Vom 1. bis 3. Juli mutiert Zürich einmal mehr zur grössten Festhütte der Schweiz: Zwei Millionen Besucher werden zur neusten Ausgabe des alle drei Jahre stattfindenden Züri Fäschts erwartet, falls das Wetter mitspielt. Doch die Züri-Fäscht-Macher vom Verein Zürcher Volksfeste (VZV) haben Geldsorgen. Geschäftsführer Roland Stahel sprach sogar davon, dass dem Züri Fäscht das Aus drohe, sollte die öffentliche Hand nicht mehr Mittel bewilligen.

Dieses Szenario ist nun vorerst abgewendet: Der Zürcher Kantonsrat verdoppelte gestern den Festbeitrag des Kantons von 400 000 auf 800 000 Franken. Das Geld kommt aus dem noch prall gefüllten Lotteriefonds, sodass es das Budget des Kantons nicht belastet und auch von dessen gerade angelaufener Leistungsüberprüfung 2016 nicht betroffen ist.

Der Kantonsrat zeigte sich denn auch festfreudig und spendabel: Alle Parteien waren für die Beitragserhöhung. Nur zwei Abweichler aus den Reihen der CVP und der EVP stimmten dagegen — aus Protest, weil der Kantonsrat zuvor einen Beitrag zum Aufbau von elektronischen Patientendossiers aus dem gleichen Lotteriefonds abgelehnt hatte.

Trotz klarem Ja zur Beitragsverdoppelung fürs Züri Fäscht gab es auch kritische Stimmen. So monierte Diego Bonato (SVP, Aesch), dass dahinter Forderungen des Zürcher Verkehrsverbunds (ZVV) stecken. Dieser verlangt von den Züri-Fäscht-Machern 2016 erstmals eine Entschädigung von 900 000 Franken für entgangene Nachtzuschläge in Höhe von 1,9 Millionen Franken. Begründung: Der ZVV sieht sich angesichts der Menschenmassen zur Hauptverkehrszeit des Fests ausserstande zu kontrollieren, ob die Fahrgäste den Nachtzuschlag von fünf Franken bezahlen. «Wir werden bei der Leistungsüberprüfung 2016 darauf zurückkommen», so Bonato. Martin Sarbach (SP, Zürich) nannte diese Kritik am ZVV «kleinlich». Ticketkontrollen während der Spitzenzeiten des Züri Fäschts wären schlicht realitätsfremd. Regierungsrat Ernst Stocker (SVP) gab zu verstehen, das Personal in den öffentlichen Verkehrsmitteln habe während des Züri Fäschts mit seinen Sicherheitsaufgaben schon genug zu tun.

Sicherheit ist der zweite Grund der kantonalen Beitragserhöhung ans Züri Fäscht. Dafür zeigte SVP-Kantonsrat Bonato Verständnis: «Die schiere Menschenmenge ist ein Sicherheitsrisiko.» Beim letzten Züri Fäscht gab es Ansätze einer Massenpanik. Nun haben die Festmacher ihr Konzept überarbeitet. Um die Besucherspitzen zu brechen, finden neu in der Festnacht von Samstag auf Sonntag zwei Feuerwerke statt. Und: Das Festareal wird erweitert und kommerziell weniger dicht genutzt. Auch eine App und mehr Kontrollen beim Festaufbau sollen die Sicherheit erhöhen. Das Züri Fäscht 2016 hat daher Pilotcharakter, wie es im Kreditantrag der Regierung heisst.

Wie weiter 2019?

Vertreter von FDP, CVP und BDP betonten indes, die Verdoppelung des Kantonsbeitrags müsse eine einmalige Sache bleiben: «Für die Zukunft muss eine andere Lösung gefunden werden», so Marcel Lenggenhager (BDP, Gossau). Die Züri-Fäscht-Macher sollten das Sponsoring weiter ausbauen — oder allenfalls das Fest wieder kleiner gestalten, meinte Yvonne Bürgin (CVP, Rüti).

Nebst der kantonalen Finanzspritze ist auch eine Beitragserhöhung der Stadt Zürich ans Züri Fäscht geplant. Falls der Zürcher Gemeinderat zustimmt, wachsen die Beiträge der öffentlichen Hand um insgesamt 700 000 auf 1,5 Millionen Franken. Gesamthaft steigt das Festbudget um 2 auf 7,5 Millionen Franken. Um dies zu finanzieren, werden auch die Getränkepreise erhöht — erstmals seit 2004, wie VZV-Geschäftsführer Roland Stahel betont. Neu kostet ein Softdrink 6 statt 5 Franken und ein Bier 7 Franken statt 5,50 Franken. In die Preiserhöhung inbegriffen ist eine ZVV-Abgabe von 50 Rappen pro Getränk.

Die Sponsorenbeiträge ans Züri Fäscht sind gemäss Stahel seit 2010 markant gestiegen: Damals lagen sie bei 110 000 Franken, aktuell seien es rund 400 000 Franken. In etwa konstant blieben im gleichen Zeitraum hingegen die Platzgelder von Festwirtschaften und Marktständen: Sie liegen bei 2,1 Millionen Franken.

Auf die Frage, ob das Züri Fäscht 2019 wieder ohne die jetzt beschlossene Beitragserhöhung des Kantons auskommen könnte, erklärt VZV-Präsident Ralph Kühne: «Bevor Szenarien entwickelt werden können, muss das Züri Fäscht ’16 ausgewertet werden.» Dieses habe Pilotcharakter und werde punkto Finanzierung des nächsten Festes wegleitend sein. Der Fokus liege dabei auf den Bereichen Sicherheit und öffentliche Transporte, die zu den Mehrkosten führten. «Ein weiteres mögliches Handlungsfeld ist der Bereich Sponsoring, den wir zu intensivieren versuchen», so Kühne.