Regierungsratswahlen
Für die Freisinnigen wird es keine leichte Wahl

Am Donnerstag nominieren die FDP-Delegierten für die Regierungsratswahlen vom kommenden April. Zwei Frauen und ein Mann bekunden ihr Interesse, den frei werdenden Sitz von Finanzdirektorin Ursula Gut zu verteidigen.

Thomas Marth
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Von links nach rechts: Thomas Vogel, Beatrix Frey-Eigenmann und Carmen Walker Späh.

Von links nach rechts: Thomas Vogel, Beatrix Frey-Eigenmann und Carmen Walker Späh.

zvg

Frau oder nicht Frau? Heutzutage spielt diese Frage bei Behördenwahlen im Prinzip keine Rolle mehr. Die Besten sollen gewinnen, unabhängig vom Geschlecht. In der Landes- wie in der Kantonsregierung waren die Frauen schon in der Mehrheit. Insofern müsste es auch möglich sein, dass die FDP des Kantons Zürich als Ersatz für ihre nicht mehr antretende Regierungsrätin Ursula Gut einen Mann ins Rennen schickt. Mit Thomas Vogel, Fraktionschef im Kantonsrat, stünde auch einer bereit.

Nominiert, würde er dann im nächsten Frühling zusammen mit dem Bisherigen Thomas Heiniger den Wahlkampf für die Freisinnigen bestreiten. Vermutlich wären die zwei in ein bürgerliches Bündnis eingebunden und würden gemeinsam mit den SVP-Männern Markus Kägi und Ernst Stocker von den Plakatwänden lächeln. Dank CVP-Kandidatin Silvia Steiner wäre zumindest noch eine Frau mit auf dem Bild – sofern man sie denn lässt. Nachdem die CVP neulich im Kantonsrat Kägis Energiebericht versenken half, hat ihr die SVP den Ausschluss aus der bürgerlichen Allianz in Aussicht gestellt. So oder so wären Steiner und Jacqueline Fehr, die Kandidatin der SP, die einzigen Frauen im Wahlkampf. Mit den Rücktritten von Gut und von Regine Aeppli (SP) sind nur Männer als Bisherige verblieben.

Vorsprung für Frey-Eigenmann

Ob die Wähler in dieser Konstellation eine weitere Männerkandidatur goutieren würden? Die Frauenfrage mag schon drängender gewesen sein als heutzutage – einfach ignorieren können sie die FDP-Delegierten nicht. Zumal ja zwei Interessentinnen bereitstehen: Carmen Walker Späh und Beatrix Frey-Eigenmann.

Alle drei Kandidaturen gelten als valabel. Es will denn auch niemand eine Prognose wagen, wer von ihnen am Donnerstagabend an der Nominationsversammlung am Credit-Suisse-Sitz im Üetlihof in Zürich das Rennen machen wird.

Ein leichter Vorsprung wird Beatrix Frey-Eigenmann (Meilen) zugesprochen, auch wenn sie im Kandidatentrio den geringsten Bekanntheitsgrad aufweist. Dass dies auch ein Erfolgsrezept sein kann, hat just die Frau vorgemacht, deren Sitz es zu verteidigen gilt. Als Ursula Gut vor acht Jahren ins Rennen stieg , war auch sie erst einem breiteren Publikum bekannt zu machen. Es gibt auch Ähnlichkeiten im Profil der zwei Frauen. Gut war Bankdirektorin; Frey-Eigenmann ist VR-Präsidentin im Spital Männedorf und Verwaltungsrätin im Verwaltungsrechenzentrum VRSG, wo auch Gut einst wirkte. Gut war Gemeindepräsidentin von Küsnacht; Frey-Eigenmann ist seit acht Jahren Gemeinderätin in Meilen und als solche für die Finanzen zuständig. Zudem ist sie eine von fünf Partnern in einer Unternehmensberatung. Sie ist somit eine Frau der Wirtschaft, wobei ihre Kunden öffentliche Organisationen und Verwaltungen sind. Seit 2011 ist sie Kantonsrätin. Sie ist 48 Jahre alt und hat zwei Kinder.

Carmen Walker Späh (Zürich) ist keine Unbekannte. Im Rampenlicht stand sie unter anderem bei der Ersatzwahl in den Zürcher Stadtrat 2013. Für die FDP galt es, den Sitz ihres abtretenden Finanzvorstandes Martin Vollenwyder zu verteidigen. Die Delegierten nominierten nicht Walker Späh, sondern Marco Camin – der dann gegen Richard Wolff (AL) verlor.

Walker Späh ist eine Kämpfernatur. Sie spricht Klartext, wenn es ihr angebracht erscheint, und kann damit auch anecken. 2008 wurde daher nicht sie, sondern Beat Walti Kantonalparteipräsident. Walker Späh, die der Partei mehr Profil verpassen wollte, hatte diese mit einem abgefahrenen Pneu verglichen. Als Präsidentin der FDP-Frauen Schweiz stiess sie mit der Forderung nach einer Frauenquote in der Verwaltung auf Widerstand. Sie kann aber auch Allianzen schmieden. Das bewies die Expertin für Bau- und Planungsrecht etwa mit ihrem Einsatz für den Waidhaldetunnel zur Entlastung der Zürcher Rosengartenstrasse. Walker Späh (56) hat drei Söhne, führt ihre eigene Anwaltskanzlei und ist seit 2002 Kantonsrätin, zuvor war sie fünf Jahre lang Verfassungsrätin.

Blick über die Parteigrenze

Thomas Vogel ist mit seinen 42 Jahren zwar der Jüngste im Bunde, kann aber die längste politische Laufbahn vorweisen. Bereits als 22-Jähriger wurde er ins Parlament von Illnau-Effretikon gewählt, das er im Amtsjahr 2001/2002 präsidierte. Seit 2003 politisiert er im Kantonsrat.

Seit 2008 führt er die FDP-Fraktion mit Geschick. Als Geschäftsleitungsmitglied des Bezirksgerichtes Zürich kann er Führungserfahrung auch in einem grösseren Betrieb vorweisen. Vogel war bereits bei den Jungfreisinnigen aktiv. Diese haben ihn den Delegierten auch offiziell zur Wahl vorgeschlagen. An Frey-Eigenmann bemängelten sie, dass sie in den Hearings Steuererhöhungen nicht kategorisch ausschloss. Bei Walker Späh nannten sie die Frauenquoten als Negativpunkt.

An erster Stelle wird es für die Delegierten darum gehen, wer von den Dreien am ehesten wählbar ist. Da es sich um Majorzwahlen handelt, muss die Kandidatur über die Parteigrenzen hinaus attraktiv sein. Zu dieser Frage drängt sich ein Blick in Panachierstatistik der letzten Kantonsratswahl auf. Bei Frey-Eigenmann stammten die Panachierstimmen zu mehr als der Hälfte von SVP und GLP; etwa ein Fünftel kam von SP und Grünen. Ähnlich sieht es aus bei Walker Späh, die etwas mehr linke, vor allem aber insgesamt mehr Panachierstimmen erhalten hat als Frey-Eigenmann. Sie machten bei ihr fast einen Viertel aller Stimmen aus, bei Frey nur 12 Prozent. Bei Thomas Vogel trugen die Fremdstimmen gar leicht mehr als ein Viertel zum Gesamtresultat bei. Knapp die Hälfte davon kam von der SVP, knapp ein Fünftel von links. Die Unterschiede erscheinen zu wenig ausgeprägt, um eine Kandidatur stark zu bevorteilen.

Letztlich werden die Delegierten vielleicht aber auch abwägen wollen, wie ihr Entscheid bei den Bewerbern ankommt. Wollen sie Walker Späh als verdienter Kämpferin für die liberale Sache den Weg in Amt und Würden ermöglichen, dürfte dies von deren Alter her die letzte Möglichkeit darstellen. Zudem wäre bei ihr wohl eine weitere Zurückweisung eine zu viel, um sich später noch einmal für dieses oder ein anderes Amt zu bewerben. Frey-Eigenmann und Vogel hingegen haben das politische Leben noch vor sich. Vor allem Vogel befände sich in bester Position, sollte Thomas Heiniger in vier Jahren als Regierungsrat zurücktreten. Dies auch deshalb, weil er dann ja argumentieren könnte, dass er 2014 nicht gegen Mitbewerber unterlag, sondern wegen der Frauenfrage unberücksichtigt geblieben ist.

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