Zürich
Frühzeitig eingestellter Schoggi-Brunnen sorgt für Ärger und böse Worte

Früher als geplant wurde der Schokobrunnen in Leutschenbach geschlossen. Sehr zum Ärger der Macher. Mehr zu den Hintergründen des Streits zwischen Auftraggeber und Künstler.

Simone Matthieu
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Die beiden Initianten Frank und Patrik Riklin präsentieren ihre interaktive Kunstinstallation.
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Der Schoggi-Brunnen im Leutschenbach
Diese drei Jungs haben eines der begehrten Getränke ergattert.

Die beiden Initianten Frank und Patrik Riklin präsentieren ihre interaktive Kunstinstallation.

ZVG

«Das ist eine Frechheit, die wir nicht akzeptieren können!» Die Zwillinge und Künstler Patrik und Frank Riklin sind untröstlich und kaum zu beruhigen. Durcheinander klönen sie jedem, der zuhört, vom Unrecht, das ihnen widerfahren ist: Ihrem genialen Konzept, dem Schoko-Trinkbrunnen in Zürich Leutschenbach, wurde vorzeitig der Hahn abgedreht. Die Künstler haben den Trinkbrunnen, aus dem man gratis flüssige Schokolade, Bouillon oder Kaffee herauslassen kann, konzipiert.

Leider wurde sein Erfolg dem Trinkbrunnen zum Verhängnis. Er gehört zum Konzept des Hunziker-Areals, einem neuen Quartierteil, der 1100 Menschen beherbergen soll. Das Bauprojekt soll Ende des Jahres fertig werden. Auf einem Platz in dem neuen Quartier erhält der Schokobrunnen einen festen Standort.

Keine Freude herrscht

Der Brunnen sollte schon vor Fertigstellung der Bauten für Freude sorgen. Doch statt Freude gibts Ärger. Zurzeit ist der Brunnen provisorisch in die Pavillons der Wohnbaugenossenschaft «Mehr als wohnen» integriert, die für das Hunziker-Areal zuständig ist. Der Automat steht de facto in deren Sitzungszimmer, lediglich die Lücke für die Becher und die Druckknöpfe sind an der Aussenwand. Im Zimmer nebenan hat ausserdem Geschäftsführerin Monika Sprecher ihr Büro. Die Pavillons sind in Leichtbauweise konstruiert, das heisst, man hört jedes laute Wort ennet der Holzwand. Und erst recht hören die Arbeitenden die Benutzer des Brunnens, die gerne hin und wieder gegen den Automaten hämmern, weil das Getränk nicht oder nicht schnell genug herauskommt. Ausserdem treffen sich vor dem Brunnen die Jugendlichen des Quartiers. Auch sie nehmen mit ihrer Lautstärke keine Rücksicht auf die lärmgeplagten Wohnbaugenossenschafter.

«Der Brunnen wurde zum Treffpunkt für die Jugendlichen des Quartiers. Da müsste den Bauherren doch eigentlich das Herz aufgehen, denn laut eigenen Angaben ist es genau das, was sie wollen: ein Miteinander im neuen Quartier», regt sich Künstler Frank Riklin auf. Und jetzt, wo diese Vision Wirklichkeit geworden sei, sei man plötzlich nicht mehr glücklich darüber und stelle den Brunnen ab. Und das erst noch vorzeitig und gegen den Willen der Riklins. «Was sollen denn die Kinder und Jugendlichen denken», klagt Patrik Riklin lautstark. «Es floss ein halbes Jahr lang Schokolade aus dem Brunnen und plötzlich ist da nichts mehr. Die wissen ja nicht, dass das keine Entscheidung von uns Künstlern ist, sondern dass wir uns zu fügen haben. Wir wollen nicht, dass die Kinder Schlechtes von uns denken, und können es doch nicht verhindern.»

«Wir sind keine Kunstbanausen»

Die Brüder Riklin hauen gerne mal auf den Tisch, damit hat auch die Genossenschaft «Mehr als wohnen» schon Erfahrungen gemacht. Im Gegensatz zu den Riklin-Brüdern versuchen sie, eine Eskalation des Streits möglichst zu verhindern. «Es geht nicht anders, wir müssen weiter zusammenarbeiten», sagt Sprecher Hans Conrad Daeniker. «Die Künstler haben einen sehr interessanten und gut bezahlten Auftrag von uns erhalten. Da ist es nicht schön, wenn sie uns Baugenossenschafter als Kunstbanausen beschimpfen, weil wir den Brunnen früher als geplant abgestellt haben.» Der Grund dafür sei vernünftig unter dem Gesichtspunkt, dass die Leute in den Pavillons nicht mehr arbeiten könnten.

Einen kleinen Seitenhieb gegen die Brüder kann sich der «Mehr als wohnen»-Sprecher nicht verkneifen: «Denen ist der ganze Wirbel um das frühzeitige Abschalten gerade recht. Sie nutzen alles, was geht, zur Selbstvermarktung und machen mit viel Wirbel aus einer Mücke einen Elefanten.» Die Riklins würden nichts auslassen, um auf sich aufmerksam zu machen. «Sie haben sogar E-Mails verschickt, mit einer Liste, welche Medien über dieses aus ihrer Sicht skandalöse Treiben berichtet haben.»