Zürich
Fristlose Entlassung: wie ein ZHAW-Zentrumsleiter seine Hochschule narrte

Jahrelang fälschte er die Unterschrift seines Vorgesetzten, schliesslich überführte die ZHAW ihren Mitarbeiter mittels eines Grafologen. Der Grund für das Fehlverhalten bleibt nebulös.

Mirko Plüss
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Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften entliess einen hohen Angestellten wegen Unterschriftenfälschung.

Die Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften entliess einen hohen Angestellten wegen Unterschriftenfälschung.

Keystone

Mit seinem hohen akademischen Grad bezog er einen stolzen Jahreslohn und seine eingereichten Reise- und Übernachtungsspesen waren inhaltlich vollkommen korrekt. Weshalb also begann der Leiter eines Zentrums der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) überhaupt damit, die Unterschriften auf seinen Spesenformularen zu fälschen? Und weshalb hielten die Fälschungen fast fünf Jahre lang an? Die Beweggründe des Mannes bleiben unklar, er liess mehrere Anfragen der Presse unbeantwortet.

Begonnen hatte die Angelegenheit, die nun zu zwei Urteilen führte, bereits im Januar 2014. Von damals datiert die erste Spesen-Fälschung. Korrekt wäre es gewesen, das interne ZHAW-Spesenformular selber zu unterschreiben und vom direkten Vorgesetzten signieren zu lassen. Der fehlbare ZHAW- Mitarbeiter imitierte jedoch die Unterschrift seines Chefs gekonnt und tat dies auch in den Folgejahren immer wieder.

Fristlose Entlassung und eine Anzeige

Erst Mitte Oktober 2018 kam beim Vorgesetzten der Verdacht auf, es könnte etwas nicht stimmen. Die ZHAW überprüfte den Fall und startete eine externe grafologische Untersuchung. Nun standen Fälschungen in mehr als zehn Fällen definitiv fest. Der damit konfrontierte Zentrumsleiter gestand alles ein, entschuldigte sich und betonte, die Spesen selber seien ja nicht irregulär gewesen.

Doch es nützte nichts: Der langjährige Mitarbeiter, der mit seiner Expertise auch immer wieder ein von den Medien gefragter Mann war, wurde von der Hochschule fristlos entlassen und bei der Polizei angezeigt.

Kürzlich wurde der Mann nun von der Winterthurer Staatsanwaltschaft wegen Urkundenfälschung zu einer bedingten Geldstrafe von 8000 Franken verurteilt, bezahlen muss er eine Busse von 2000 Franken. Er habe sich mit seinem Vorgehen einen «zeitlichen und administrativen Vorteil» verschaffen wollen, heisst es im Strafbefehl. Er hat das Urteil akzeptiert, das sich allerdings nicht über den gesamten Zeitraum der Fälschungen erstreckt und einen Spesenbetrag von 9900 Franken nennt. Der Fall wurde parallel vor dem Zürcher Verwaltungsgericht verhandelt. Denn der Mann hatte nach der fristlosen Kündigung seinerseits eine Klage gegen die ZHAW eingereicht. Er verlangte eine Lohnfortzahlung und eine Entschädigung von der Hochschule. Die Hochschule sei ja gar nicht zu Schaden gekommen, da er sich nicht bereichert habe, so seine Argumentation. Er habe lediglich interne Weisungen nicht befolgt, das rechtfertige noch keine fristlose Kündigung.

Das Urteil des Verwaltungsgerichts, das kürzlich publiziert wurde, ist aber eindeutig. Der Mann wird in allen Punkten abgewiesen. Die Fälschung einer Unterschrift sei eine «schwerwiegende Verletzung der personalrechtlichen Treuepflicht». Er habe die Vertrauensgrundlage zerstört. Eine temporäre Weiterbeschäftigung sei auch deshalb unzumutbar gewesen, weil der Mann die ZHAW nicht nur gegenüber den Studierenden sondern auch gegenüber externen Kunden repräsentiert habe.

Kontrollmechanismen stossen an ihre Grenzen

Laut der ZHAW-Medienstelle wurden im Rahmen der internen Ermittlungen auch «weitere Ausgaben im Verantwortungsbereich» des Ex-Mitarbeiters überprüft, zusätzliches Fehlverhalten kam offenbar nicht zu Tage. Auf die Frage, weshalb die Fälschungen so lange nicht aufflogen, schreibt die Medienstelle: «Bei Straftaten stossen die Kontrollmechanismen, die grundsätzlich funktionieren, an ihre Grenzen. Zudem kam erschwerend hinzu, dass es sich bei den abgerechneten Spesen nicht um per se falsche Spesenabrechnungen handelte.»

Der Vorgesetzte des Zentrumsleiters habe jedenfalls alle seine Pflichten korrekt erfüllt, weshalb es auch keine weiteren personalrechtlichen Massnahmen gab.