Zürich

Frauen leisten mehr, aber die Regierung will Care-Arbeit nicht bezahlen

Frauen leisteten in der Pflege im Kanton Zürich im Jahr 2016 unbezahlte Arbeit im Wert von 64 Milliarden Franken.  (Symbolbild)

Frauen leisteten in der Pflege im Kanton Zürich im Jahr 2016 unbezahlte Arbeit im Wert von 64 Milliarden Franken. (Symbolbild)

Frauen leisten viel mehr unbezahlte Pflege- und Betreuungsarbeit. Der Regierungsrat hält aber nichts davon, diese zu entlöhnen.

Sie betreuen die Kinder und pflegen kranke oder alte Angehörige – meist sind dies Frauen, und für diese Arbeit werden sie nicht bezahlt. Frauen leisteten im Kanton Zürich im Jahr 2016 unbezahlte Arbeit im Wert von 64 Milliarden Franken. Das entspricht fast der Hälfte der Wertschöpfung, die innerhalb desselben Jahres im Kanton durch bezahlte Erwerbstätigkeit erwirtschaftet wurde (134 Milliarden). Dies zeigen Hochrechnungen des Bundesamts für Statistik.

Durch ihr unbezahltes Engagement arbeiten diese Frauen, wenn überhaupt, nur Teilzeit. Das wiederum schadet ihren Karrieren und erhöht ihr Risiko, im Alter ohne Geld dazustehen. Denn kleine Pensen verhindern die Aufnahme in eine Pensionskasse.

Dieser Problematik haben sich die Stadtzürcher Kantonsrätinnen Jeannette Büsser (Grüne) und Laura Huonker (AL) angenommen. Sie haben in einer Anfrage den Regierungsrat gebeten, seine Sicht zu möglichen Massnahmen gegen die «Teilzeitfalle» kundzutun. Die Politikerinnen selber schlagen vor, entweder die Care-Arbeit zu bezahlen oder die Arbeitszeit der Kantonsangestellten so zu reduzieren, dass sich die Betreuungs- und Pflegearbeit gleichmässiger auf Männer und Frauen verteilt.

Senkung der Arbeitszeit sei einschränkend
Der Regierungsrat hält von beiden Ideen wenig, wie er in der am Donnerstag publizierten Antwort schreibt. Zwar teile er die Ansicht, dass die unbezahlte Arbeit zum grossen Teil von Frauen getragen werde und kleine Pensen den Wohlstand der Frauen im Alter gefährdeten. Eine generelle Senkung der Arbeitszeit hält er aber für zu einschränkend, da mehr Personen und finanzielle Mittel zur Verfügung stehen müssten, was dem wirtschaftlichen Wachstum im Kanton abträglich wäre.

Auch spricht sich der Regierungsrat gegen die Bezahlung von Care-Arbeit durch den Staat aus. Es stelle sich die Frage, wie viel die Care-Arbeit kosten dürfe und wer das festlege. Vielmehr empfiehlt die Regierung Arbeitsverträge zwischen Privaten, um die Care-Arbeit analog zu privaten Pflegerinnen oder Putzfrauen zu entlöhnen.

Statt auf die von den Kantonsrätinnen genannten Massnahmen zu setzen, will der Regierungsrat Mütter und Ehefrauen zur bezahlten Erwerbsarbeit motivieren. Dazu müsse das Steuer- und Sozialsystem an die heutigen Partnerschaftsmodelle angepasst werden. Denn heute werde das Hauptverdienermodell gefördert, bei dem der Mann den Grossteil des Familieneinkommens nach Hause bringt.

Massnahmen zur besseren Vereinbarkeit von Beruf und Familie seien etwa steuerliche Ausgleiche gegen die Heiratsstrafe, die Erhöhung des Steuerabzugs für Kinderbetreuungskosten und Anstossfinanzierungen für familienergänzende Betreuung.
Diese Anreize reichten aus Sicht der Regierung, damit beide Elternteile bis zum Pensionsalter qualifizierter Erwerbstätigkeit nachgehen könnten. «Einem zentralen Anliegen der Anfrage ist damit bereits Rechnung getragen», schreibt der Regierungsrat.

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