Schulter an Schulter und Hand in Hand werden Jugendliche zwischen 15 und 25 Jahren am Samstag in einem Jugendblock am Zurich Pride Festival demonstrieren. Unter dem Label «Jugendpride» mobilisiert der Verein Milchjugend LGBT-Jugendgruppen (wobei LGBT für Lesbian, Gay, Bisexual und Trans steht) aus der ganzen Deutschschweiz, am Demonstrationszug durch die Zürcher Innenstadt für Gleichstellung einzustehen.

Der Verein ist die grösste Jugendorganisation für lesbische, schwule, bi-, trans- und asexuelle Jugendliche. Die Milchjugend fasst ihre Aktivitäten unter dem Motto «Falschsexuelle Welten» zusammen.

Diese Formulierung sorgt nicht nur bei älteren LGBT-Aktivistinnen und Aktivisten teilweise für Empörung, wie Tobias Urech, Milchjugend-Vorstandsmitglied, bestätigt. Es handle sich dabei um eine Übersetzung des Begriffs «queer», der Dinge, Handlungen und Personen beschreibt, die von der Norm abweichen. «Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transmenschen werden in der Gesellschaft nach wie vor als falsch oder anders wahrgenommen. Wir sind stolz darauf, falsch zu sein und finden das richtig und gut», sagt Urech.

Deshalb will die Organisation auch an der diesjährigen Pride als Jugendblock mitlaufen. «Wir wollen alle Jugendlichen aus dem LGBT-Spektrum miteinander verbinden», so Urech. Weil viele Jugendliche an Anlässen wie der bevorstehenden Pride erstmals mit der LGBT-Community in Kontakt kommen, versucht die Organisation ein Netzwerk dafür bereitzustellen: «Wir bieten Raum und Möglichkeiten für Menschen, die sich mit heteronormativen Geschlechter-, Sexualitäts- und Beziehungskonzepten nicht identifizieren wollen», sagt Urech weiter.

Professionell ehrenamtlich

Und diese Möglichkeiten sind vielfältig, wie die Agenda der Milchjugend zeigt. Ihre Arbeit begann vor sechs Jahren mit dem «Milchbüechli» – einer Zeitschrift «von und für falschsexuelle Jugendliche» mit Beiträgen zu Gesellschaft, Politik und Kultur sowie jeweils einer Coming-out-Geschichte.

Neben der einmal jährlichen Milchreise lanciert die Jugendorganisation sogenannte Milchbars in Schweizer Städten. Neben den Standorten in Baden und Luzern gibt es nun seit vergangener Woche auch einen solchen Treffpunkt für LGBT-Jugendliche in Bern. «Wir führen Gespräche für weitere Bars im Tessin oder in Basel», sagt Urech.

Was klein anfing, ist im Verlauf der vergangenen Jahre immer grösser und professioneller geworden, wie Urech sagt. Von den 1000 Newsletter-Abonnentinnen und Abonnenten kämen im Durchschnitt etwa 200 Interessierte an die vom Verein organisierten Anlässe und Partys. «Genaue Zahlen gibt es nicht, weil es wenige offizielle Mitglieder gibt und wir von den Jugendlichen keine Beiträge verlangen», sagt Urech.

Man wolle kein Verein im klassischen Sinne sein. «Statuten und Generalversammlungen bilden eine zu hohe Hemmschwelle bei Jugendlichen», ist er überzeugt. Dennoch kennt das Engagement der Milchjugend kaum Grenzen, wenn es darum geht, ihren Anliegen Gehör zu verschaffen. So fand im vergangenen Jahr das erste Lila-Festival im aargauischen Fricktal statt. Die grüne Wiese auf dem Land hat man laut Urech bewusst gewählt: «Auf dem Land sind falschsexuelle Menschen nach wie vor mit grösseren Tabus konfrontiert als im urbanen Umfeld.»

Dass das kommende Lila-Festival in der Photobastei in Zürich stattfinden wird, bedeute aber nicht, dass man ruhiger werde: «Logistisch ist es einfacher, ein solches Festival in der Stadt zu organisieren», sagt Urech. Man dürfe nicht vergessen, dass die Arbeit der Jugendorganisation fast vollumfänglich ehrenamtlich sei. Dafür steckte aber gerade deswegen viel Überzeugung für emanzipiert Werte dahinter.