Zürich
Für Grill-Schäden im öffentlichen Raum zahlt nur selten der Verusacher

Sommer, Sonne und Temperaturen um die 30 Grad. In den vergangenen Tagen luden die herrlichen Bedingungen in der Stadt Zürich zum spontanen Grillfest. Ganz besonders beliebt sind dafür öffentliche Parks und die Seeanlagen.

Dean Fuss
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Bei Grillschäden bleibt ein Grossteil der Schadensbereinigung am Steuerzahler hängen. Gaetan Bally/Keystone

Bei Grillschäden bleibt ein Grossteil der Schadensbereinigung am Steuerzahler hängen. Gaetan Bally/Keystone

Dabei entstehen häufig Brandschäden. «Das unkorrekte Grillieren ist durchaus ein Problemfeld für uns», sagt Axel Fischer, Leiter Unterhalt Grün Stadt Zürich. Viele würden sich nicht so verhalten, wie sie sollten. Es sei auch schon vorgekommen, dass ein Kohlensack direkt am Boden mit Brennsprit angezündet wurde, ohne die Holzkohle überhaupt herauszunehmen, schildert Fischer einen Extremfall.

Die beliebten Einweg-Grills entsprechen den Vorschriften der Stadt nicht. Gemäss einem offiziellen Flyer müssen Grills einen Abstand von 30 Zentimetern zum Boden haben. Grills, die niedriger sind, verursachen Brandschäden auf der Unterlage. Für den Verursacher kann das teuer werden: Wird er von der Polizei erwischt, gibt es eine Ordnungsbusse von 80 Franken. Zusätzlich kann er für den Brandschaden belangt werden. Weil die Polizei längst nicht alle Grill-Sünder erwische, bleibe aber ein Grossteil der Schadensbereinigung am Steuerzahler hängen, sagt Fischer.

Die Brandschäden können wegen der Wetterbedingungen erst ab Mitte September behoben werden. Würden die betroffenen Stellen bereits jetzt mit frischem Rollrasen belegt, müsste dieser täglich gegossen werden. «Das wäre viel zu aufwendig», so Fischer.

Seit ein paar Jahren bietet die Stadt in den Seeanlagen – beim GZ Wollishofen und beim Zürichhorn – zwei fixe Elektrogrills an. Diese würden rege benutzt, sagt Axel Fischer. Aber auch hier gebe es Vandalen: «Leider gibt es zahlreiche Sachbeschädigungen, wie beispielsweise geschmolzene PET-Flaschen auf dem Elektrogrill», berichtet Fischer. Folglich müssten diese mindestens einmal täglich komplett gereinigt werden. Die Mehrheit der öffentlichen Grillierenden verhalte sich aber vorbildlich: «Sie benutzen die Elektrogrills, die offiziellen Feuerstellen oder bauen einen Camping-Grill auf Stelzen auf», sagt Fischer.

Wo grilliert wird, entsteht häufig auch Lärm. «Grundsätzlich sind Lärmklagen für uns das ganze Jahr über ein Thema. Aber im Sommer verstärkt sich diese Problematik», sagt Michael Wirz, Mediensprecher der Stadtpolizei Zürich. Über die vergangenen zehn Jahre habe die Anzahl der jährlichen Lärmklagen tendenziell zugenommen.

Waren im Jahr 2004 noch 3900 Lärmklagen bei der Stapo eingegangen, so waren es im vergangenen Jahr bereits 4800. «Die Gründe für diesen Zuwachs zu finden, ist für uns wie ein Versuch, im Kaffeesatz zu lesen», sagt Wirz. «Es wird sicherlich einen Einfluss haben, dass die Bevölkerung der Stadt stetig wächst und sich das Ausgehverhalten in den letzten Jahren verändert hat.»

Entsprechend würden sich die Lärmklagen im Sommer auch auf die Orte konzentrieren, an denen es attraktiv sei, sich draussen aufzuhalten. «Rund um Parks oder Gartenbeizen in Wohnquartieren beispielsweise», sagt Wirz. Den Feiernden sei vielleicht nicht immer bewusst, dass Zürich nicht nur eine Arbeits- und Partystadt, sondern auch eine Wohnstadt sei.