Fuchsräude in Dübendorf – eine Person infiziert

Die lokale Jagdgesellschaft fordert, dass die Bevölkerung besser über den Parasiten aufgeklärt wird.

Laurin Eicher
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Hier, auf seiner Terrasse, soll sich ein 82-jähriger Mann aus Dübendorf mit der Fuchsräude infiziert haben.

Hier, auf seiner Terrasse, soll sich ein 82-jähriger Mann aus Dübendorf mit der Fuchsräude infiziert haben.

Bild: Christian Merz

Füchse machen nahezu ohne Scheu vom üppigen Nahrungsangebot im Siedlungsgebiet Gebrauch und hinterlassen ihre Spuren. Auch dass viele der Tiere an der Fuchsräude erkrankt sind, ist eigentlich bekannt; die Tiere mit ihren geschundenen Fellen sehen oft prekär aus. Der starke Juckreiz entsteht dadurch, weil die Milben auf der Haut eine allergische Reaktion verursachen.

Dass auch der Mensch an Fuchsräude erkranken kann, ist weniger geläufig: Erstmals hat sich nun ein Mann in Dübendorf infiziert. E.M. (Name der Redaktion bekannt), die Frau des Erkrankten, steht auf der Terrasse ihres Hauses. Hier, so glaubt sie, habe sich ihr Mann mit den Milben eines kranken Fuchses angesteckt. Das Ehepaar möchte ihre Namen nicht in der Zeitung lesen. Sie haben Angst davor, von Nachbarn verunglimpft oder beschimpft zu werden.

Sie zeigt auf einen gedeckten Bereich ihrer Terrasse, wo in den wärmeren Monaten jeweils eine Liege steht. «Mein Mann hat sich auf die mit einem Tuch bedeckte Liege gelegt. Einen Tag darauf bekam der 82-Jährige starken Juckreiz und Rötungen am Rücken.»

Nachdem der Juckreiz und die Rötungen schlimmer wurden, suchten sie den Hausarzt auf. Das Paar gab dem Arzt zu verstehen, dass die Infektion mit der Fuchsräude in Verbindung stehen müsse.

Es waren gleich zwei «Rosskuren» notwendig

Doch dieser habe zuerst gemeint, dass eine Übertragung vom Fuchs auf den Menschen nicht möglich sei. Nachdem eine Behandlung mit mehreren Cortisonsalben erfolglos war und die Symptome stärker wurden, sei der Arzt dann unsicher geworden, sagt E.M.

Schliesslich hat eine Analyse einer Gewebeprobe eine Krätze, in der Fachsprache Skabies, bestätigt. Während der Milbenbefall beim Fuchs in der Regel innert drei Monaten zum Tod führt, ist die sogenannte Pseudokrätze bei gesunden Menschen gut therapierbar.

Der Mann sitzt in der Wohnung. Angesprochen auf seine Erkrankung, die vor knapp zwei Monaten ihren Anfang nahm, erwidert er klare Worte: «Ich habe das Thema Fuchs satt!» Zwei «Rosskuren» mit Medikamenten, die in der Schweiz nicht zugelassen sind, musste er auf sich nehmen. Nun glaubt er, dass er geheilt und nicht mehr ansteckend sei, auch wenn noch einzelne Rötungen vorhanden seien, sagt er im Gespräch.

Kenntnis vom Vorfall hätten einzig ihre direkten Nachbarn und die Mitglieder der Jagdgesellschaft Dübendorf. Der Obmann der Jagdgesellschaft, Bence Andras, sagt: «Es ist furchtbar, dass ein Mensch angesteckt wurde.»

Bei der Stadt Dübendorf hofft man darauf, dass es sich um einen Einzelfall handelt. Doris Meyer von der zuständigen Abteilung Finanz- und Controllingdienste schreibt auf Anfrage: «Dass es zu einer solchen Erkrankung kommt, ist für die betroffene Person schlimm.» Man hoffe sehr, dass die Person wieder gesund werde. Andras und seine Kollegen der Jagdgesellschaft wissen um die Gefahr, die von der Fuchsräude ausgeht. «Wir sehen viele kranke Tiere und schiessen so viele wir können, doch wir sind personell limitiert.» Eine Gefahr besteht nicht nur für den Menschen; sondern auch – und dies in grösserem Ausmass – für Hunde. Auch diese müssen nach einer diagnostizierten Ansteckung von einem Tierarzt medikamentös behandelt werden.

Verhalten der Bevölkerung ist unverändert

Die Jagdgesellschaft ist bemüht, dort Fallen zu stellen, wo Füchse stören oder Schäden anrichten, klärt die Bewohner präventiv auf und schiesst Füchse, wenn alle anderen Mittel erfolglos waren. Obwohl die Stadt in Form eines Merkblattes sensibilisiert habe, stuft Andras die Situation nach wie vor als unverändert ein. «Der Fuchsbestand in den Siedlungen ist hoch und viele Leute verhalten sich nach wie vor falsch.»

Gemeint sind damit jene Bewohner, die Futter für Haustiere im Freien platzieren oder gar die Füchse selbst füttern. Deshalb sehe er den besten Ansatz, um das Problem anzugehen, darin, dass die Bevölkerung besser aufgeklärt werde. Die Stadt ihrerseits schreibt, dass man in Zusammenarbeit mit der Jagdgesellschaft und dem Kanton daran sei, «noch bessere Wege zur Aufklärung und Sensibilisierung» zu finden. «Wir werden weiter über das Thema informieren, mit dem Ziel, den Umgang mit dem Fuchs und die präventiven Möglichkeiten, die jeder hat, verständlich zu machen.» Wann und in welcher Form man informieren werde, konnte Doris Meyer auf Nachfrage noch nicht sagen.