Grosse Pläne für die frühere Kunstgewerbeschule und ihre Umgebung: Ab 2020 soll entlang der Ausstellungsstrasse und der Limmatstrasse im Zürcher Kreis 5 eine «Berufsbildungsmeile» mit Sportanlagen, Verpflegungseinrichtungen und einer gemeinsamen Mediothek entstehen.

Die kantonale Bildungsdirektion will so die verschiedenen in der Stadt verstreuten Berufsbildungsschulen zusammenzuführen. Das gesamte Projekt umfasst mehrere Neubauten, aber auch Sanierungen – etwa im Fall der Ausstellungsstrasse 100 und 90, die unter Schutz stehen. Kostenpunkt: rund 258 Millionen Franken. Der Regierungsrat wird die jeweiligen Baukredite dem Kantonsrat zur Bewilligung vorlegen.

Türöffner für das Vorhaben sei der Umzug der Zürcher Hochschule der Künste (ZHdK) auf das Toni-Areal gewesen, sagt Hans Jörg Höhener, der stellvertretende Chef des kantonalen Mittelschul- und Berufsbildungsamts: «Die räumliche Situation der Berufsfachschulen war schon länger unbefriedigend.»

So sind etwa einzelne Schulen wie die Berufsschule für Gestaltung oder die Allgemeine Berufsschule Zürich derzeit auf mehrere Standorte verteilt. Teilweise ist die Infrastruktur veraltet, manche Schulen sind bloss in Gebäude eingemietet.

Und schliesslich fehlt es an diversen Turnhallen. Diese wären nötig, um den gemäss Sportförderungsgesetz vorgeschriebenen regelmässigen Turnunterricht abhalten zu können. Vom Mangel betroffen seien mit Ausnahme der technischen Berufsschule alle Berufsfachschulen, sagt Höhener: «Die Lernenden müssen für den Sportunterricht beispielsweise auf gemietete Kraft- und Fitnessräume ausweichen.»

Die Berufsbildungsmeile

Die Berufsbildungsmeile

Bücher und Sport an einem Ort

Dieses Problem soll an der geplanten «Berufsbildungsmeile» mit einer grossen, von den einzelnen Schulen gemeinsam genutzten Sechsfachturnhalle am Sihlquai sowie mehreren kleineren Sportanlagen in einzelnen Berufsfachschulgebäuden behoben werden. Die neuen Turnhallen kommen aber auch der Öffentlichkeit zugute: Sie sollen gemäss Regierungsratsbeschluss von Anfang September ausserhalb der Schulzeiten auch Vereinen offenstehen.

Wie bei den Sportanlagen werden auch für die Verpflegung und die Versorgung mit Büchern, DVDs und anderen Medien zentralisierte Einrichtungen im Herz der «Berufsbildungsmeile» an der Ausstellungsstrasse erstellt.

Damit sie auch ausserhalb der Schulzeit zugänglich bleiben können, wird für die Sporträume, Mensa und Mediothek gemäss heutigem Stand ein gesonderter Neubau zwischen den künftigen Standorten der Berufsschule für Gestaltung und der Technischen Berufsschule gebaut.

Derzeit führen noch alle Berufsfachschulen eigene Angebote in diesen schulergänzenden Bereichen. Mit der Zusammenlegung will der Kanton laut Höhener Investitions- und Betriebskosten einsparen können.

Die Öffentlichkeit soll aber von der «Berufsbildungsmeile» genauso profitieren. Gemäss der kantonalen Richtplanung musste für die betroffenen Strassenzüge ein Gebietsplan erstellt werden. Dieses Instrument erarbeitete das kantonale Amt für Raumentwicklung 2014 in Zusammenarbeit mit der Stadt Zürich.

Es enthält einen Katalog mit Zielsetzungen, mit denen gewährleistet werden soll, dass sich die neuen Bauten und Freiräume architektonisch und städtebaulich gut in das bestehende Quartier integrieren lassen.

Künftig gehts schneller zum Fluss

Konkret werden darin etwa die Ausstellungsstrasse, die Klingenanlage sowie die Aussenräume der Berufsfachschulen als Freiräume der «Berufsbildungsmeile» definiert. Die Ausstellungsstrasse soll als Begegnungsort aufgewertet, die Schulhöfe sollen zugänglich gemacht und heute geschlossene Durchgänge zwischen der Ausstellungsstrasse und dem Sihlquai geöffnet werden.

Aufgrund der belasteten Umgebung – beispielsweise wegen der Prostitution – sei dies derzeit nicht möglich, sagt Höhener: «Neben der optischen Aufwertung der Durchgänge würden daher auch polizeiliche Massnahmen der Stadt nötig sein, um das Ziel zu erreichen.» Die Strassenzüge im gesamten Planungsbereich sollen zudem für Fuss- und Veloverkehr attraktiver gestaltet werden.

Und schliesslich werden auch die neuen Verpflegungsangebote an der Ausstellungs- und Limmatstrasse öffentlich zugänglich sein. Zu diesem Zweck sind sie gemäss Regierungsratsbeschluss baulich auf die Begegnungsräume hin auszurichten.

Ab 2020 wird gebaut

Aufgrund der angespannten finanziellen Situation des Kantons wird die Umsetzung der «Berufbildungsmeile» etappiert: In den Jahren 2017 und 2018 finden die Architekturwettbewerbe für die beiden Entwicklungsbereiche Limmatstrasse-Hafnerstrasse und Ausstellungsstrasse-Sihlquai statt.

Die entsprechenden Mittel sind im konsolidierten Finanzplan 2017–2020 eingestellt. Ab 2020 werden dann die Bauten im Bereich Limmatstrasse-Hafnerstrasse erstellt werden, jene im zweiten Entwicklungsgebiet folgen später.