Ernst Hauser ist zwar pensioniert, im Ruhestand ist er dieser Tage allerdings nicht. Der 69-Jährige ist hauptverantwortlich für die Infrastruktur am Zürcher Kantonalturnfest, das vom 15. bis am 25. Juni steigt. In Wanderschuhen und mit einer hellblauen Kappe führte er gestern Medienschaffende über das Festgelände in Rikon.

Die Journalisten zeigten sich beeindruckt. In wenigen Tagen ist auf einer Wiese zwischen der Töss und einem Wald eine Zeltstadt entstanden. Im grössten Festzelt schweift der Blick über eine kurz geschnittene Wiese in die Ferne. Weisse Lampions baumeln weit oben an der Decke. Hier könnte man problemlos ein Passagierflugzeug parkieren.

Aufgestellt wurde das Zelt aber für einen anderen Zweck: Es dient zur Erholung und als Treffpunkt von rund 12 500 Turnerinnen und Turnern, die sich auf den Anlagen rundherum in allen möglichen Disziplinen messen werden, etwa im Trampolinspringen, in Gymnastik, Leichtathletik oder im Geräteturnen.

Mit dem Zug anreisen

Nur schon am zweiten Festwochenende erwarten die Organisatoren rund 20 000 Personen auf dem Areal. Damit alles reibungslos klappt, sind Hunderte Stunden ehrenamtlicher Arbeit nötig. Vom OK-Präsidenten bis zum Handlanger arbeiten die Helfer gratis mit. Unterstützung gibt es zudem vom Zivilschutz (siehe Artikel unten). Eine grössere Übung ist die Verkehrsplanung.

Zahlreiche Extrazüge und Busse verkehren ins Tösstal. Über eine eigens dafür gebaute Brücke gelangen Zuschauer und Turner vom Bahnhof über die Töss und direkt ins Festgelände.
Kniffliger, als es der Brückenbau war, ist für Infrastrukturchef Ernst Hauser aber die Koordination. Jeden Tag sieht er neue Gesichter. Die Pläne müssen deshalb klar sein, damit er die Freiwilligen rasch zuteilen kann. Wie in anderen Bereichen hat er dabei Unterstützung von Profis. Im Komitee sitze eine Frau, die in einem Ingenieurbüro arbeite und dort über die nötigen Planungsinstrumente verfüge.

Ähnlich funktioniert es überall bei der Vorbereitung: Betriebe aus der Region spielen Schreiner, Elektriker und andere Spezialisten frei, die dann am Kantonalturnfest mithelfen.
Der Zürcher Turnverband beobachtet die Vorbereitungen im Tösstal mit Begeisterung: «Viele beziehen Ferien, um mitzuhelfen», sagte Präsident Frank Günthardt auf dem Rundgang. «Schön, dass das heute noch so möglich ist.» Er bekomme eine Hühnerhaut, wenn er sehe, wie professionell hier gearbeitet werde. «Tief beeindruckt» ist auch René Bosshard, der Kantonaloberturner. Das Turnfest sei so, wie ein Turnfest im besten Fall sein sollte: Spitzenleistungen auf einer grünen Wiese, mitten in schöner Natur.

Mit im Boot sind auch Landbesitzer und die Standortgemeinde. Ein Teil des Geländes gehört der Firma Kuhn Rikon. Wolfgang Auwärter, ehemaliger CEO, sagte auf dem Rundgang, er sei stolz -darauf, dass ein solcher Anlass in Rikon stattfinden könne. Und der Zeller Gemeindepräsident Martin Lüdin sieht das Turnfest als Chance, die Schönheiten des Tösstals zu präsentieren.

Typisch Tösstal

Für OK-Präsident Hans-Peter Meier ist es typisch für das Tösstal, dass sich fast 3000 Freiwillige gemeldet haben, um mitzuhelfen. Man sei deshalb gut unterwegs, könne weitere Unterstützung aber immer noch brauchen.

Auch der Aufbau kommt dank des trockenen Wetters gut voran. «Wir haben etwa einen bis zwei Tage Vorsprung», sagte Infrastrukturchef Ernst Hauser. Ihn hat es so richtig reingezogen: An 21 Komiteesitzungen war er dabei. Rund 60 Lastwagenladungen werden unter seiner Leitung verbaut. Stromleitungen mussten gezogen werden und vieles mehr.
Auf die Frage, weshalb sie das alles machen, antworten befragte OK-Mitglieder unisono: «Weil es Spass macht.»