Die Universität Zürich (UZH) und die Jacobs Foundation mit Sitz in Zürich wollen einen «Leuchtturm» der Jugendforschung mit internationaler Strahlkraft aufbauen. Sie haben einen 20-Jahres-Vertrag abgeschlossen für ein interdisziplinäres Kompetenzzentrum, das sie mit insgesamt je 35 Millionen Franken finanzieren.

Das seit gut zehn Jahren bestehende Jacobs Center for Productive Youth Development an der UZH wird stark ausgebaut. Zum bisher einzigen Lehrstuhl in Soziologie kommen ab August 2015 zusätzlich je eine Professur in Psychologie und in Ökonomie. Dazu kommen drei Assistenzprofessuren, wie der interimistische UZH-Rektor Otfried Jarren gestern vor den Medien erklärte.

Auch Stellen für Doktorierende

Zudem wolle das Zentrum den wissenschaftlichen Nachwuchs fördern, sagte der Neuropsychologe Lutz Jäncke, der das Konzept für das Zentrum mitverfasst hat: Es würden deshalb auch Stellen für Doktorierende und Post-Doktorierende geschaffen. Sie sollen sich das Rüstzeug holen für internationale Laufbahnen. Umgekehrt wolle das Zentrum international anerkannte Fachleute gewinnen. Unter den drei Fachgebieten, aber auch über deren Grenzen hinaus, sollen die Wissenschafter zusammenarbeiten. So werden beispielsweise Kontakte zur Medizin geknüpft.

Die Tätigkeit der Forschenden soll ausgesprochen «anwendungsorientiert» und «zukunftsorientiert» sein, wie Stiftungsratspräsident Johann Christian Jacobs sagte. Laut Jäncke geht es um Fragen rund um die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen. Erforscht werden beispielsweise die Bedeutung äusserer Gegebenheiten wie Familie oder Gleichaltrigen-Gruppe und die Möglichkeiten, nachteilige Voraussetzungen zu korrigieren.

Schnelle Ergebnisse? Fehlanzeige

Die Wissenschafterinnen und Wissenschafter wollen auch etwa herausfinden, wie man Kindern und Jugendlichen helfen kann, ihre Fähigkeiten zur Selbstregulation zu entwickeln und zu verbessern. Dies sei ein wesentliches Element der Verhaltenssteuerung, so Jaencke. Die Arbeit der Forschenden sei «nicht deskriptiv, sondern empirisch und kausal erklärend». Das bedeute, dass keine schnellen Ergebnisse zu erwarten seien: Beispielsweise Längsschnitt-Studien mit immer wiederkehrenden Befragungen und Erhebungen ziehen sich über Jahre. Man verspreche sich «Erkenntnisse zum Wohl der Kinder und Jugendlichen und der Gesellschaft», sagte Jäncke.

Mehrwert auch für die Wirtschaft

Bildungsdirektorin Regine Aeppli, die zudem den Universitätsrat präsidiert, zeigte sich sehr erfreut über die intensivierte Zusammenarbeit. Die Arbeit der Forschenden bringe einen «Mehrwert für die Gesellschaft. Und so letztlich für die Wirtschaft».

Was Kinder und Jugendliche betreffe, habe Auswirkungen auf die ganze Gesellschaft. Beispielsweise habe der Besitz eines Smartphones Einfluss auf das soziale und kommunikative Verhalten eines Jugendlichen. Dies wirke sich auf den Schulerfolg aus und dieser habe wiederum Auswirkungen auf das Erwerbsleben.

Laut Stiftungsratspräsident Jacobs ist es der Stiftung ein zentrales Anliegen, an den Lebensbedingungen des Einzelnen zu arbeiten und damit die Gesellschaft zu verändern. Die Stiftung engagiert sich denn auch seit Jahren in diesem Bereich. Weil Nachhaltigkeit bei dieser Arbeit unabdingbar sei, habe man einen langjährigen Vertrag mit der UZH abgeschlossen. Für Zürich, die Schweiz und Westeuropa solle «ein Leuchtturm entstehen», sagte Jacobs. (sda)