Die Polizei hat am letzten Mittwoch eine hochschwangere Eritreerin ausgeschafft. Um vier Uhr morgens holten sie die Frau in der Notunterkunft Adliswil in Handschellen ab. Auch das einjährige Kind wurde mitgenommen. Erst Stunden später sah es seine Mutter im Flugzeug nach Rom wieder, wie der "Tages-Anzeiger" schreibt. Wegen des Dublin-Abkommens ist Italien für die 21-Jährige zuständig.

Das Problem: Die abgewiesene Asylbewerberin ist im achten Monat schwanger. Das Triemlispital stellte ihr am 9. November ein Zeugnis aus, wonach die Frau bis zum Geburtstermin nicht fliegen dürfe. Ausgeschafft wurde sie trotzdem.

Privatfirma für medizinische Beurteilung zuständig

Für die medizinische Beurteilung und Begleitung von abgewiesenen Asylsuchenden, die auf dem Luftweg ausreisen, ist die Privatfirma Oseara AG zuständig. Das Nidwaldner Unternehmen hat dafür ein Mandat des Bundes. Die Ärzte dieser Organisation schätzten die Frau nach einer erneuten Untersuchung entgegen des Triemli-Zeugnisses als flugfähig ein. Laut dem Staatssekretariat für Migration (SEM) seien zudem ein Mediziner und ein Vertreter der Nationalen Kommission zur Verhütung von Folter zur Absicherung an Bord gewesen.

Beim Stadtspital Triemli ist man über die Vorgänge irritiert. Eine Ausschaffung sei ein grosser Stress für Schwangere. Eine Sprecherin betont zudem gegenüber dem "Tages-Anzeiger": "Ein Zeugnis, welches das Triemli ausstellt, ist bindend." Auf den konkreten Fall geht das Spital aufgrund des Patientenschutzes allerdings nicht ein.