Gastronomie
Für das Zürcher Restaurant «Movie» fällt die letzte Klappe

Das Restaurant Movie am Beatenplatz schliesst Ende Oktober 2017. Die Liegenschaftenbesitzerin PSP Swiss Property AG hat den Mietvertrag mit dem Pächter nicht verlängert – sie plant eine Totalsanierung.

Patrick Gut
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Ende Oktober 2017 schliesst das «Movie» am Beatenplatz. Eigentümerin PSP Swiss Property investiert rund 80 Millionen Franken in das Gebäude. Johanna Bossart

Ende Oktober 2017 schliesst das «Movie» am Beatenplatz. Eigentümerin PSP Swiss Property investiert rund 80 Millionen Franken in das Gebäude. Johanna Bossart

LAB

«Dead Poets Society», «The Flying Fool», «Chitty Chitty Bang Bang» und «La Vita e Bella» sind bekannte Filme. Es sind aber auch Menüs, die im Restaurant Movie am Beatenplatz unweit des Hauptbahnhofs in Zürich serviert werden.

Die Speisekarte ist – passend zum Motto – auf alte Filmdosen aufgedruckt. Das Angebot reicht von Schweizer Spezialitäten über Grillgerichte bis zu mexikanischen Spezialitäten. Die Mittagsmenüs sind schmackhaft und für die Lage im Stadtzentrum sehr bezahlbar. Das «Movie» mit seinen 300 Plätzen ist meist gut besetzt. Jetzt noch.

Ende Oktober 2017 nämlich muss der Gastrobetrieb nach 24 Jahren schliessen. Die Liegenschaftenbesitzerin PSP Swiss Property AG und und der Pächter haben den Mietvertrag in gegenseitigem Einvernehmen beendet, wie es bei PSP heisst. Pächter ist Nicolas Kern, der mit seiner Firma Dinner & More auch die Wirtschaft Degenried beim Dolder und das Bistro Chez Marion am Zähringerplatz in der Zürcher Altstadt betreibt.

Der Riese PSP Die PSP Swiss Property AG ist Ende der 90er-Jahre als Spin- off des Zurich Versicherungskonzerns entstanden. Das Unternehmen verfügt heute über ein Immobilienportfolio im Wert von rund 7 Milliarden Franken. Etwa 60 Prozent der Liegenschaften befinden sich in der Stadt Zürich. Das Immobilienunternehmen ist seit 2000 an der Börse kotiert. (pag)

Der Riese PSP Die PSP Swiss Property AG ist Ende der 90er-Jahre als Spin- off des Zurich Versicherungskonzerns entstanden. Das Unternehmen verfügt heute über ein Immobilienportfolio im Wert von rund 7 Milliarden Franken. Etwa 60 Prozent der Liegenschaften befinden sich in der Stadt Zürich. Das Immobilienunternehmen ist seit 2000 an der Börse kotiert. (pag)

ZVG

Umfassende Sanierung

Für PSP Swiss Property ist die Liegenschaft, in der sich das «Movie» befindet, Teil eines grossen Ganzen. PSP besitzt praktisch den gesamten Gebäudekomplex an Bahnhofplatz, Bahnhofquai und Waisenhausstrasse. Einzig die Liegenschaft mit der Adresse Bahnhofplatz 3 gehört der BVK, der Pensionskasse des Kantons Zürich (siehe Karte).

PSP hat grosse Pläne mit den Liegenschaften. Sie will die Gebäude in den nächsten Jahren totalsanieren. Am Bahnhofplatz 1, wo bis anhin der Apple-Anbieter Dataquest eingemietet war, sind bereits Arbeiten im Gang. Dataquest ist für die Bauphase ins Nebengebäude an den Bahnhofplatz 2 umgezogen. Nach dem Umbau wird der Computerladen wieder an den Bahnhofplatz 1 zurückkehren, wie Reto Grunder, der Projektverantwortliche von PSP, auf Anfrage sagt. In derselben Tranche wie der Bahnhofplatz 1 werden die Gebäude am Bahnhofquai 9, 11 und 15 saniert.

In einer weiteren Etappe folgt das Gebäude mit den Adressen Bahnhofquai 7, Beatenplatz 4, Waisenhausstrasse 2 und 4 – das sogenannte Du-Pont-Haus. An der Waisenhausstrasse war das Kino ABC eingemietet. Dieser Gebäudeteil steht seit zwei Jahren leer.

Derzeit diskutiere die PSP mit der städtischen Denkmalpflege über die Umsetzung der Sanierung. «Wir sind einer Lösung näher gekommen», sagt Reto Grunder. Ziel sei es, im nächsten Jahr noch eine Baueingabe zu machen und 2018 mit der Sanierung zu beginnen.

Erst ein neuer Mieter steht fest

Für sämtliche Sanierungen im Häusergeviert rechnet Grunder mit Investitionen im Bereich von rund 80 Millionen Franken. Das Areal wird nach der Sanierung mehr als 10 000 Quadratmeter Mietfläche umfassen. Einzig Dataquest steht bisher als Mieter fest. Für das Du-Pont-Haus gebe es noch keine konkreten Pläne. «Wir wollen, dass der Ort belebt ist», sagt Grunder. Im Erdgeschoss – im Bereich des heutigen «Movie» – könne sich die PSP einen Gastrobetrieb vorstellen. Grundsätzlich strebe man im Erdgeschoss und ersten Obergeschoss Ladenflächen an. In den oberen Geschossen ist eine Büronutzung vorgesehen.

Wäre das Kaufhaus Manor, das seinen Standort an der Bahnhofstrasse verlieren könnte, ein möglicher Mieter für das Du-Pont-Haus? Gerüchteweise war dies schon zu hören. Grunder winkt ab: «Die Anlieferung bei dieser Liegenschaft wäre für ein grosses Warenhaus eine riesige Herausforderung und würde Eingriffe nach sich ziehen, die sich mit der Denkmalpflege kaum in Einklang bringen liessen.»

Eine Ära geht zu Ende

Laut «Movie»-Betreiber Kern wird sein Restaurant kein Revival erleben. «Das ‹Movie› lässt sich nicht verpflanzen», sagt Kern. Zudem sei es undenkbar, an ähnlich guter Lage eine gleich grosse Lokalität zu finden. Den Betrieb nach 24 Jahren schliessen zu müssen, tue weh. «Das ‹Movie› war mein Baby», sagt Kern. Immerhin sei es schön, dass die Gäste die Schliessung des Lokals ebenfalls bedauern.

Mit der letzten Klappe verlieren rund 70 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des «Movie» ihre Stelle. Laut Kern wird es dabei aber zu weit weniger Kündigungen kommen. Das Gastrogewerbe zeichne sich durch eine hohe Fluktuation aus und die neueren Mitarbeiter würden einen befristeten Vertrag erhalten. Und Kern sagt auch sehr zuversichtlich: «Wer sich im ‹Movie› bewährt hat, findet ohne weiteres eine neue Stelle.»