Für VFSN-Präsident Thomas Morf ist der Vertrag, den die Parlamente beider Länder noch ratifizieren müssen, «katastrophal», wie er in einem am Dienstag publizierten Interview mit der «Neuen Zürcher Zeitung» (NZZ) sagte. Die Schweiz müsse damit rund 25'000 zusätzliche Anflüge im Jahr in Kauf nehmen.

Das schlechte Resultat erstaune allerdings nicht. Die Schweizer Delegation sei nämlich von der Prognose ausgegangen, dass die Zahl der Flugbewegungen bis ins Jahr 2020 von etwa 270'000 auf 350'000 zunehmen werde.

Die Entwicklung der letzten Jahren zeige aber, dass dies nicht zutreffe. Das Passagierwachstum werde über grössere Flugzeuge und bessere Auslastung absorbiert.

Ob die Flugzeuge in Zukunft - wie im Staatsvertrag vorgesehen - den Flughafen Zürich nicht mehr über Süden, sondern im gekröpften Nordanflug über den Aargau anfliegen werden, das steht für Morf politisch «noch in den Sternen». Die Wahrscheinlichkeit sei gross, dass viele der zusätzlichen 25'000 Anflüge über den Süden abgewickelt würden.

Als nötig erachtet Morf die Pistenverlängerungen. Wenn die von den übrigen Regionen geforderte Verteilung des Fluglärms fair sein solle, müssten alle Pisten in etwa die gleiche Stabilität des Flugregimes gewährleisten.

Technologischer Fortschritt verschlafen

Den grossen Fehler hat nach Ansicht des VFSN-Präsidenten in den letzten Jahren die Schweizer Luftfahrtindustrie begangen. Diese habe nämlich den Einsatz zeitgemässer Technologien verschlafen.

Anflugverfahren wie der Continuous Descent Approach, bei dem die Flugzeuge steiler und quasi im Leerlauf den Flughafen anfliegen, könnten die Lärmbelastung drastisch reduzieren.

«Wenn der Flughafen, die Airlines und der Bund solche Innovationen vorangetrieben hätten, wäre die ganze Lärm-Thematik entschärft worden», ist Morf überzeugt.

Was auf dem Flughafen Zürich laufe, werde jedoch von der Lufthansa bestimmt - und sei ausgerichtet auf ihr Triple-Hub-Konzept mit den Flughäfen München, Frankfurt und Zürich. Es sei aber nicht einsehbar, warum die Schweizer Bevölkerung für das Gedeihen dieses deutschen Konstrukts bluten soll.