Vom Strassenbauer über den Coiffeur bis hin zum Banker: An der Stadtzürcher Lehrstellenbörse trafen gestern Lehrstellensuchende und Lehrlingsverantwortliche von Firmen aus verschiedensten Branchen aufeinander. Es ging um Zukunftsweisendes: für die Jugendlichen um die Suche nach dem passenden Beruf, für die Lehrbetriebe um die Fachkräfte von morgen. Doch wie lässt sichs bei der Lehrstellensuche punkten?

Eine Umfrage an der Börse ergab Folgendes: «Offen und ehrlich» müssen Bewerber sein. Das ist für Marcel Lepori, Berufsbildner beim Baukonzern Implenia, Grundbedingung. «Wenn ich sehe, dass jemand sein Motivationsschreiben von einem Erwachsenen diktiert bekommen hat, bringt es nichts.» Selbst formulierte Motivationsschreiben mögen sprachlich weniger perfekt sein. «Dafür spüre ich, was für Menschen dahinter stecken», so Lepori. Zeugnisnoten und das Abschneiden in standardisierten Tests wie Multicheck und Basiccheck stünden bei der Suche nach Strassenbau-Lehrlingen weniger im Vordergrund.

Entscheidend sei die einwöchige Schnupperlehre. Dabei zeige sich, wer mit den Händen arbeiten könne. Und wer wirklich Interesse am Beruf bekunde. Das Vorurteil, wonach auf dem Bau lande, wer sonst nichts finde, sei veraltet: «Lieber lasse ich eine Lehrstelle offen, als jemanden einzustellen, der nicht motiviert ist», sagt Lepori.

Etwas andere Prioritäten gelten ein paar Schritte weiter am Tisch einer grossen Zürcher Bank: Wenn jemand eine kaufmännische Lehre anpeile, stünden zunächst einmal gute Schulnoten, gute Verhaltensbewertungen im Schulzeugnis und gute Resultate beim Multichecktest im Vordergrund, betont die Lehrlingsverantwortliche. Aus dem Bewerbungsschreiben müsse auch die Motivation klar hervorgehen – und die Bewerbungsunterlagen müssen korrekt und vollständig sein, «inklusive Zeugnisse».

Erst wenn diese Bedingungen erfüllt seien, bestehe die Chance auf eine Einladung zum Schnuppertag für die nach wie vor beliebteste Lehre. Und dann entscheide wiederum der persönliche Eindruck, so die Lehrlingsverantwortliche der Bank weiter: Ist die Person offen? Kann man sie an den Schalter stellen? Zeigt sie durch Fragen echtes Interesse am Beruf?

Auch Umgangsformen zählen

Fragen stellen, Interesse bekunden, zeigen, dass man sich mit dem Beruf und dem Betrieb auseinandergesetzt hat und motiviert ist: Das zählt bei jeder Stellensuche. Je nach Branche fallen aber auch andere Aspekte mehr oder weniger ins Gewicht: «Gute Umgangsformen, gutes Deutsch und ein gepflegtes Äusseres» nennt etwa Markus Manhart, der bei der Coiffeur-Kette «Hairstylist Pierre» für Lehrlinge da ist. Ganz schlecht kommen kaputte oder nach Rauch stinkende Bewerbungen an – «alles schon vorgekommen», sagt Andrea Fernandes von der Konditorei Bachmann.

Und fügt an: «Wir sind in der Lebensmittelbranche tätig. Da ist Hygiene sehr wichtig.» Cornelia Gerber, Berufsbildnerin des Logistik-Unternehmens Kohler, nennt einen weiteren Aspekt, den Jugendliche bei der Lehrstellensuche beachten sollten: Anstand. Respekt. Eine gepflegte Redeweise. «Danke» und «bitte» sagen. «Das ist leider nicht mehr selbstverständlich.» Der Gangster-Jargon, den manche Jugendlichen pflegen, wirke sich bei der Lehrstellensuche negativ aus.