Als «Gedächtnis unseres Kantons» pries Regierungsrätin Jacqueline Fehr (SP) gestern im Kantonsrat das Zürcher Staatsarchiv. «Es umfasst Unterlagen aus 13 Jahrhunderten und gehört zu den international führenden Archiven», so die Zürcher Justiz- und Innenministerin weiter.

Doch das 1837 gegründete «Gedächtnis» des Kantons hat ein wiederkehrendes Platzproblem: Jahr für Jahr kommen 700 bis 1000 Laufmeter Akten hinzu. Den Hauptanteil machen Regierungs-, Kantonsrats-, Gerichts- und Behördenakten aus. Auch Unterlagen von Parteien sowie Bild-, Film- und Tondokumente lassen die Archivbestände anschwellen. Und zwar so stark, dass das Archiv immer wieder Neubauten braucht, um seinem gesetzlichen Auftrag nachzukommen.

Dritter Neubau innert 40 Jahren

1982 wurde das Staatsarchiv in einem Neubau auf dem Irchel-Areal in Zürich untergebracht. Bald wurde der Platz wieder knapp: 2006 folgte ein erster Erweiterungsbau. Und weil dessen Kapazitäten 2019 erschöpft sein dürften, hat der Kantonsrat gestern grünes Licht für einen weiteren Erweiterungsbau gegeben: Er bewilligte 25 Millionen Franken für den Bau 3 des Staatsarchivs.

Dieser soll sich direkt an Bau 2 angliedern und grossteils unterirdisch liegen. Das Staatsarchiv erhält damit nebst 16 bis 18 Laufkilometern Archivraum auch eine Cafeteria und Seminarräume. Der Platz sollte laut Regierungsrat mit dem Bau 3 bis 2035 reichen. Dann wäre Bau 4 fällig.

Obwohl grundsätzlich alle Parteien den aktuell geplanten Erweiterungsbau befürworteten, gab es auch kritische Stimmen im Rat: «Wir müssen uns Gedanken darüber machen, den stetig wachsenden Aktenbergen Einhalt zu gebieten», gab Josef Wiederkehr (CVP, Dietikon) zu Protokoll. Und Christian Mettler (SVP, Zürich) meinte: «Das Archivgesetz muss überarbeitet werden. Künftig sollten nur noch handgeschriebene Akten archiviert werden.» Maschinengeschriebenes solle hingegen nur noch in digitalisierter Form archiviert werden. Die digitale Wende müsse vollzogen werden, forderte Mettler.

Dafür ist es allerdings laut Regierungsrätin Fehr noch zu früh. Die meisten Akten würden noch immer auf Papier angeliefert. Und die Archivierung digitaler Akten sei heute noch deutlich teurer als jene von Originalakten.

Anlass zu Diskussionen gab dann vor allem die Frage, ob der Staatsarchiv-Erweiterungsbau mit einer Photovoltaik-Anlage auszustatten sei. Vertreter der Grünliberalen, der SP und der Grünen hatten dafür 150 000 Franken zusätzlich beantragt. «Langfristig sparen wir mit dieser Anlage Kosten», sagte Martin Neukom (Grüne, Winterthur). Das Staatsarchiv könne den damit erzeugten Strom in seiner hauseigenen Klimaanlage nämlich gleich selber verbrauchen und so 10 000 bis 15 000 Franken Stromgebühren pro Jahr einsparen.

Die FDP wollte eine Solarstromanlage aber nicht zwingend vorschreiben, und die SVP warnte vor Folgekosten, die für den Unterhalt nötig würden. Schliesslich erhielt ein von der BDP eingebrachter Kompromissvorschlag eine Mehrheit: Er verlangt den Bau einer Photovoltaik-Anlage — allerdings ohne zusätzliche finanzielle Mittel, sondern im Rahmen des Kredits von 25 Millionen Franken.

150 000 Franken entsprächen 0,6 Prozent der Gesamtsumme, rechnete Cornelia Keller (BDP, Gossau) vor. Dies sei weniger als der für Kunst am neuen Staatsarchiv-Bau vorgesehene Betrag von 178 000 Franken und sollte daher machbar sein. Die Frage von Regierungsrätin Fehr, ob es redlich sei, eine Photovoltaik-Anlage zu bestellen ohne die Kosten dafür zu sprechen, schlug die Mehrheit des Kantonsrats in den Wind.