Katholische Kirchen
Für ein Bistum Zürich siehts düster aus

Die Idee eines eigenen Bistums Zürich findet bei den übrigen Kantonen im Bistum Chur keinen Anklang. Dennoch hält Zürich daran fest – könnte sich aber auch für eine Alternative erwärmen.

Katrin Oller
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Als eigenes Bistum bräuchte Zürich eine Kathedrale: Eine Kandidatin dafür ist die Liebfrauen-Kirche beim Zürcher Central.

Als eigenes Bistum bräuchte Zürich eine Kathedrale: Eine Kandidatin dafür ist die Liebfrauen-Kirche beim Zürcher Central.

Keystone

Bischof Vitus Huonder hat Anfang März eine Umfrage lanciert zur Herauslösung des Kantons Zürich aus dem Bistum Chur. Nun treffen die Stellungnahmen der Kantonsregierungen und Kantonalkirchen ein – und diese sind überwiegend ablehnend.

Die Urschweizer Kantone Uri, Schwyz, Ob- und Nidwalden sähen die Abspaltung Zürichs eher als Verlust, vor allem auf finanzieller Ebene, aber nicht nur: «Der urbane Bistumskanton Zürich erfüllt eine wichtige Scharnierfunktion», schreibt etwa die Kantonalkirche Schwyz. Auch der Kanton Graubünden ist dagegen. Eine Aufspaltung des Bistums Chur empfindet der Bündner Regierungsrat als «empfindliche Schwächung und Marginalisierung des Bistums».
Reformierte sind dafür

Nur der Kanton Zürich spricht sich für ein Bistum Zürich aus, eine Idee, die seit den 1980er-Jahren auf dem Tisch liegt. Ein Bischof vor Ort für 394 000 Gläubige im Kanton Zürich – knapp 60 Prozent der Katholiken im Bistum Chur – sei aus pastoraler Sicht zu begrüssen, teilte der Synodalrat der katholischen Kirche Zürich gestern mit. Vorteile sieht die Kantonskirche auch in der Zusammenarbeit mit kantonalen kirchlichen Körperschaften und den orthodoxen Kirchen in Zürich. Auch die reformierte Kirche Zürich unterstützt das Vorhaben. Der Kirchenrat hält ein Bistum Zürich für hilfreich, da sich die beiden grossen Kirchen so besser unterstützen könnten.

Das katholische Zürich wolle sich aber nicht um jeden Preis von Chur verabschieden, sagt Simon Spengler, Sprecher des Synodalrats: Ein Bistum Zürich sei aus Zürcher Sicht die sinnvollste und sauberste Lösung. «Diese kann aber nur umgesetzt werden, wenn die anderen Bistumskantone einverstanden sind.»

Bischofssitz auch in Zürich

Als Alternative zum eigenen Bistum sieht der Synodalrat ein Bistum Chur-Zürich. Dabei würde nicht nur in Chur, sondern auch in Zürich ein Bischofssitz etabliert. So könnte laut Spengler in Zürich etwa ein Weihbischof wirken. Alternativ könnte der Bischof seinen Arbeitssitz in Zürich bei der Mehrheit der Gläubigen und seinen Regierungssitz nach wie vor in Chur haben. Diese Idee ist nicht Teil der Umfrage des Bischofs, war aber laut Synodalrat in den 2000er Jahren bereits weit gediehen: «Aus heute nicht mehr genau nachzuvollziehenden Gründen realisierte sich die Lösung jedoch nicht.»

Die Zürcher Katholiken rufen den Bischof dazu auf, diese Variante nochmals eingehend zu prüfen. «Sie wäre einfacher zu realisieren und eher mehrheitsfähig als ein Bistum Zürich», sagt Spengler. Aus der Innerschweiz kommen positive Zeichen und auch die Bündner Kantonalkirche spricht sich für die Prüfung eines Doppelbistums aus. Lediglich die Bündner Regierung steht der Idee «skeptisch bis ablehnend» gegenüber. Einer Verlegung des Bischofssitzes würde sie sich gar «vehement widersetzen».

Bis Ende Mai können die Seelsorger im Bistum, die Kadermitarbeiter, Beratungsgremien, Ordensgemeinschaften sowie die Kirchgemeindepräsidenten noch an der Umfrage teilnehmen. Sollte daraus ein «Nein» zum Bistum Zürich resultieren, wäre das für Spengler nicht der Untergang der Welt, «aber eine verpasste Chance». Ob ein Doppelbistum als Alternative geprüft würde, hänge davon ab, wie der Bischof das Umfrageergebnis interpretieren werde, erklärt der Dynodalrats-Sprecher.