Kanton Zürich
Für Wiedereingliederung: Häftlinge drücken im Kanton Zürich die Schulbank

In einer Anfrage wollte die CVP mehr erfahren über das Projekt «Bildung im Strafvollzug». Der Regierungsrat hat darüber nur Gutes zu berichten. Im Kanton Zürich gibt es 24 Schulklassen hinter Gitter. Sie sollen zur Wiedereingliederung beitragen.

Luzia Schmid (sda)/huz
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Ich bin auch eine Schule: In der Justizvollzugsanstalt Pöschwies findet in 14 Gruppen Unterricht statt.

Ich bin auch eine Schule: In der Justizvollzugsanstalt Pöschwies findet in 14 Gruppen Unterricht statt.

Raphael Hünerfauth

Rund 144 Gefängnis-Insassen im Kanton Zürich drücken regelmässig die Schulbank, um ihre Fähigkeiten im Lesen, Schreiben und Rechnen zu verbessern. Insgesamt bestehen zurzeit im Rahmen des Projekts «Bildung im Strafvollzug» (BiSt) 24 Lerngruppen, wie der Regierungsrat auf eine Anfrage der CVP schreibt.

Ziel des Projekts ist es, die Fach-, Selbst- und Sozialkompetenz von Gefängnis-Insassen mit schulischen Lücken zu stärken. Der Regierungsrat formulierte diesen Entwicklungsschwerpunkt für das Amt für Justizvollzug im Konsolidierten Entwicklungs- und Finanzplan (KEF) 2013–2016.

Die Motivation der Inhaftierten für die Teilnahme an diesen Kursen sei sehr hoch, schreibt der Regierungsrat in einer Antwort auf eine Anfrage der CVP. Diese wollte mehr über das Projekt BiSt erfahren. Durch den Unterricht werde die Sprachkompetenz der Teilnehmenden erhöht, was den Umgang im Vollzugsalltag erleichtere. Bei den älteren Beteiligten werde auch eine gesteigerte Konzentrationsfähigkeit festgestellt. Bei Verwahrten leisteten die Kurse zudem einen Beitrag zum Erhalt der geistigen Gesundheit.

In drei Gefängnissen im Kanton Zürich gehen Häftlinge in den Unterricht: In der Justizvollzugsanstalt Pöschwies in Regensdorf sind 14 Lerngruppen am Projekt beteiligt, im Gefängnis Affoltern am Albis 8 und im Vollzugszentrum Bachtel in Hinwil 2. Eine Lerngruppe besteht in der Regel aus sechs Insassen. Das Projekt soll zudem weiter ausgebaut werden: Im Flughafengefängnis sowie im Gefängnis Horgen sind drei bis vier weitere Gruppen geplant.

«Schulische Lücken schliessen»

In der Justizvollzugsanstalt Pöschwies etwa wird das Programm seit dem 1. Mai 2011 durchgeführt. Es gehe vor allem darum, «schulische Lücken zu schliessen, die Allgemeinbildung zu erweitern und den Umgang mit Hilfsmitteln wie Computern zu erlernen», wie es auf der Homepage des Kantons heisst. Das Hauptziel des Unterrichts sei die Erhöhung der Chancen bei der Wiedereingliederung in den Arbeitsmarkt und in die Gesellschaft.

Die Schule hinter Gittern soll für einen Drittel der Inhaftierten zugänglich sein. Der Unterricht findet während eines halben Tages pro Woche statt und wird von einer ausgebildeten Lehrperson erteilt.

Im Jahr 2012 wendete das Amt für Justizvollzug für das Projekt BiSt 775 394 Franken auf, wie der Regierungsrat in seiner Antwort weiter schreibt. Dies entspricht einem Anteil von knapp 0,4 Prozent an den gesamten Strafvollzugskosten.

In der Projektphase von 2007 bis 2010 wurde das BiSt von einem Team der Universität Freiburg in acht Anstalten wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Neben der reibungslosen Organisation bestätigt das Team in seinem Bericht auch die Aussage des Regierungsrats über den hohen Motivationsgrad der teilnehmenden Häftlinge: 97 Prozent von ihnen würden wieder am Bildungsangebot teilnehmen – obwohl einige von ihnen dazu gezwungen wurden. Aufgrund der positiven Erfahrungen entschied die Konferenz der Kantonalen Justiz- und Polizeidirektoren (KKJPD), das Projekt als feste Einrichtung weiterzuführen.