Strichplatz

Freier klagen über zu viele Helfer auf dem Strichplatz

Ein Auto entfernt sich von den Sexboxen auf dem Zürcher Strichplatz. Rund 30 Prostituierte boten am Eröffnungsabend auf dem Platz ihre Dienste an – für die Behörden ein «vielversprechender Start». KEystone

Ein Auto entfernt sich von den Sexboxen auf dem Zürcher Strichplatz. Rund 30 Prostituierte boten am Eröffnungsabend auf dem Platz ihre Dienste an – für die Behörden ein «vielversprechender Start». KEystone

Die ersten Erfahrungen aus dem Sexperiment von Zürich zeigen, dass sich die Freier auf dem Strichplatz über die vielen Helfer rund um die Sexboxen beklagen.

Die erste Nacht auf dem Strichplatz ist vorbei – tags darauf kursieren Erfahrungsberichte im Internet über das Angebot, mit dem die Stadt Zürich die Strassenprostitution in den Griff kriegen will. Die Berichte auf der Internetseite www.strichplatz.ch sind anonym, klingen aber authentisch. So schreibt ein Benützer: «Der Strichplatz ist richtig geil. Jedenfalls war es super cool, als das Fernsehen endlich weg war. Jetzt konnte auch ich meine Runde drehen.»

Kritisch äussert er sich über das «Grossaufgebot» der städtischen Einsatztruppe SIP (Sicherheit, Intervention, Prävention): «Die haben mich angehalten und mir den Parcours erklärt (vielen Dank aber nicht nötig, so schwierig ist es nicht).» Und weiter: «Eine Runde hat mir dann auch gelangt, hatte einen Tubel vor mir, der bei jeder angehalten hat. Mühsam, hinter mir hat sich dann auch schon eine Schlange gebildet. Sogar gehupt hat einer.»

Ein anderer anonymer Benützer schildert sein Erlebnis in der Sexbox – also in einer der Holzgaragen auf dem Strichplatz in Zürich Altstetten, wo Freier und Prostituierte zur Sache kommen, nachdem sie sich auf der vorangehenden Fahrschlaufe gefunden haben: «Das Ganze war schon etwas gewöhnungsbedürftig.» Doch der Sex mit der Prostituierten, die ihm offenbar vom früheren Strassenstrich am Sihlquai bekannt war, sei «wie immer» gewesen. Auch dieser Freier beklagt sich über die Präsenz des städtischen Personals, das auf dem Platz für Ordnung sorgt: «All die Helfer brauchen wir wirklich nicht, wenn wir unter uns sein wollen.»

«Vielversprechender Start»

Aus Sicht der Stadt Zürich, die den Strichplatz betreibt, war die Nacht auf gestern, Dienstag, ein «vielversprechender Start», so Sozialdepartementssprecher Thomas Meier. Die Befürchtung, dass der Medienrummel am Eröffnungsabend Prostituierte und Freier völlig abschrecken würde, habe sich nicht erfüllt. «Es waren rund 30 Sexarbeiterinnen da. Das sind etwa gleich viele wie früher am Sihlquai», sagt Meier. «Offenbar bekommt der Strichplatz von den Sexarbeiterinnen eine Chance.»

Auch Freier seien erschienen. Zu deren Anzahl mache die Stadt aber keine Angaben. Es werde Wochen und Monate dauern, bis sich zeige, ob sich der Strichplatz etabliere. Wichtig sei nun, dass der Medienrummel abflaue, damit das Geschäft auf dem Platz in Gang komme. Der Stadtrat will damit Prostituierten zu menschenwürdigeren Arbeitsbedingungen verhelfen und den Strassenstrich stadtverträglich gestalten.

In der Eröffnungsnacht wies das SIP-Personal gemäss Meier Strichplatz-Besucher immer wieder auf die Platzordnung hin: «Es gab Leute, die zu mehreren auf den Platz wollten», so der Sozialdepartements-Sprecher. Erlaubt ist aber immer nur ein Freier pro Auto. Auch einen Fussgänger musste das SIP-Personal laut Meier abweisen. Zugang zum Strichplatz haben Freier nur im Auto.

Die städtische Beratungsstelle Flora Dora, die bereits auf dem nun aufgehobenen Strassenstrich am Sihlquai in Kontakt mit den Prostituierten war, ist auf dem Strichplatz in einem Container präsent. Ihr Beratungsangebot wurde laut Meier in der Eröffnungsnacht von Prostituierten rege genutzt. In der Startphase seien auf dem Platz pro Nacht jeweils zwei Flora-Dora-Beraterinnen und zwei SIP-Leute im Einsatz.

Die mit der Strichplatz-Eröffnung verbundene Schliessung des Strassenstrichs am Sihlquai gelang laut Stadtpolizei-Sprecher Marco Cortesi: «Es war keine Prostituierte mehr am Sihlquai. Und auch kein Freier.» Ein Ausweichen zum Auto-Strich bei der Allmend Brunau oder zum Fussgänger-Strich im Niederdorf sei bislang nicht erkennbar: «Dort waren nicht mehr Frauen als sonst.» Einzig an der Langstrasse, wo Strassenprostitution verboten ist, habe die Polizei sieben Frauen angezeigt, die wohl Freier suchten. «Wir werden aufpassen, dass das nicht einreisst», sagt Cortesi.

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