Fussball-WM
Zürich duldet keine öffentlichen WM-Public-Viewings

Die linke Gemeinderatsmehrheit hat den Zürcher Stadtrat aufgefordert, auf öffentlichem Raum keine Public Viewings der Fussball-WM zu dulden. Die Ratsrechte sprach von Symbolpolitik und Bevormundung.

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Geht es nach den Linken im Zürcher Gemeinderat, wird es an der kommenden WM keine Public Viewings auf öffentlichem Grund in der Stadt Zürich geben.

Geht es nach den Linken im Zürcher Gemeinderat, wird es an der kommenden WM keine Public Viewings auf öffentlichem Grund in der Stadt Zürich geben.

Melanie Duchene / Keystone

Das Geschäft kommt äusserst knapp. Schon am Sonntag beginnt die Fussball-Weltmeisterschaft in Katar. Dennoch entschied sich der Zürcher Gemeinderat in seiner Sitzung am Mittwochabend, gegen öffentliche Übertragungen vorzugehen.

Der Stadtrat muss den Vorstoss, keine Public Viewings auf öffentlichen Grund zuzulassen oder zu finanzieren, prüfen. Mit 65 zu 42 Stimmen bei sieben Enthaltungen überwies das Parlament ein Postulat der AL.

Mischa Schiwow (AL) sagte, dass seiner Partei bewusst sei, dass der Vorstoss spät komme und vor allem symbolischen Wert habe. «Wir können, gerade als Sitz der Fifa, nicht einfach nichts dazu sagen», sagte er. Sowohl wegen der Menschenrechtslage als auch aus klimapolitischen Gründen habe die AL den Vorstoss eingereicht.

Financier extremistischer Gruppierungen

Die meisten Votanten pflichteten der AL bei, dass die Vergabe an Katar falsch war. Lisa Diggelmann (SP) meinte, dass sich Katar mit Sport reinwaschen wolle. Und der Vorstoss wäre ein starkes Zeichen an die Fifa.

Ronny Siev (GLP) betonte, dass das arabische Land, ausser dass es für Menschenrechtsverstössen bei Arbeitern verantwortlich gemacht wird und die Rechte von Frauen und Schwulen missachten soll, auch einer der grössten Financiers von extremistischen Organisationen wie dem IS oder Hamas sei.

Stephan Iten (SVP) nannte die Vergabe «irre», doch genauso irre sei der Vorstoss der AL. Zürich könne weder das Weltklima retten noch Weltfrieden bringen. Er sprach von Bevormundung durch Rot-Grün. Iten erinnerte auch daran, dass die Gastronomen noch unter den Folgen der Coronapandemie litten.

«Billige Empörungsbewirtschaftung»

Michael Schmid (FDP) fragte, wieso die Forderung nicht schon früher in den zwölf Jahren seit der Vergabe gekommen sei. «Was Sie hier tun, ist bestenfalls billige Empörungsbewirtschaftung», sagte Schmid. Es gebe bloss ein bewilligungspflichtiges Gesuch in der Stadt Zürich für ein Public Viewing.

Wie die NZZ berichtet, stehen hinter dem Gesuch Emmanuel Charles und Hasan Sünbül aus Wettingen. Sie hatten auf dem Gustav-Gull-Platz bei der Europa-Allee im Kreis 4 einen Anlass mit Zelt, Grossleinwand und Street-Food für bis zu 800 Personen geplant. Dass die Stadt ihnen jetzt nach dem AL-Vorstoss die Bewilligung verweigert, könnten sie nicht verstehen, sagen sie in einer Stellungnahme gegenüber der NZZ.

Darin äussern sie auch ihren Unmut über die mangelhafte Kommunikation vonseiten des Sicherheitsdepartements, das nie auf eine mögliche Nicht-Genehmigung des Anlasses hingewiesen habe. Die plötzliche Absage empfänden sie als willkürlich und unfair, werden die beiden Organisatoren zitiert. Insgesamt entstünden ihnen durch die Absage jetzt finanzielle Einbussen von etwa 50'000 Franken.

Wie das Sicherheitsdepartement laut NZZ mitteilte, ging das Gesuch erst am 3. November beim städtischen Büro für Veranstaltungen ein. Am nächsten Tag habe man den Organisatoren mitgeteilt, dass es aus politischen Gründen möglicherweise nicht bewilligt werde. Inzwischen wurde das Gesuch offiziell abgelehnt, wie das Sicherheitsdepartement am Donnerstag in einer Medienmitteilung bestätigte.

Ein symbolischer Akt, der bereits in anderen Städten vollzogen wurde

Das von der Mehrheit des Zürcher Stadtparlaments geforderte Verbot dürfte letztlich ein eher symbolischer Akt sein.

Die AL fordert mit dem Postulat, dass sich Zürich ähnlich verhält wie rund zwanzig französische Städte oder die Westschweizer Städte Lausanne und Vevey. In Lausanne verzichtet die Stadtverwaltung auf eine Fanzone auf öffentlichem Grund. Noch einen Schritt weiter geht Vevey. Die Stadt hat die Einrichtung jeglicher Fanzonen verboten.

Von einem Verbot nicht betroffen sind die zahlreichen Zürcher Restaurants, die weiterhin WM-Spiele in ihren Lokalen übertragen dürfen. Darunter sind beispielsweise «Frau Gerolds Garten», die «Calvados-Bar», die «Amboss-Rampe», das Foyer des Kinos «Houdini» und das «Piccolo Giardino», wie der «Tages-Anzeiger» meldete. (sda/liz)