Der Mann habe die Frauen in die Prostitution gebracht, sie bevormundet, kontrolliert und ihnen den grössten Teil der Einnahmen weggenommen, schreibt die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage. Auch gegenüber anderen Zuhältern soll er dominiert haben: Sie mussten ihm "Platzgelder" dafür zahlen, dass "ihre" Prostituierten an bestimmten Orten in Zürich und Olten anschaffen durften.

Eine besondere Rolle spielte eine junge Frau, die in Ungarn in ärmlichen Verhältnissen lebte. Gemäss der Staatsanwältin wurde sie im Februar 2013 ursprünglich von einem anderen Mann als Prostituierte in die Schweiz geholt, geriet dann aber völlig unter die Kontrolle des Beschuldigten.

Nur ein kleines Taschengeld

Er schrieb ihr laut Anklage vor, wo sie wann und wie lange anzuschaffen habe, was sie anzuziehen und wie sie sich zu verhalten habe. Von ihren Einkünften durfte sie nur ein kleines Taschengeld behalten – längst nicht die vereinbarten 50 Prozent. Auch in ihrer Freizeit durfte sie nicht machen, was sie wollte. Zur besseren Kontrolle hatte sie im gleichen Zimmer zu schlafen wie der Beschuldigte und dessen Freundin.

Mehr als einmal reiste die junge Frau in ihre Heimat zurück. Jedes Mal aber gelang es dem Beschuldigten, sie mit Drohungen und falschen Versprechungen, in die Schweiz zurückzuholen.

Im Mai 2014 suchte sie Hilfe bei der Zürcher Stadtpolizei, die sie an einem sicheren Ort unterbrachte. Entgegen allen Empfehlungen reiste sie jedoch wieder zurück nach Ungarn, wohin ihr der Beschuldigte prompt nachreiste. Er soll sie dann nach Dresden gebracht und dort erneut auf den Strich geschickt haben.

In Dresden festgenommen

Ende Juni 2014 hatte sie dann endgültig genug und wandte sich an die Dresdner Polizei. Diese nahm den Beschuldigten und dessen Partnerin fest und überstellte sie später nach Zürich. Die junge Frau tritt im Prozess als Privatklägerin auf.

Neben Menschenhandel klagt die Staatsanwältin den Beschuldigten auch der mehrfachen gewerbsmässigen fortgesetzten Erpressung, der mehrfachen Förderung der Prostitution sowie der versuchten Nötigung an. Bestraft werden soll er mit einer Freiheitsstrafe und einer Geldstrafe. Die genauen Strafanträge stellt sie am Prozess.