Tourismus
Freisein-Messe: Türkei als Gastland wird nur noch dezent erwähnt

Wochenlang machte die Freisein-Messe prominente Werbung für das Land, nun wechselt die Tonalität.

Lina Giusto
Drucken
Teilen
Die Türkei ist mit zwei Ständen an der Freisein-Messe vertreten.

Die Türkei ist mit zwei Ständen an der Freisein-Messe vertreten.

KEY

In einem Zürcher Bus hängt eine kartonierte Werbung für die Reiseveranstaltung «Freisein». Diese findet zum ersten Mal statt und beginnt diesen Donnerstag im Zürcher Hauptbahnhof. Das Gastland Türkei wird seit längerem prominent erwähnt und beworben. Auf der Veranstaltungs-Website aber bietet sich dem Besucher ein anderes Bild. Lediglich ein Logo am Ende der Seite verrät, dass die Türkei als Gastland dem Anlass beiwohnt. Patrik Weidenmann, Inhaber von Freisein, verweist auf den Website-Banner, der das Gastland ebenfalls erwähne.

Tatsächlich wird der Suchende nach einigen Sekunden fündig. Im Banner auf der Website findet sich ein Zahlen-Button. Nummer eins ist der Hinweis «Mit grosser Bühne und attraktivem Showprogramm». Nach fünf Sekunden wechselt der Zähler zur Nummer zwei: «Gastland Türkei.» Einen Klick später öffnet sich ein Dokument, dass Begrüssungsrituale und Gepflogenheiten in der Türkei dem Interessierten näherbringen. Dennoch bleibt der Eindruck haften, den Hinweis zum Gastland nur durch Zufall gefunden zu haben.

«Nicht mehr ganz so prominent»

Veranstalter Weidenmann sagt dazu: «Wir erwähnen das Gastland auf all unseren Werbemitteln. Auch wenn es auf der Website nicht mehr ganz so prominent erwähnt wird, ist das nicht zurückhaltend. Wir würden bei jedem anderen Gastland genau gleich kommunizieren.»

So recht überzeugt Weidenmanns Erklärungsversuch, man habe die Kommunikation hinsichtlich des Gastlandes nicht geändert, eben doch nicht. Denn wurde im Januar noch in einer Medienmitteilung einleitend auf das Gastland verwiesen, fand es in der in der vergangenen Woche versendeten Mitteilung keine Erwähnung mehr. Nur zwei Tage zuvor rief der «Blick» landesweit auf, Mitte April Nein zum Verfassungsreferendum in der Türkei zu stimmen.

Die Türkei und Europa befinden sich in einer diplomatischen Krise. Hier geht es zum Überblick.

Weidmann begründet die fehlende Erwähnung des Gastlandes in der jüngsten Mitteilung damit, nicht immer das gleiche schreiben zu wollen: «Wir wollen die Türkei als Feriendestination zeigen. Das ist auch unsere Aufgabe als Organisator einer Reiseshow.» So wurde anfänglich neben zwei Türkei-Ständen auch Kulinarisches sowie Darbietungen und Filmbeiträge angepriesen.

Ab Donnerstag werden am Stand des türkischen Kultur- und Tourismusbüros neben Kaffeedegustationen auch die Ebru-Kunst, eine türkische Färbeart von Textilien, gezeigt. Zudem werden türkische Volkstänze auf der Showbühne aufgeführt. Als Kultur- und Tourismusbüro der Türkei werde man Informationen rund um den Tourismus zur Verfügung stellen und Fragen dazu beantworten, sagt Direktorin Hilal Demirel. So werde ihre Ausstellung vom Schweizerisch-Türkischen Reisebüroverband und dem Veranstalter Bentour Reisen unterstützt. «Die Freisein-Veranstaltung hat ein sehr interessantes Konzept. Dabei können wir über unser Land als Ferienziel diskutieren und unsere Werte vermitteln», so Demirel. Jährlich würden 400 000 Schweizer die Türkei als Reiseziel wählen.

Regierung verdirbt Tourismus

Diese Zahlen aber leiden unter der politischen sowie der unsicheren Sicherheitslage in der Türkei. Nach Angaben des Amtes für Statistik in Ankara sanken die Einnahmen der Tourismusbranche um rund 30 Prozent im Vergleich zum Vorjahr.

Laut einem Bericht des mitteldeutschen Rundfunks MDR wirbt der türkische Aussenminister Cavusoglu bei seinen Auslandreisen für sein Land als Ferienziel. Bei der internationalen Berliner Reisemesse ITB Anfang März war die Türkei mit rund 50 Ausstellern vertreten. An der Ferienmesse Fespo in Zürich im Januar war das Land mit rund zehn Ständen vertreten. Also gleich vielen wie das Gastland Costa Rica.

An der Freisein-Messe sind 55 Aussteller vertreten, wovon das Gastland zwei Stände betreibt. Neben dem Kultur- und Tourismusbüro wird auch die Fluggesellschaft Turkish Airlines vertreten sein, die knapp zur Hälfte in türkischen Staatshänden liegt. Berichten der Sonntagspresse zufolge schadet die Politik des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan dem Unternehmen nachhaltig.