durchgestylt daher: Das Gerüst gleicht einem Polyeder, darüber wird eine transparente Folie gespannt. Unten in der Mitte ist der Wasserbehälter für die Fische, darum herum sowie auf der ersten Etage befinden sich die Pflanzen, gleich hinter der Aussenhaut angeordnet, damit sie genügend Licht erhalten. Als Fisch hat sich in Aquaponic am besten der anspruchslose Tilapia bewährt, den man auch mit Pflanzenresten und Soja füttern kann.

Beim Gemüse hat man beispielsweise mit Tomaten, Gurken und Peperoni gute Erfahrungen gemacht, aber auch mit Salaten und Kräutern.

Erst auf dem Papier

Den Globe gibt es allerdings erst auf dem Papier. Damit ein Prototyp gebaut und getestet werden kann, versuchen die Urban Farmers eine Finanzierung über eine Crowd Funding Platform herbeizuführen; 15000 Franken sollen innert dreier Monate zusammenkommen. Interessierte können das Vorhaben mit einem Einsatz ab einem Dollar unterstützen (www.urbanfarmers.ch).

Übrigens: mit der Planung schon viel weiter sind die Urban Farmers mit einer grossen Anlage, einer Urban Farm, in Basel, wie Andreas Graber erwähnt. Die Christoph-Merian-Stiftung und der Kanton Basel-Stadt unterstützen das Projekt mit einem Investitionsbeitrag von 250000 Franken. Wird das Baugesuch bewilligt und lässt sich die Finanzierung sichern, ist die Eröffnung der Farm für den Herbst geplant.