Es war eine einfache Massnahme, die die Verantwortlichen der Glattalbahn und des Kantons Zürich im vergangenen Sommer umsetzten. Sie färbten an gefährlichen Stellen das Trassee der Strassenbahn mit grüner Farbe ein. Die Hoffnung: Die neue Glattalbahn sollte so sichtbarer werden. Und die Unfallserie, die sich seit ihrer Eröffnung ereignet hatte, sollte so beendet werden.

Doch die einfache Massnahme hat ihre Wirkung verfehlt: «Der erhoffte Effekt blieb aus», zog Kantonsingenieur Felix Muff gestern an einer Medienkonferenz Bilanz. Die giftgrüne Farbe habe «nur zu einer unwesentlichen Verhaltensänderung der Verkehrsteilnehmenden geführt».

Bis zu einem Fünftel aller Fussgänger und Velofahrer überqueren die Gleise der Glattalbahn trotz roter Ampel – und trotz der grünen Bodenfarbe. Und auch einige Autofahrer haben sowohl Lichtsignalanlage als auch Bodenmarkierung übersehen. Die Folge: Es gab erneut Kollisionen.

Seit die Glattalbahn in Betrieb ist, hat die Kantonspolizei Zürich insgesamt 43 Unfälle registriert. Eine Person zog sich tödliche Verletzung zu. 12 Personen verletzten sich schwer, 30 leicht.

Ziel: 50 Prozent weniger Unfälle

Pro Million gefahrene Kilometer wurden auf dem Netz der Glattalbahn somit durchschnittlich 10,3 Unfälle registriert. Landesweit ist die Quote bei Strassenbahnen und Trams um rund 20 Prozent tiefer (8,3 Unfälle). Matthias Keller, der Direktor der Verkehrsbetriebe Glattal VGB, will nun handeln: «Langfristig soll sich die Zahl der Unfälle halbieren.»

Mit den einfachen, günstigen, rasch umsetzbaren Massnahmen des vergangenen Sommers liesse sich dieses Ziel offenbar nicht erreichen, sagte Keller gestern. Nun plant er an fünf neuralgischen Kreuzungen, an denen sich rund die Hälfte aller Kollisionen ereigneten, bauliche Massnahmen: «Wir werden Barrieren erstellen müssen», sagte der VGB-Direktor.

Begeistert sei über diese Massnahme wohl niemand, räumte Matthias Keller ein. «Aber die Sicherheit geht einfach vor, es gibt keine Alternative.»

Verkehrstechnisch sollten sich die drei Schranken an der Flughofstrasse in Opfikon sowie je eine Barrierenanlage in Wallisellen und Dübendorf realisieren lassen, glaubt der VGB-Direktor.

Zwar sei unbestritten, dass es im Vergleich zu heute ein paar Sekunden länger dauern werde, weil sich erst die Schranken schliessen müssten. Aber die fünf betroffenen Kreuzungen befänden sich an Nebenachsen. Zudem hätten sich die 14 Schrankenanlagen, die bereits seit der Eröffnung in Betrieb sind, ja auch bewährt.

Die Kosten werden pro Kreuzung auf 300 000 bis 600 000 Franken veranschlagt. Schon in zwei Jahren sollen die Barrieren gebaut sein, hofft Matthias Keller. Dieser ambitiöse Zeitplan wird jedoch nur einzuhalten sein, wenn keine Einsprachen eingehen.

Schneller bremsen

Bis die Barrieren in zwei oder mehr Jahren realisiert sind, werden die Cobratrams an den fünf neuralgischen Stellen langsamer verkehren. Im Bereich der gefährlichen Kreuzungen gilt ab sofort höchstens ein Tempo von 36 Kilometern pro Stunde. Der Bremsweg reduziert sich damit im Vergleich zur ansonsten erlaubten maximalen Streckengeschwindigkeit von 60 Stundenkilometern auf ein Drittel. Am Fahrplan ändert sich dadurch nichts.

Vorgesehen ist im Weiteren, dass in der Frontpartie der Cobratrams ein drittes Positionslicht eingebaut wird. «Sie sollen so eindeutig als öffentliches Verkehrsmittel identifizierbar werden», erläuterte Matthias Keller. Heute könnte das Tram mit seinen zwei Scheinwerfern in der Nacht mit einem Auto verwechselt werden.

Die Kantonspolizei Zürich hat die bislang auf dem Netz der Glattalbahn registrierten Kollisionen ausgewertet. Die meisten Unfälle wurden dabei nicht von ortsfremden Personen verursacht, die von einem Tram in der Agglomeration überrascht wurden, sondern von Leuten, die mit der Strecke «gut vertraut» waren, wie Marc Neracher, Chef der verkehrstechnischen Abteilung, erklärte. Die Unfälle passierten meist bei trockener Witterung sowie bei schwachem Verkehrsaufkommen. Als Unfallursache gilt laut Neracher deshalb in den meisten Fällen «Unaufmerksamkeit». Autolenker, Radfahrer oder Fussgänger hatten in der Regel schlicht das Rotlicht missachtet. (og)