Bildung

Für mehr Deutsch und Rechnen sollen Dispense erteilt werden

Im Mathematikunterricht gehen die Hände hoch

Im Mathematikunterricht gehen die Hände hoch

Um die Leistungen in Deutsch und Mathematik zu verbessern, sollen Schüler andere Fächer vernachlässigen dürfen. Die Lehrer sind dafür, sehen jedoch bei der Umsetzung Probleme

Etwa 20 Prozent der Jugendlichen im Kanton Zürich erreichen am Ende ihrer obligatorischen Schulzeit die Lernziele in Deutsch und Mathematik nicht. Das hat die Pisa-Studie 2009 ergeben. Und das bekommen vor allem die Lehrbetriebe zu spüren.

Um dem entgegenzuwirken, können nun leistungsschwache Schülerinnen und Schüler vorübergehend von einzelnen Fächern dispensiert werden. Eine entsprechende Änderung in der Volksschulverordnung hat der Regierungsrat gestern verabschiedet.

«Stunden fallen oft ganz aus»

Die Neuerung gilt vor allem für die Sekundarstufe, wo sich Berufswünsche konkretisieren und sich besser abschätzen lässt, auf welchen Lerninhalt ein Schüler am ehesten verzichten kann. Martin Wendelspiess, Chef des Volksschulamtes, nennt zwei Beispiele: «Wer Handwerker werden will, könnte Französisch vernachlässigen – und eine talentierte Kunstturnerin das Turnen, da sie ja ohnehin schon 20 Stunden pro Woche Sport treibt.»

Die Flexibilisierung ist breit abgestützt. Auch der Zürcher Lehrerinnen- und Lehrerverband (ZLV) befürwortet sie. «Die Änderung ermöglicht eine Praxis, die heute teilweise schon umgesetzt wird», sagt ZLV-Präsidentin Lilo Lätzsch.

«Das Problem ist nur, dass zwar Schülerinnen und Schüler dispensiert werden, diese Stunden aber oft gar nicht konsequent für Deutsch- oder Mathematikunterricht genutzt werden, sondern ganz ausfallen.» Das liege teils an organisatorischen Schwierigkeiten, teils an fehlenden personellen oder räumlichen Ressourcen. Diese Mängel seien auch mit der neuen Verordnung noch nicht aus der Welt geschafft.

Martin Wendelspiess bestätigt, dass solche Dispensationen bereits heute teilweise vorgenommen werden. «Mit der Änderung in der Verordnung ist es nun offiziell und die Schulen müssen kein schlechtes Gewissen mehr haben.»

Anders als Lätzsch beurteilt der Amtschef allerdings die Umsetzung: «Es ist nicht möglich, einen Schüler einfach nach Hause zu schicken. Dass dispensierte Stunden für Mathematik oder Deutsch genutzt werden müssen, ist nun explizit festgeschrieben.»

Entlastung durch Computer

Ob die Vorgabe auch tatsächlich umgesetzt wird, werde die Bildungsdirektion nicht kontrollieren. «Wir schicken keine Schulpolizei los», sagt Wendelspiess. «Wir gehen davon aus, dass die Schulen die Verantwortung wahrnehmen.» Ausserdem ist er überzeugt, dass eine Umsetzung mit den vorhandenen personellen Ressourcen möglich ist.

Für Deutsch- und Mathematikunterricht gebe es heute computerbasierte Lernmittel und Lernsequenzen, die selbstständiges Arbeiten ermöglichen und die Lehrpersonen entlasten würden.

Um sich auf die neue Regelung einzustellen, bleibt den Schulen ein halbes Jahr Zeit. Die Einführung ist auf den Beginn des Schuljahres 2016/2017 vorgesehen.

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